DHS - Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
Newsletter 6-2014  

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

bislang gab es keinen einzigen Grund, im Newsletter der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen irgendeinen der zur Regel gewordenen Lokführer-Streiks mit auch nur einer Silbe zu erwähnen. Warum auch? Mit den erfreulichen rauchfreien Zügen haben sie nichts zu tun, mit den an beinah jedem Wochenende unerfreulich entzivilisierten Alkoholzügen auch nichts. Doch diesmal ist das anders: Die Lokführer-Streiks 2014 haben auch die Arbeit der DHS massiv belastet: Wichtige Termine konnten nicht stattfinden und, besonders ärgerlich, einer nennenswerten Anzahl von Teilnehmer/-innen und Referent/-innen wurde der letzte Tag unserer Fachkonferenz gründlich verhagelt. Zur Berechtigung der Anliegen deutscher Triebfahrzeugführer hier kein Kommentar, sondern der Verweis auf einen ausführlichen Beitrag im Internet http://de.wikipedia.org/wiki/Triebfahrzeugf%C3%BChrer.

Angesichts der enormen privaten und volkswirtschaftlichen Schäden, die jeder dieser Streiks in einer vom Personen- und Warenverkehr derart abhängigen modernen Gesellschaft verursacht, vielmehr lediglich der Hinweis, dass allein die ökonomischen Schäden (von den nervlichen ganz zu schweigen) weniger Streiktage den finanziellen Aufwand einer Verbeamtung sämtlicher Lokführer bei weitem übersteigen. Insofern besteht nicht der geringste Grund, über die Bewältigung der emotionalen Streikfolgen hinaus das ganze Thema auch nur einmal noch (und sei es flüchtig) zu diskutieren. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bahn-streik-der-lokfuehrer-arbeitskampf-ist-ein-geschenk-a-1001337.html

Nunmehr also wieder zu unserem eigentlichen Thema: 

Inhalt

Dieser Newsletter informiert Sie über folgende Themen:

  • Aus der DHS
  • Veranstaltungen
  • Ausschreibung
  • Veröffentlichungen - Druck und Internet
  • Prävention
  • Wissenschaft
  • Rausch - Sucht - Mittel - Politik
  • Verbraucherschutz
  • Kultur und Sport
  • Leserpost
  • Geschenke
Aus der DHS

Ausverkauft und vorbei (und bestens evaluiert), die 54. DHS Fachkonferenz zum Thema „Suchtprävention für alle“

3 Tage, randvoll mit Diskussionen, Informationen, Anregungen, bisweilen auch Provokationen, Konsultationen und vielem mehr. Unter dem Strich kann neben vielem anderen festgehalten werden: Deutschland hat sowohl die Expertise als auch die Expertinnen und Experten für eine Suchtprävention, die wirkt: präzise, zielgenau, partizipativ, konsequent, kontinuierlich, in Umfang und Qualität gesichert, authentisch und „auf Augenhöhe“. Das wissen wir, diese Expertise ist vorhanden und das haben wir in Potsdam zusammengetragen. Noch aber wissen wir nicht, wann das Land auch erhält, was es verdient: weniger Alkohol, weniger Zigaretten, weniger suchtpotente Medikamente, weniger Werbung für gefährliche und schädliche Produkte und einen Jugendschutz, der sehr viel mehr als das Papier wert ist, auf dem er steht.
Suchtprävention bewegt neben den Mühen der Praxis, auch die Mühen der Politik und das heißt: Sie bekommen im Zweifelsfall nicht unbedingt was sie brauchen, sondern was sie aushandeln, durchsetzen oder kaufen können. Und dann gab es da noch die Bemerkung eines Referenten vor eingeschaltetem Mikrofon: „Prävention muss in Leistungen und Ergebnissen wie medizinische Versorgung geplant werden!“ Die Fokussierung auf Jugendliche, auf Mittelschicht, auf Tabak oder was auch immer, so der Referent, wird uns „nicht weiterbringen“: Wir haben ja auch (mit gutem Grund) keine gesundheitliche Versorgung nur für Jugendliche, Mittelschicht oder Raucher.


