DHS - Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
Newsletter 1-2012  

Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vor Jahrzehnten, Sie alle wissen es, wurde höchstrichterlich entschieden: Sucht ist eine chronische Erkrankung. Also medizinisch, soziologisch, ethisch, und nach manch anderen Kriterien vollständig vergleichbar etwa mit Diabetes, Bluthochdruck oder Krebs. Eigentlich. In entsprechenden Diskussionen, egal ob am Stammtisch oder unter Fachleuten, wird dann jedoch oft noch angemerkt, immerhin seien Süchtige mitverantwortlich für die Entstehung ihrer Krankheit (… schließlich ist ja niemand gezwungen, zu rauchen, saufen, koksen oder kiffen ...) und zudem entscheide auch der freie Wille des Einzelnen wesentlich darüber mit, ob der Süchtige süchtig bleibe oder aussteige. Interessanter Weise gilt all das auch für die genannten anderen chronischen Erkrankungen. Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs fallen in den meisten Fällen gesundheitlich nicht vom Himmel, sind auch abhängig von Ernährung, Bewegung, Suchtmittelkonsum und einigen anderen Faktoren der Lebensführung. Und auch die Prognosen dieser Erkrankungen werden entscheidend mit beeinflusst vom persönlichen Verhalten. Doch ausschließlich Suchtkranke bekommen die volle Wucht einer über Jahrhunderte tradierten Moral, die sie zu irgendwie dann doch charakterlich-moralisch eher dubiosen Gesellen erklärt, die im Zweifelsfall auch die Konsequenzen ihres fahrlässigen oder verwerflichen Tuns zu tragen haben. Dies hat in allen Lebensbereichen sehr unangenehme, fatale bis hin zu tödliche Auswirkungen. Anhand des Beispiels der Lebertransplantationen http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,796940,00.html lässt sich das ebenso gut belegen wie an unzähligen anderen.

Vor diesem Hintergrund können wir es nicht oft genug feststellen: Sucht ist eine chronische Erkrankung mit allen wesentlichen Merkmalen anderer chronischer Erkrankungen. Sie hat mindestens ebenso gute therapeutische Aussichten. Und nicht zuletzt führt jede Art der Ausgrenzung Süchtiger lediglich dazu, dass sich die - vermeintlich oder tatsächlich - Nicht-Süchtigen in der falschen Sicherheit wiegen, ihnen könne, weil integer und charakterstark, „so etwas“ ohnehin nicht passieren. Das müssen wir deutlich sagen, immer wieder. Machen Sie mit? Helfen Sie uns dabei? Wenn wir gemeinsam nicht locker lassen, werden wir in den nächsten 50 Jahren ein gutes Stück weiterkommen. Einstweilen bieten wir Ihnen in diesem Newsletter Informationen von geringerer Halbwertzeit.

Inhalt

Dieser Newsletter informiert Sie über folgende Themen:

  • Aus der DHS
  • Veröffentlichungen
  • Veranstaltungen
  • Ausschreibunen
  • Rausch - Sucht - Mittel - Politik
  • Geschenke
Aus der DHS

 

Flyer „Kritische Situationen meistern – Rückfällen vorbeugen“ ist wieder lieferbar

Die DHS konnte mit Unterstützung der DAK Gesundheit den Flyer „Kritische Situationen meistern – Rückfällen vorbeugen“ nachdrucken. Die Informationen und Hinweise zum Thema „Rückfall“ wurden in Zusammenarbeit mit Betroffenen für Betroffene erarbeitet. Sie richten sich an alle Menschen mit Suchtproblemen von A wie Alkohol bis Z wie Zocken. Das handliche Heft war vergriffen und häufig nachgefragt. Nun kann der Flyer wieder bestellt werden, per E-Mail: info@dhs.de oder unter http://www.dhs.de/infomaterial/bestellung.html.


