3.6 Sozialraumorientierung

Unter sozialen Räumen werden reale und virtuelle Räume verstanden, in denen Menschen wohnen, arbeiten, spielen, ihre Freizeit verbringen, Freundschaften knüpfen und sich sozial, politisch und spirituell engagieren.

Sozialräume, die in diesem Sinne durch die handelnden Personen jeweils selbst konstruiert und geschaffen werden, sind dabei nicht zwingend an feste Strukturen, wie Gebäude, Quartiersgrenzen o. ä. gebunden; sie lassen sich demzufolge auch nicht unbedingt gebietsweise begrenzen. Sozialraumorientierung meint, die Menschen in ihren Bezügen und ihrer Lebenswelt zu begreifen und gleichzeitig die Ressourcen dieser Bezüge zu stärken und zur Problemlösung zu nutzen.

Aspekte, die für regionale Konzepte sprechen:

  • Strukturen sind bekannt - Heimatverbundenheit bleibt bestehen,
  • Familienanbindungen bleiben bestehen - können bei Abstinenz wieder verbessert werden,
  • Soziale Bindungen/Freundschaften (z.B. Vereinszugehörigkeiten) können reaktiviert werden,
  • Hoffnung auf Wiedereinstieg bei älteren/früheren Arbeitgebern,
  • Verhinderung von chronisch mehrfach Beeinträchtigungen.

Folgende regionale Angebote müssen zur Verfügung stehen und fachkompetent besetzt sein:

  • offene Anlaufstellen – „niedrigschwelliges Angebot“,
  • ambulante Therapiemöglichkeit,
  • familienbegleitende Dienste,
  • aufsuchende Sozialarbeit,
  • Integrationsfachdienste,
  • stationäre und ambulante Wohnformen,
  • tagesstrukturierende Angebote,
  • barrierefreie Angebote,
  • Vernetzung aller Angebote,
  • regionale Verbundkompetenz.

Regionale Konzepte werden eher für Abhängigkeitskranke als günstig angesehen, die regional noch nicht desintegriert sind. Da in den Regionen fachkompetente Angebote oft nicht vorhanden sind, wird gerade für chronisch mehrfach beeinträchtige abhängigkeitskranke Klienten ein Spezialangebot, in der Regel überregional, gesucht.

Aspekte, die gegen regionale Konzepte sprechen sind hier:

  • Suchtsystemunterstützendes Umfeld bleibt bestehen,
  • Familien oft auch suchtmittelbelastet,
  • ältere und alleinstehende Abhängigkeitskranke leben ohne soziale Anbindung – Stichwort „nasses Umfeld erschwert Abstinenzbemühungen“,
  • durch fehlende Erwerbstätigkeit fehlt Anbindung an Arbeitgeber und Erwerbsstrukturen – Begegnung mit ehemaligen Arbeitskollegen verdeutlicht eigenes Scheitern,
  • negative Rollenfestlegung, Scham, schlechte Erinnerungen und Erfahrungen im sozialen Umfeld,
  • umfangreiche Veränderungen in der Lebenssituation sind am meisten erfolgversprechender,
  • Wurzeln fehlen, Heimat oft von geringer Bedeutung,
  • neue Chancen durch Anfang in neuer Umgebung,
  • Umgebungswechsel wirken heilsam, erneuernd und machen Mut,
  • ko-abhängige Familienangehörige stützen das problembelastete Familiensystem, in neuer Umgebung vorurteilsfreie Begegnung möglich.