Aktionswoche Alkohol

Wir feiern ein kleines Jubiläum: Vom 13. bis 21. Juni wird die Aktionswoche Alkohol 2015 zum bereits fünften Mal stattfinden. Die bundesweite Präventionskampagne ist längst den Kinderschuhen entwachsen und wird stetig weiterentwickelt. Dabei bleibt der bewährte Rahmen gleich:  Ob Ehrenamtliche der Sucht-Selbsthilfe, Mitarbeitende der beruflichen Suchthilfe, Suchtpräventionsfachkräfte, Gesundheitsmanager/-innen im Betrieb, Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker, Vereine, Kirchengemeinden, und, und, und - sie alle setzen mit ihren selbst organisierten Veranstaltungen ein Zeichen gegen die Risiken des Alkoholkonsums.  Menschen jeden Alters können somit an vielen unterschiedlichen Orten von Angesicht zu Angesicht erreicht und informiert werden. Die DHS wird wiederum die Veranstalter mit Aktionsmaterialien versorgen - selbstverständlich wie immer kostenfrei.
Dabei wird das Design der Aktionswoche unter dem bewährten Motto „Alkohol? Weniger ist besser!“ aufgefrischt. Im Augenblick überarbeiten wir die Internetseite www.aktionswoche-alkohol.de, die über Hintergründe und Neuigkeiten der Aktionswoche informiert sowie hilfreiche Links anbietet. Ab dem Frühjahr 2015 können sich Veranstalter wieder über diese Plattform anmelden und das Informationsmaterial bestellen. Auch dieses Mal werden neue Materialien und selbstverständlich die bewährte Z-Card  - mit neuem Inhalt – bereitgestellt. Hierüber wie über alle anderen Neuigkeiten informiert Sie fortlaufend der DHS Newsletter. Zudem steht Ihnen Christina Rummel bei Fragen zur Aktionswoche Alkohol 2015 unter rummel@dhs.de zur Verfügung.


Tabellenbände der Deutschen Suchthilfestatistik für das Datenjahr 2013 verfügbar

Für das Datenjahr 2013 sind die aktuellen Tabellenbände der Deutschen Suchthilfestatistik fertig gestellt und unter www.suchthilfestatistik.de/download.html abrufbar. Deutschlandweit beteiligten sich 822 (70,1%) der ambulanten und 200 (60,4%) der stationären Suchthilfeeinrichtungen. Davon haben rund 53% der teilnehmenden Einrichtungen ihre Daten bis zum 31.3.2014 bereitgestellt, bis zum 31.5.2014 waren es rund 72%. Aktuell wird der Jahresbericht zur „Suchthilfe in Deutschland 2013“ erstellt, der in Kürze auf der Website www.suchthilfestatistik.de (Publikationen) abrufbar sein wird.


DHS Broschüren

Mia, Mats und Moritz - Neue DHS Broschüre für Kinder aus Familien Suchtkranker

Die Geschichte „Mia, Mats und Moritz“ erzählt von Alltagsproblemen in einer Familie mit einem suchtkranken Elternteil. Hier ist es die Mutter der drei Kinder. Erzählt wird aber auch von den Stärken der Kinder, von ihrem kreativen Umgang mit Schwierigkeiten und davon, dass es nicht immer alleine gehen muss, dass es Unterstützung und Hilfe gibt.
Die Broschüre kann bei der DHS unter www.dhs.de/informationsmaterial/bestellung auch in größerer Stückzahl kostenfrei abgerufen werden. Ein Link zum Download steht ebenfalls zur Verfügung.
Mit der Erstveröffentlichung verbindet die DHS auch die Bitte an Multiplikatoren, sich an der Evaluation von „Mia, Mats und Moritz“ zu beteiligen. Allen Aussendungen wird ein Fragebogen beigelegt. Ihre Erfahrungen interessieren uns.


Nachdem einige unserer vergriffenen Broschüren wieder lieferbar sind, machen wir auf das  Bestellangebot im Internet aufmerksam. Das Bestellformular wird kontinuierlich aktualisiert.  Jederzeit  finden Sie unter www.dhs.de/informationsmaterial/bestellung die aktuell zum Versand vorhandenen Materialien.

Neue und auch vergriffene Broschüren können Sie vor Bestellung einsehen bzw. herunterladen: www.dhs.de/informationsmaterial/broschueren-und-faltblaetter.html. Hier finden Sie pdf-Dateien aller gegenwärtig von der DHS herausgegebenen bzw. mitherausgegebenen Broschüren.


Veranstaltungen

26. Jahrestagung des Fachverbandes Glücksspielsucht e.V. (Berlin, 20. bis 21. November 2014)

Schon häufiger wartete die wissenschaftliche Fachtagung des fags mit interessanten Höhepunkten auf. Es braucht kein prophetisches Talent, um dies auch für den 20. November vorauszusagen: Der stets brillante Stefan Sell fragt „Wie passt das zusammen: Cannabisfreigabe und strenge Regulierung des Automatenglücksspiels?“ und auch zuvor und hernach präsentiert der Veranstalter ein Programm mit fachlichem Anspruch und Unterhaltungswert zugleich. www.gluecksspielsucht.de/Die Teilnahmegebühr beträgt 90 bis 130 Euro.