„Bitte, Hör auf!“ Bilderbuch für Kinder aus suchtbelasteten Familien

Das Bilderbuch wurde für Kinder im Alter von 5 bis 9 Jahren entwickelt, deren Eltern ein Suchtproblem haben. http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/Bitte_hoer_auf_Doppelseiten.pdf

Die Schweizer Originalausgabe erschien 2002 bei der Schweizer Fachstelle für Alkohol- und Drogenfragen, Lausanne. Trotz zehn inzwischen vergangenen Jahren ein nach wie vor aktuelles Heft.


Voll normal! - Ein Comic für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien

Zur Kontaktaufnahme mit Kindern und Jugendlichen aus suchtbelasteten Familien im Alter von 12-15 Jahren hat die DHS, mit Förderung der DAK Gesundheit, einen Comic mit dem Titel „Voll normal“ herausgegeben, der nun in neuer Auflage erschienen ist. http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/Voll_normal_Doppelseiten.pdf

Die Idee und der Text des Comics stammen von Birgit Sowade, die Illustrationen von Christoph Ubrig.

Alle Materialien sind - auch in größerer Stückzahl - über die DHS  zu bestellen (http://www.dhs.de/infomaterial/bestellung.html)


Betriebe gesucht! - DHS ist Partner im Projekt „EWA - European Workplace and Alcohol“

Experten schätzen, dass jede/r 5.-10. Mitarbeiter/in eines Betriebs riskanten oder gar schädlichen Suchtmittelkonsum betreibt. Ein gesteigertes Sicherheitsrisiko ist die Konsequenz. Zudem werden durch Fehlzeiten und Ausfällen von Mitarbeitern/innen hohe wirtschaftliche Kosten verursacht. Beides kann sich kein Unternehmen leisten.

Vor diesem Hintergrund beteiligt sich die DHS, gefördert vom BMG, als nationaler Partner (von insgesamt 12 Ländern) am europäischen Projekt „EWA – European Workplace and Alcohol“.  Ziel des Vorhabens ist es, für gut befundene Strategien im Rahmen einer Pilotphase in jeweils fünf deutschen Unternehmen/Betrieben auf ihre Wirksamkeit hin zu untersuchen. An diesen Maßnahmen können interessierte Betriebe teilnehmen, die ihre betriebliche Suchtprävention verbessern wollen. So soll ein „Werkzeugkoffer Alkoholprävention“ ein Jahr lang in der Praxis getestet werden: Was bringt es für den Betrieb, was bringt es für die Mitarbeiter/innen, wie sind Durchführbarkeit und Akzeptanz? Teilnehmende Betriebe erhalten die Möglichkeit, das Bewusstsein für alkoholbedingte Gefahren der Belegschaft zu schärfen und einen Verzicht auf Alkohol und andere Suchtmittel am Arbeitsplatz zu fördern.

Die Ausschreibung finden Sie unter http://www.dhs.de/projekte/aktuelle-projekte/ewa-european-workplace-and-alcohol.html. Weitere Informationen bei Frau Rummel (02381 – 901524 oder Email: rummel@dhs.de)


Projektdatenbank „Gewaltreduktion durch Prävention“

Im vergangenen Jahr hat die DHS im Rahmen des vom BMG geförderten Projekts „Gewaltreduktion durch Prävention“ intensiv nach Good Practice-Konzepten, Projekten und Maßnahmen recherchiert, die Gewalttaten unter Alkoholeinfluss - insbesondere in der Öffentlichkeit - entgegentreten und gewalt- und alkoholpräventive Arbeit leisten.

Die ermittelten und im Rahmen eines Expertenworkshops diskutierten Projekte und Konzepte finden sich nun in einer Projektdatenbank, die erstmals Überblick über sinnvolle Ansätze gewalt- und alkoholpräventiver Arbeit in Deutschland gewährt. Zudem liefert sie eine entsprechende Literatur- und Linkliste. Die Datenbank erschien unter www.dhs.de Rubrik „Projekte à Gewaltreduktion durch Prävention“. Weitere Informationen erhalten Sie unter rummel@dhs.de.


