5.2. Institutionen – operative Ebene

Die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen auf Bundes- und Länderebene muss zur Überwindung der hemmenden Zergliederung des Suchthilfesystems durch weitere Veränderungen auf regionaler und institutioneller Ebene ergänzt werden:

a) Suchthilfenetzwerke:
Zur wirksamen Koordination der Umsetzung von einheitlichen Rahmenbedingungen im operativen Leistungsgeschehen ist die Schaffung von Suchthilfenetzwerken erforderlich, in denen auf regionaler Ebene die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Leistungsträger und Leistungserbringer abgestimmt und koordiniert wird (bspw. Behandlungsprozesse, Qualitätsstandards, Case-Management, fachliche und konzeptionelle Weiterentwicklung). Die Initiierung und Koordination sollte von politischer/öffentlicher Seite erfolgen. Es muss sichergestellt sein, dass die Planung, Steuerung und Bedarfserhebung nicht allein von den finanziellen Rahmenbedingungen dominiert, sondern durch fachlich fundierte Entscheidungen getroffen werden. Als Modell können die bereits etablierten Suchthilfenetzwerke in einzelnen Bundesländern dienen. Allerdings dürfen diese nicht zu kleinteilig auf Ebene der Stadt- und Landkreise organisiert werden, es sollten größere Regionalbereiche definiert werden (analog zu psychiatrischen Versorgungsregionen), die sich auch an den Sozialräumen der Betroffenen orientieren.

b) Suchthilfe-Einrichtungen:
Die Leistungserbringer im Suchthilfesystem müssen sich konsequent am Hilfebedarf der betroffenen Menschen ausrichten, dem eine isolierte Maßnahme oder Leistung alleine häufig nicht gerecht werden kann. Die organisatorische und fachliche Entwicklung der Einrichtungen muss auch ein auf möglichst reibungsloses Funktionieren von Schnittstellen ausgerichtet sein (Leistungen aus einer Hand oder in vertraglich geregelten Kooperationsverbünden). Dabei ist die Eingliederung in bestehende Systeme des Case-Management (bspw. auf kommunaler Ebene) wichtig.

c) Selbsthilfe:
Die Suchtselbsthilfe ist ein integraler und wichtiger Bestandteil des Hilfesystems. Die Vernetzung ihrer Arbeit mit der „professionellen“ Suchthilfe muss gepflegt und weiter entwickelt werden.