4.1. Zielgruppen

(typische/häufige Personengruppen oder Menschen mit besonderem Hilfebedarf)

  1. ALK – Erwachsene mit Alkohol-Abhängigkeit
  2. KOM – Erwachsene mit Abhängigkeit und komorbiden Störungen (somatisch/psychiatrisch)
  3. GSP – Erwachsene mit Glücksspielproblematik
  4. ARB – Menschen mit Abhängigkeit und Vermittlungshemmnissen in der Arbeitswelt
  5. WOH – Menschen mit Abhängigkeit und besonderen sozialen Lebenslagen
    (insbesondere ohne Wohnung)
  6. ALT – Menschen über 50
    (mit schwerem Missbrauch einschließlich Medikamente und somatischen Störungen)
  7. HAF – Menschen mit Suchtproblematik in Haft (Alkohol/Drogen/Glücksspiel)
  8. CMA – Chronisch mehrfach beeinträchtigte Abhängigkeitskranke (CMA)
  9. ELT – Eltern mit Suchtproblemen (bzw. Suchtkranke mit Kindern und Schwangere)
  10. JEK – Jugendliche und junge Erwachsene mit auffälligem Konsumverhalten
  11. DRO – Erwachsene mit Drogenabhängigkeit

Quellen

Zielgruppe

Zahlen-Daten-Fakten

Quelle

ALK – Erwachsene mit Alkoholabhängigkeit

3,4% der 18-64 jährigen Deutschen sind abhängig von Alkohol oder weisen schädlichen Gebrauch auf (Kraus et al. 2014, Papst et al. 2013). Bei rund 51 Mio. Menschen in dieser Altersgruppe (Statistisches Bundesamt 2012) sind das etwa 1,75 Mio. behandlungsbedürftige Personen.

Kraus, L. et al. (2014): Kurzbericht Epidemiologischer Suchtsurvey 2012. Tabellenband: Trends substanzbezogener Störungen nach Geschlecht und Alter: Prävalenz und Hochrechnung 1997-2012. München: IFT Institut für Therapieforschung.
Pabst, A. et al. (2013): Substanz- konsum und substanzbezogene Störungen in Deutschland im Jahr 2012. In: Sucht: Zeitschrift für Wissenschaft und Praxis, 59(6), 321- 331. Statistisches Bundesamt (2012) – www.destatis.de

KOM – Erwachsene mit Abhängigkeit und komorbiden Störungen (somatisch/psychiatrisch)

Bei alkoholabhängigen Menschen leiden 27% mindestens einmal in ihrem Leben an einer Angststörung (Merikangas et al. 1998) und 54- 75% an einer Depression (Schäfer, Heinz 2005). Bei Drogenabhängigkeit sind es 39% mit Angststörungen (Merikangas et al. 1998) und 38-56% mit Depressionen (Schäfer, Heinz 2005). Allgemeinbevölkerung: 14% Angststörungen (Gesundheitsberichterstattung des Bundes 2006) und 7 % Depression (Gesundheitsberichterstattung des Bundes 2010).

Gesundheitsberichterstattung des Bundes – www.gbe-bund.de Merikangas, K. R. et al. (1998): Comorbidity of substance use disorders with mood and anxiety disorders: results of the International Consortium in Psychiatric Epidemiology. In: Addictive behaviors , 23(6), 893-907.
Schäfer, M.; Heinz, A. (2005): Therapieresistente Depressionen bei Abhängigkeitserkrankungen. In: Bauer, M.; Berghöfer, A.; Adli, M. (Hrsg): Therapieresistente Depressionen. Berlin; Heidelberg; New Yorg: Springer. 92-104.

GSP – Erwachsene mit Glücksspielproblematik

Nach den Ergebnissen der PAGE- Studie zeigen bei den 14-64 jährigen Deutschen 0,3% problematisches und 0,35% pathologisches Glücksspielverhalten. Bei rund 54 Mio. Menschen in dieser Altersgruppe (Destatis 2012) sind das ca. 162.000 problematische und ca. 189.000 pathologische Spieler.

Meyer, C. et al. (2011): Pathologi- sches Glücksspielen und Epidemiologie (PAGE): Entstehung, Komorbidität, Remission und Behandlung. Endbericht an das Hessische Ministerium des Innern und für Sport. Greifswald; Lübeck: Universität. Statistisches Bundesamt (2012) – www.destatis.de

ARB – Menschen mit Anhängigkeit und Vermittlungshemmnissen in der Arbeitswelt

43% der in der Deutschen Suchthil- festatistik erfassten Personen (ambulante und stationäre Betreuungen bzw. Behandlungen) sind Empfänger von ALG I oder ALG II. Die Arbeitslosenquote lag in Deutschland im selben Zeitraum bei knapp 7% (Destatis 2012).