Aktionswoche Alkohol 2011: Dokumentation erschienen

Für eine sehr geringe Summe am unteren Rand der Sechsstelligkeit hat die DHS nunmehr den Rahmen für drei Aktionswochen  Alkohol organisiert. In diesem Betrag sind die Kosten für Entwicklung, Gestaltung, Druck- und Versand aller Materialien selbstverständlich enthalten. Und obwohl wir dabei noch gar nicht von den zigtausenden unentgeltlichen Stunden aller an den insgesamt rund 4.500 Aktionen Beteiligten sprechen, obwohl die Aktionswoche unabhängig als höchst erfolgreich evaluiert wurde, ist die Finanzierung der nächsten Kampagne jedes Mal ein Abenteuer mit vielen Fragezeichen. Sofern Sie sich auch im Rahmen einer Aktionswoche engagiert haben, werden Sie dies aus eigener Erfahrung vermutlich nachvollziehen. Derzeit befinden wir uns in den abschließenden Finanzgesprächen zur Vorbereitung der Aktionswoche Alkohol 2013. Mehr dazu können wir im April verraten. Bis dahin bestellen Sie gerne bei uns (auch in größerer Zahl) die unlängst fertiggestellte Dokumentation der vergangenen Aktionswoche (info@dhs.de) - bei der Anwerbung von Partnern und Finanzen sicher eine gute Überzeugungshilfe.


Neue Titel in der DHS-Bibliothek

Unter folgendem Link finden Sie eine Auflistung der neuen Buchtitel unserer Fachbibliothek, die im Dezember und Januar angeschafft wurden.

http://typo3.p120816.mittwaldserver.info/fileadmin/user_upload/pdf/Bibliothek/Neue_Literatur_02_2012.pdf

Ein ausführliches Verzeichnis aller neu erfasster Titel (Monographien, Sammelbände, Zeitschriftenartikel, Forschungsberichte, Hochschulschriften und „Graue Literatur) für diesen Zeitraum inklusive Summaries ist auf unserer Internetseite veröffentlicht. (http://www.dhs.de/bibliothek/neuaufnahmen.html


Veröffentlichungen

 

Im vergangenen Jahr erschien der Schlussbericht zur PREMOS-Studie, die sich mit den Effekten der langfristigen Substitution Opioidabhängiger befasste.

http://drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/DrogenundSucht/Illegale_Drogen/Heroin_andere/Downloads/Abschlussbericht_PREMOS.pdf

In verschiedenen Präsentationen der Studie haben die Verfasser immer wieder herausgestellt: Abstinenzversuche unter der Substitution haben (wie auch ohne Substitution) eine vergleichsweise schlechte Prognose. Abstinenzorientierte Substitutionen haben schlechtere Prognosen als nicht abstinenzorientierte Substitutionen. Gerade „disziplinarische“ Behandlungsabbrüche sind hoch riskant für die Klienten und sollten allenfalls unter Bereitstellung von Betreuungsalternativen erwogen werden. Die Verfasser empfehlen u.a. eine Anpassung der substitutionsbezogenen Versorgungsstrukturen und -konzepte sowie der gesetzlichen Rahmenbedingungen an die grundsätzlichen Behandlungsprinzipien chronischer Erkrankungen.


Suchtarbeit in Betrieben

Die IG-Metall hat ihr Handbuch „Betriebliche Suchtprävention und Suchthilfe“ nunmehr in der 2. Auflage veröffentlicht, und da sich das Werk an den Qualitätsstandards der DHS orientiert und einer sachlich angemessenen, zielorientierten und unaufgeregten Vorgehensweise verpflichtet ist, weisen wir gerne darauf hin. Das Handbuch (Produktnummer 11066-37209) kostet pro Exemplar 5,00 Euro plus MwSt. und Versandkosten. Es kann über das Internet unter www.igmetall.de/shop bestellt werden.


