5.4. Finanzielle und personelle Ressourcen – wirtschaftliche Ebene

In den letzten Jahren haben sich die Finanzierungsgrundlagen für die verschiedenen Segmente des Suchthilfesystems deutlich verschlechtert (bspw. abnehmende Grundfinanzierung von Beratungsstellen, gedeckeltes Reha-Budget der Rentenversicherung, Unterfinanzierung der Reha- Einrichtungen, Einführung des neuen Entgeltsystems in der Psychiatrie) und ein Ende des Trends ist nicht abzusehen. Diese Entwicklung birgt erhebliche volkswirtschaftliche Risiken:

a) Finanzierung des Hilfesystems:
In den unterschiedlichen Segmenten müssen ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden und unnötige bürokratische Restriktionen beseitigt werden. Im Bereich der Prävention und Beratung (öffentliche Finanzierung durch Kommunen, Länder und Bund) können durch einen „Alkohol-Cent“ verursachungsgerechte Finanzierungsquellen (im Hinblick auf die Hersteller entsprechender Produkte) erschlossen werden. Im Bereich der Behandlung ist u.a. durch eine bedarfsgerechte Anpassung oder Aufhebung des Reha-Budgets sicher zu stellen, dass ausreichend Mittel für die Suchttherapie zur Verfügung stehen.

b) Finanzierung der Einrichtungen:
Die abstinenzorientierte Behandlung von Suchtkranken wird im Bereich der ambulanten Primärversorgung im Gegensatz zur Substitutionsbehandlung nicht bzw. nicht ausreichend finanziert. Der Bereich der Suchtberatung darf keine freiwillige oder optionale Leistung sein, sondern muss im Sinne einer Grundversorgung von betroffenen Menschen sozial- und leistungsrechtlich verankert sowie ausreichend finanziert werden. In der akutpsychiatrischen Suchtbehandlung droht durch die Einführung des neuen Entgeltsystems eine deutliche Verschlechterung der Behandlungsqualität. Im Bereich der medizinischen Rehabilitation ist eine strukturelle Unterfinanzierung der Einrichtungen festzustellen, bei der u.a. die erforderlichen Investitions- und Kapitalkosten nicht flächendeckend und hinreichend berücksichtigt werden. Es müssen entsprechende Vergütungssysteme geschaffen werden und bspw. durch die Ausweitung von Schiedsstellen vom SGB V auch auf das SGB VI bzw. SGB IX ein Mechanismus für Verhandlung auskömmlicher Vergütungen zwischen Leistungsträgern und Leistungserbringern geschaffen werden.

c) Humanressourcen:
Der zu erwartende steigende Beratungs- und Behandlungsbedarf im Bereich Suchterkrankungen und der sich verschärfende Fachkräftemangel auch in Sozial- und Gesundheitsberufen führt bereits heute zu erheblichen Problemen bei der Personalgewinnung und Personalbindung. Es ist daher dringend notwendig, die quantitative und qualitative Personalausstattung der Einrichtungen auch an den Realitäten des Arbeitsmarktes auszurichten und über innovative Konzepte der Aufgabenverteilung nachzudenken (bspw. bei ärztlichem, pflegerischem und unterstützenden Personal). Der Indikationsbereich Sucht muss eine größere Rolle in den Ausbildungskonzepten aller betroffenen Berufsgruppen spielen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss ein zentrales Element der Arbeitsgestaltung werden. Leistungserbringer und Leistungsträger müssen gemeinsam dafür sorgen, dass in der Suchthilfe attraktive Arbeitsplätze erhalten bleiben bzw. geschaffen werden.