Geschlechtsspezifische Arbeit

Der Begriff "gender" stammt aus dem Englischen und bezeichnet - in Abgrenzung zum biologischen Geschlecht - die sozial und kulturell bedingten Verhaltensweisen und Identitäten von Frauen und Männern sowie das Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Weil sich diese historisch und gesellschaftlich wandeln können, sind sie einer Gestaltung und Veränderung zugänglich. "Mainstreaming" (von engl. mainstream = Hauptstrom) bedeutet, die Frage nach den Auswirkungen jeglicher Maßnahmen in allen Bereichen gesellschaftlichen Zusammenlebens jeweils für Männer und Frauen zu einem selbstverständlichen Bestandteil aller Entscheidungen, Prozesse und Reflektionen zu machen.

Gender Mainstgreaming ist eine verbindliche Projektleitlinie der Europäischen Untion und ihrer Mitgliedstaaten. Diese urde auf den Ebenen des Bundes und der Länder gesetzlich verankert und die Umsetzung wird mit Hilfe struktureller Maßnahmen gefördert. Durch die Weltgesundheitsorganisation WHO wurde darüber hinaus die Notwendigkeit von Gender Mainstreaming für eine geschlechtergerechte Gesundheitspolitik und -praxis formuliert, woraus sich die Anwendung auf den Suchtbereich zwingend ableitet.

Gender Mainstreaming ist eine Aufgabe der Entscheidungstragenden und Leitungsverantwortlichen wie auch von Mitarbeitenden, in allen Bereichen des Suchthilfesystems (Politik, Forschung, Präventin, Beratung, Behandlung, Nachsorge, Selbsthilfe etc.) mit dem Ziel, die Gleichstellung von Frauen und Männern zu verwirklichen. Dabei wird zum einen die Ebene der Organisationen und Einrichtungen mit ihren Beschäftigten berücksichtigt. Zum anderen setzt Gender Mainstreaming die weitere Behebung der vielfach aufgezeigten Defizite und Ungleichbehandlung von Frauen als "Kundinnen" der Suchthilfe voraus und baut auf den Erkenntnissen frauenspezifischer Suchtforschung und -praxis auf. Darüber hinaus wird Gender Mainstreaming als konsequente Ergänzung und Weiterentwicklung der frauenbezogenen Sichtweise verstanden, welche zusätzlich erlaubt, eine gendersensible Perspektive auch auf Männer anzuwenden.

Gender Mainstreaming in der Suchtarbeit: Chancen und Notwendigkeiten, DHS Grundsatzpapier, Oktober 2004
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