 

Veranstaltungen

 

10. Sucht-Selbsthilfekonferenz 2012 „Medikamente: Nicht mehr alles schlucken. Selbsthilfe und die heimliche Volksdroge“

Viel wird über die massive Medikamentenproblematik geredet - und bislang wenig getan. Die DHS hat darum für das Jahr 2012 den Arbeitsschwerpunkt Medikamente gewählt. Unsere diesjährige Sucht-Selbsthilfekonferenz findet vom 27.-29. April in Erkner bei Berlin statt und greift das Thema auf. In Deutschland gibt es ca. 1,5 Millionen Menschen, die abhängig sind von bestimmten, meist rezeptpflichtigen Medikamenten. Die Betroffenen sind zu wenig aufgeklärt, es gibt keine ausreichenden qualifizierten Hilfeangebote und viel zu wenige wählen die Sucht-Selbsthilfe, um dem Teufelskreis zu entkommen. Daran möchten wir etwas ändern. Merken Sie sich den Termin schon einmal vor. In Kürze finden Sie das Programm auf unserer DHS-Homepage unter www.dhs.de. Anmeldungen sind möglich bei Frau Kaldewei (kaldewei@dhs.de oder per Fax 02381-901530).


Fachtag Gesundheit und Haft

Strafgefangene sind nicht krankenversichert. Welche Risiken, welche gesundheitliche Unterversorgung, welche gravierenden Probleme während und nach der Haft hieraus gerade für die geschätzten 20.000 suchtmittelkonsumierenden Gefangenen entstehen, ist oft beschrieben worden. Zum Guten geändert hat sich, sehr vorsichtig formuliert, wenig. Die Tagung klärt mit einführenden Vorträgen, Workshops, Gesprächsrunden und einer Ergebnisaufbereitung die zentralen Fragen: Was kann man tun, um eine Haft zu vermeiden? Was muss vor Haftantritt getan werden? Wie können Prävention, Beratung, Substitution während der Haft realisiert werden? Wie geht es weiter nach der Haftentlassung? Der Fachtag soll den Erfahrungs- und Informationsaustausch zwischen den unterschiedlichsten Akteuren fördern.

Der Paritätische Berlin führt die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit den Senatsverwaltungen für Justiz und für Gesundheit am 19. März 2012 in der German Language School in Berlin durch (Beitrag: 25 Euro, inkl. Tagesverpflegung). Anmeldung unter www.paritaet-berlin.de


Ausschreibung

 

Psychotherapeut/in

Für die ambulante Suchttherapie sucht die AWO Schleswig-Holstein (Region Unterelbe) für 19,5 Std./Woche eine/n approbierte/n psychologische/n Psychotherapeutin/Psychotherapeuten oder Dipl. Psychologin bzw. Psychologen mit VDR-anerkannter Weiterbildung. Für weitere Informationen steht Ihnen telefonisch Frau Knuschke unter der Telefonnummer 0175-9958581 zur Verfügung.


EU-Projekte

Inhaltlich oft interessant, verwaltungs- und finanztechnisch immer mal wieder eine bemerkenswerte Erfahrung: EU-Projekte. Nachfolgend hierzu die aktuelle Ausschreibung der EU-Abteilung Anti-Drogenpolitik:

Dear colleagues,

we would like to inform you that a call for proposals (ref no. JUST/2011-2012/DPIP/AG) for action grants covering the 2011-2012 DPIP programme is open for submissions in the PRIAMOS system. The aim of this call is to co-fund projects that fall under the objectives of the DPIP Programme and the priorities of this call.Deadline for submission of proposals:  17 April 2012. The call for proposals JUST/2011-2012/DPIP/AG together with the Guide for applicants is published on the website of DG JUST: http://ec.europa.eu/justice/newsroom/grants/dpip_ag_2011_2012_en.htm

Rausch - Sucht - Mittel - Politik

 

Neue Repräsentativerhebung „Drogenaffinität Jugendlicher“

Vor zwei Wochen stellte die BZgA ihre neue Studie zum Drogenkonsum Jugendlicher vor. Die gute Nachricht: Der Anteil derjenigen Jugendlichen, die in ihrem Leben noch nie geraucht haben, lag 2011 höher als in jeder anderen Befragung der vergangenen dreißig Jahre. Und entscheidend: Auch die Raucherquoten unter Kindern und Jugendlichen sind auf einen historischen Tiefpunkt gefallen.