Statistisches Bundesamt (2012) – www.destatis.de Steppan, M. et al. (2013): Suchthilfe in Deutschland 2012. Jahresbericht der Deutschen Suchthilfestatistik. München: IFT Institut für Therapieforschung.
Download:
www.suchthilfestatistik.de

WHO – Menschen mit Abhängigkeit und besonderen sozialen Lebenslagen (insbesondere ohne Wohnung)

Nach Schätzungen der Bundesar- beitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe gab es 2012 in Deutschland rund 284.000 Personen ohne festen Wohnsitz (Bandbreite +/- 10%). Experten gehen davon aus, dass 50-80% der Wohnungslosen ein Suchtproblem haben.

www.bagw.de (Zahl der Wohnungslosen) www.dhs.de (Kooperationstagung der DHS 2010 ‚Suchthilfe und Wohnungslosenhilfe‘)

ALT – Menschen über 50 ( mit schwerem Missbrauch einschließlich Medikamente und somatischen Störungen)

25% der in der Deutschen Suchthil- festatistik erfassten Personen (ambulante und stationäre Betreuungen bzw. Behandlungen) sind älter als 50 Jahre. Diese Altersgruppe umfasst in der Gesamtbevölkerung ca. 40% (Destatis 2012).

Statistisches Bundesamt (2012) – www.destatis.de Steppan, M. et al. (2013): Suchthilfe in Deutschland 2012. Jahresbericht der Deutschen Suchthilfestatistik. München: IFT Institut für Therapieforschung.
Download:
www.suchthilfestatistik.de

HAF – Menschen mit Suchtproblematik in Haft (Alkohol / Drogen / Glücksspiel)

Zum Stichtag 31.03.2010 befanden sich über 60 000 Strafgefangene und Sicherheitsverwahrte in deutschen Haftanstalten. Im Jahr 2009 gab es knapp 650 000 Haftantritte, also mehr als zehnmal so viele Haftantritte jährlich wie Strafgefangene zu einem bestimmten Zeitpunkt. Der Anteil intravenös konsumierender Drogenabhängiger wird auf etwa 30% (Männer)und über 50% (Frauen) geschätzt, der Anteil Alkoholabhängiger auf ca. 38%.

Jakob, L.; Stöver, H.; Pfeiffer- Gerschel, T. (2013): Suchtbezogene Gesundheitsversorgung von Inhaftierten in Deutschland – eine Bestandsaufnahme. In: Sucht – Zeitschrift für Wissenschaft und Praxis, 59(1), 39-50.

CMA – Chronisch mehrfach beeinträchtigte Abhängigkeitskranke (CMA)

Die Arbeitsgruppe CMA der Bun- desregierung schätzte in den 1990er Jahren den betroffenen Personenkreis auf rund 400.000, davon etwa 2/3 Männer.

Sucht – Zeitschrift für Wissenschaft und Praxis (1999), 45(1)

ELT – Eltern mit Suchtproblemen (bzw. Suchtkranke mit Kindern und Schwangere)

Nach den Daten der Deutschen Suchthilfestatistik beträgt die mittlere Zahl der Kinder im Haushalt 0,28 pro behandelter/betreuter Person. Bei 1,75 Mio. Menschen mit Alkoholproblematik entspricht das ca. 500.000 betroffene Kinder. Im Drogenbereich wären nach dieser Rechnung weitere ca. 90.000 Kinder betroffen.

Steppan, M. et al. (2013): Suchthilfe in Deutschland 2012. Jahresbericht der Deutschen Suchthilfestatistik. München: IFT Institut für Therapieforschung. Download:
www.suchthilfestatistik.de

JEK – Jugendliche und junge Erwachsene mit auffälligem Konsumverhalten

In der Untersuchung von Essau et al. (2012) wird in der Altersgruppe 12-17 Jahre die Prävalenz von substanzbezogenen Störungen mit knapp 20% angegeben (Alkohol = 12,3% / Cannabis = 6,4% / Opioide = 0,4% / Amphetamine = 0,4%). Bei rund 4 Mio. Menschen in dieser Altersgruppe entspricht das insgesamt einer Zahl von ca. 800.000 betroffenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Essau, C.A. et al. (2012): Substanzmissbrauch und -abhängigkeit bei Jugendlichen.

DRO – Erwachsene mit Drogenabhängigkeit

Nach Hochrechnungen aus der Deutsche Suchthilfestatistik und dem Epidemiologischen Suchtsurvey für 2012 kann von 320.000- 330.000 Drogenabhängigen in Deutschland ausgegangen werden. Darunter sind folgende Substanzen vertreten: Opioide = ca. 140.000 / Cannabis = ca. 80.000 / Stimulanzien = 30.000 / Kokain = 15.000.

Steppan, M. et al. (2013): Suchthilfe in Deutschland 2012. Jahresbericht der Deutschen Suchthilfestatistik. München: IFT Institut für Therapieforschung.
Download:
www.suchthilfestatistik.de
Kraus, L. et al. (2014): Kurzbericht Epidemiologischer Suchtsurvey 2012. Tabellenband: Trends substanzbezogener Störungen nach Geschlecht und Alter: Prävalenz und Hochrechnung 1997-2012. München: IFT Institut für Therapieforschung.