3. Der normative Rahmen

Voraussetzung für die Beurteilung der Suchthilfe und ihrer Versorgungsstrukturen ist die Kenntnis des normativen Rahmens, welcher diese beeinflusst und bestimmt, und die Verständigung darüber, welche Werte ihn prägen sollen/müssen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen den Rechtsnormen (alle Gesetze, rechtlichen Vorschriften und Verordnungen, [internationalen] Abkommen, Vereinbarungen DRV-GKV u.a.) fachlichen Normen (G-BA, Leitlinien BÄK, DGPPN u.a.; Standards der sozialen Arbeit; Leistungsbeschreibungen, Qualitätsanforderungen u.a.) sowie ethischen und sozialen Normen. Alle, jedoch insbesondere letztere, unterliegen dem sozialen Wandel und sind gesellschaftlich und kulturell bedingt.

Aus Sicht der DHS muss ein normativer Rahmen der Suchthilfe die Übernahme einer weitreichenden Versorgungsverantwortung für Menschen mit Suchtproblemen in den Mittelpunkt stellen. Um dieser Verantwortung gerecht werden zu können, müssen die normativen „Setzungen“ nicht nur politisch legitimiert sein, sondern die fachlichen Expertisen reflektieren.

Im Folgenden sollen die aktuellen Entwicklungen im Gesundheits- und Sozialbereich skizziert werden, die weitreichende Auswirkungen auf die Suchthilfe haben (werden) und als Elemente eines normativen Rahmens die weitere Ausgestaltung der Suchthilfe beeinflussen werden. Diese wesentlichen Parameter sind die stärkere Verankerung der Public Health Perspektive in Politik, Medizin und Suchthilfe sowie die Umsetzung des SGB IX (Teilhabe), die Implikationen der Behindertenrechtskonvention (BRK) mit dem Inklusionsansatz, die Einführung der Internationalen Klassifikation von Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF), die Reform der Eingliederungshilfe, die Stärkung der Patientenrechte und Nutzerorientierung sowie die Sozialraumorientierung.