Nicht so gut sieht es beim Alkohol aus: Der regelmäßige Konsum unter 12-25Jährigen stieg im vergangenen Jahr um ca. 10 %. Das Einstiegsalter in den Alkoholkonsum sank erstmals seit vielen Jahren wieder, die 30-Tage-Prävalenz des Rauschtrinkens stieg unter den jungen Erwachsenen und auch das häufige Rauschtrinken (4x/Monat oder öfter) fand in dieser Altersgruppe wieder häufiger statt. Ebenso stieg die Lebenszeitprävalenz des Cannabiskonsums unter jungen Erwachsenen um ca. 10 % und auch die 30-Tage-Prävalenz sowie der regelmäßige Konsum von Cannabis nahm im zweistelligen Prozentbereich zu.  Alles in allem: Trotz geringen Medieninteresses große Erfolge in der Tabakpolitik, trotz unablässiger Berichterstattung zum „Komasaufen“ eine negative Trendwende auf ohnehin extrem negativem Niveau. Den vollständigen Bericht erhalten Sie unter www.bzga.de/forschung/studien-untersuchungen/studien/suchtpraevention.


Suchtpolitik: Bewährtes übertragen

Es gibt viele Ansätze, den Tabak- und Alkoholkonsum in der Bevölkerung zu senken.  Informationskampagnen, Ausstiegshilfen, echter Jugendschutz, hohe Steuern, Werbebeschränkungen und noch manches mehr. Wer irgendetwas tun will, macht irgendetwas davon. Wer langfristige, neudeutsch: nachhaltige Erfolge erzielen will, unternimmt all das zusammen. Der Begriff „Policy Mix“ ist dafür zum Glück ein wenig aus der Mode gekommen (vielleicht feiert er einst Auferstehung als Bezeichnung für ein Biermischgetränk), doch die Erfolge dieser Strategie bei der Reduktion des Rauchens sind unzweifelhaft. Und so wird denn auch der WHO nunmehr empfohlen, ihre hilfreiche Vereinbarung zur Tabakkontrolle (FCTC) durch eine Rahmenvereinbarung zur Alkoholkontrolle  zu ergänzen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,815600,00.html


Rotwein ist gesund?

Na klar! Und die Erde ist eine Scheibe. Man muss nur genügend Daten fälschen. http://derstandard.at/1326466469056/Forschungsbetrug-Daten-ueber-gesundheitlichen-Nutzen-von-Rotwein-gefaelscht


Einsteiger nehmen Nikotin

Über inzwischen mehrere Jahrzehnte versuchten manche Wissenschaftler zu belegen, dass Cannabis eine sog. „Einstiegsdroge“ sei. Die Versuche waren derart vergeblich, dass man es nunmehr mit inquisitorischer Argumentation versucht: „Die Hypothese […] ist bis dato nicht bewiesen - sie ist aber auch nicht wiederlegt worden.“ Ehrlich: Das steht da. Sie können es nachlesen in der Stellungnahme eines Einzelgutachers zur unlängst durchgeführten Anhörung des Bundestags-Gesundheitsausschusses „Legalisierung von Cannabis durch Einführung von Cannabis-Clubs“.

Die DHS unterstreicht seit mehr als einem Jahrzehnt, dass nur eine einzige Substanz als „Einstiegsdroge“ bezeichnet werden kann: Zigaretten. Reine Zigaretten, cannabisfrei, voll von Tabak und den einschlägigen Zusatzstoffen. Nikotin hat nicht nur ein ungleich höheres Suchtpotenzial als Cannabis (http://www.drugcom.de/?r=newsletter&id=aktuelles&idx=820) - daneben scheint das Gehirn durch Nikotingewöhnung auch empfänglicher für die Gewöhnung an Kokain (http://www.drugcom.de/?tr=newsletter&id=topthema&sub=137).


Bundesmodellprojekt SKOLL beendet

SKOLL war das Angebot eines Bundesmodellprojekts für junge Menschen wie auch Erwachsene, den Konsum psychoaktiver Substanzen zu stabilisieren, zu reduzieren oder bestenfalls ganz einzustellen. Das Programm hat sich im Rahmen der Projektlaufzeit als wirksamer Ansatz der Suchthilfe bewährt - und zwar unabhängig von Geschlecht, Alter, Bildung, Fremd- oder Selbstmotivation und Art des Risikoverhaltens. Und, nicht zuletzt entscheidend: Es konnte auch in dünner besiedelten Regionen gut implementiert werden.

Am 9. Februar fand unter Mitwirkung von Mechthild Dyckmans, der Drogenbeauftragten des Bundes, die Abschlusskonferenz in Berlin statt. Sowohl die Rückmeldungen aus der Praxis als auch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung waren äußerst vielversprechend. So bleibt zu hoffen, dass das an bundesweit 27 Standorten durchgeführte Trainingsprogramm für einen bewussteren Umgang mit Suchtstoffen und riskanten Verhaltensweisen fortgeführt und ausgedehnt werden kann. www.skoll.de


Reha-Budget: Schädlicher Deckel

Seit 1997 ist das Wachstum der medizinischen Rehabilitation gesetzlich streng „gedeckelt“. Die jährlichen Ausgaben der Rentenversicherung für Leistungen zur Teilhabe werden entsprechend der voraussichtlichen Entwicklung der Bruttolöhne und -gehälter festgesetzt. Eine direkte Orientierung am tatsächlichen Reha-Bedarf erfolgt dabei nicht. So stellt das Vorwort eines Dossiers „Reha-Budget: Der Deckel hält nicht mehr. Argumente, die eine Anhebung des Reha-Budgets erforderlich machen.“ fest, das von der Prognos AG im Auftrag der AG MedReha SGV IX erstellt wurde. http://www.agmedreha.de/index.php?option=com_rubberdoc&view=category&id=43%3Areha-budget-drv&Itemid=56

Dazu haben jüngst sowohl die Deutsche Rentenversicherung als auch die Bundesregierung die dringende Notwendigkeit einer Prüfung dieses Deckels formuliert. Angesichts der demografischen Entwicklung als auch der Kostenentwicklungen im Gesundheitswesen. Das im vergangenen Jahr vorgestellte Gutachten legt überzeugend, stringent und nachvollziehbar dar, dass sich eine bedarfsgerechte Finanzierung von Rehabilitation volkswirtschaftlich lohnen würde. Und diese Argumentation erfolgt rein ökonomisch. Da möchten wir hinzufügen, dass eine der weltweit reichsten Volkswirtschaften es sich auch weder ethisch noch sozialpolitisch leisten kann und sollte, das eigene Sozial- und Gesundheitssystem sukzessive verkommen zu lassen. Wer dies als längst obsolete moralische Argumentation ablehnen möchte, werfe einfach einen kurzen diesbezüglichen Blick in die USA.


DSM-V: Aktuelles zum Stand der Dinge

Es müssen wahrscheinlich noch drei weitere Jahre durchs Leben ziehen, bis die nächste, 5. Version des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) erscheint. Inzwischen aber wird einigermaßen deutlich, wohin in unserer Angelegenheit die Reise geht. „Internet-“ oder „Online-Sucht“ werden mangels genügender Forschungsergebnisse keinen Eingang in die kommende Version des Manuals finden. Und die Begriffe und das Verständnis von Missbrauch und Abhängigkeit werden vollständig durch das Konzept der „Störungen“ ersetzt. Statt „alcohol abuse“ und  „alcohol dependence“ also künftig (wahrscheinlich) „alcohol-use disorder“. Allerdings bleibt es bei unserem Namen DHS - wobei wir „Sucht“ auch nicht durch „Störungen“ ersetzen wollen, allein schon, um per Telefon und Mail nicht täglich von den hunderttausenden frustrierten Kunden des Schienenverkehrs, der Strom-, Gas- und Wasserwerke, Internet- und Telefonprovider und vieler anderer fragiler Gewerbe beschimpft zu werden.

Wie das Wissenschaftsmagazin „Science“ berichtet, erfolgen die Gespräche und Verhandlungen zum DSM-V weitgehend hinter verschlossenen Türen. Weder Gang noch Ergebnisse der US-amerikanisch geprägten Diskussionen werden zeitnah oder umfassend veröffentlicht. Zudem wird berichtet, dass Forscher mit „intensiven Verbindungen“ zur Pharmaindustrie die Ergebnisse maßgeblich mitbestimmen.


Geschenke

 

Die ausgelobten Bände „Traumatischer Stress in der Familie“ gingen an Matthias Hagedorn (Walsrode), Marianne Holthaus (Hamm), Roland Schilling (Schömberg) und Hildegard Schröder (Magdeburg). Keith Richards „Life“ erhielt Lydia Herold (München), das Cannaquiz aus der Villa Schöpflin bekam Sylvia Mühlbauer (Ottobrunn). Herzlichen Glückwunsch!


Nach-Kriegs-Kinder

Sie sind in den 50er oder 60er Jahren geboren? Dann werden Sie aller Voraussicht nach dieses Buch mit großem Gewinn lesen: Bettina Alberti „Seelische Trümmer. Die Nachkriegsgeneration im Schatten des Kriegstraumas“. http://www.randomhouse.de/search/searchresult.jsp?ssit=qus&pat=seelische+tr%FCmmer&x=0&y=0&pub=1 Die Autorin schreibt „Unsere Eltern räumten die Trümmer der zerstörten Häuser mit den Händen weg - wir, die nächste Generation, sind mit dem Aufräumen der seelischen Trümmer beschäftigt.“ Ein Exemplar geht an die/den erste/n Anrufer/in, die/der am kommenden Montag, 27. Februar 2012, um 15.00 Uhr unter 02381/901515 zu diesem Zweck anruft.


Pflanzenfragen

In der 2. Auflage Ihres Bandes „Bewusstseinsverändernde Pflanzen von A-Z“ erklärt Angelika Prentner, wie, bis hin zur Abhängigkeit, bewusstseinsverändernde Pflanzen wirken. Die Neuauflage widmet sich besonders europäischen Pflanzen und beschreibt  diese in Aussehen, Vorkommen und Wirkung. www.springer.com/biomed/pharmaceutical+science/book/978-3-211-99228-9?changeHeader

Das Buch ist für Ärzte und Apotheker, Pädagogen, Eltern und Jugendliche geschrieben. Insgesamt drei Exemplare vergeben wir an jene ersten Anrufer/innen, die sich am kommenden Dienstag, 28. Februar 2012, ab 10.30 Uhr unter 02381/901515 bei uns melden.


Whitney Houston

„The Essential“ ist eine Doppel-CD, die sowohl das übliche, bekannte Material als auch interessante Remixe, Cover und Kooperationen dokumentiert. Natürlich war Houstons Musik nicht einen nennenswerten Bruchteil so außergewöhnlich und begnadet wie ihr Gesang. Aber nur mit diesem Material ist DIESE Stimme zu haben. Und „The Essential“ bietet einen gültigen und interessanten Überblick über zwei Jahrzehnte. Ein Exemplar wird am kommenden Donnerstag, 1. März 2012, um 10.30 Uhr unter 02381/901515 vergeben.

Machen Sie es gut und haben Sie einen ganz besonders schönen Tag!

Den wünscht Ihnen Ihr
Dr. Raphael Gaßmann


Internationale Zusammenarbeit

Die DHS steht im fachlichen Austausch mit europäischen Partnerorganisationen. Sie kooperiert mit Gremien und Dienstellen der EU und der WHO, die mit suchtrelevanten Themen beschäftigt sind sowie mit Vereinen und Verbänden auf internationaler Ebene, die gleiche oder ähnliche Aufgaben wie die DHS übernommen haben. Dabei steht besonders die Entwicklung wirksamer Strategien zur Senkung der durch Alkohol und illegale Drogen verursachten gesundheitlichen und sozialen Folgen im Mittelpunkt.

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