Suchtkranke in prekären Lebenslagen - Klinische Sozialarbeit (Neuss, 4. bis 5. Dezember 2014)

Die Neubewertung des Sozialen im bio-psycho-sozialen Modell in der Suchthilfe soll bei der Fachtagung ebenso Thema werden wie die Besonderheit Klinischer Sozialarbeit mit ihren Methoden der Sozialen (Psycho-) Therapie und psychosozialen Beratung (inklusive Begleitung und Betreuung) im Zusammenwirken mit psychologischen und ärztlichen therapeutischen Maßnahmen. https://www.skm-koeln.de/derskm/02_akt/Fachtagung2014_SUCHTKRANKE_4-5-12_Neuss.pdf Teilnahmegebühr: 50 bis 155 Euro


NEIN zu Tabak und Alkohol in der Schwangerschaft (Erlangen, 12. Dezember 2014)

Mit ihrer Tagung macht Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, auf neue Wege und Möglichkeiten aufmerksam, wie Fachkräfte der Gesundheits-, Sozial- und Bildungsberufe die Beratung zu Tabak- und Alkoholkonsum in ihren beruflichen Alltag integrieren können. Die Veranstaltung gibt einen Überblick über die Erfahrungen der Modellprojekte, die vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert werden. Neben der Präsentation neuer Erkenntnisse werden in zahlreichen Workshops Strategien zur Umsetzung und Kooperation diskutiert. www.drogenbeauftragte.de/presse/termine-der-drogenbeauftragten/jahrestagung-2014.html Die Tagung ist kostenfrei.


Ausschreibung

EU Justizprogramm

Im EU Justizprogramm sind aktuell Action grants für Drug policy initiatives veröffentlicht:  http://ec.europa.eu/justice/grants1/calls/just_2014_jdru_ag_drug_en.htm.

Prioritäten des Aufrufs sind:
- New psychoactive substances: to support the implementation of EU legislation on new psychoactive substances by improving the capacity to identify and assess new psychoactive substances, to respond effectively to the rapid spread of such substances across the EU, by reducing the availability of harmful substances, monitoring the extent and patterns of use of such substances, and by sharing best practices on prevention;
- Rehabilitation: to develop and share innovative approaches aimed at preventing relapse and models of good practice for reintegration and rehabilitation of (longterm) drug users, including those released from prison, inter alia by exploring alternatives to coercive sanctions;
- Best practices: to exchange best practices on cooperation between public authorities involved in drug related services, including at local or regional level, and civil society, to ensure that drug supply and demand reduction activities are joined up, with a view to enhancing the effectiveness of prevention, harm reduction and law enforcement activities to help prevent and reduce the number of drug-related offences;
- Civil society: to support the involvement of civil society in the implementation of the objectives of the EU Drug Strategy 2013-2020 and of the specific actions under the EU Drugs Action Plan 2013-2016.

Die Frist zur Einreichung bis zum 20. Januar 2015 verlängert.


Veröffentlichungen - Druck und Internet

Nicht mehr ganz so fremde Sprachen

Die Kreuzbund Bundesgeschäftsstelle hat ihre Internetseite nunmehr in wesentlichen Inhalten ins Englische, Polnische und Russische übersetzen lassen. Auf der Startseite www.kreuzbund.de gelangen Sie über die entsprechende Landesflagge zum jeweiligen Text.  


Prävention

Preissteigerungen, Werbebeschränkungen, Rauchverbote: Verhältnisprävention senkt Raucherquote drastisch

Nach den neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hat sich der Nichtraucheranteil in der Bevölkerung seit 2009 um weitere 4 Prozent erhöht. Mittlerweile leben über 75 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahre rauchfrei. www.drogenbeauftragte.de/presse/pressemitteilungen/2014-04/raucherquote-ruecklaeufig.html


Kommunen beenden Tabakwerbung

In der gesamten EU ist die Außenwerbung für Tabakwaren verboten. Ausnahme ist lediglich das bemerkenswerte Trio Bulgarien, Deutschland und Luxemburg. Zwar liegt die Verantwortung auf deutscher Seite hierfür beim Bundestag, da nur dieser Gesetzgeber ein nationales Verbot der Tabakwerbung beschließen könnte. Doch auch Städte und Gemeinden können Deutschland ein wenig besser machen und mit den Mietern von Werbeflächen Verträge aushandeln, die Tabakwerbung (und wenn es richtig gut sein soll: auch Alkoholwerbung) unterbinden. Tabakwerbeverbote auf öffentlichen Flächen sind bereits in Bergisch Gladbach, Biberach, Karlsruhe und Heidelberg wirksam, und auch sämtliche Berliner Bezirke haben bereits Werbeverbote auf bezirkseigenen Flächen beschlossen oder sind dabei, dies zu tun. Trotz nationalen Stillstands in der Sache also erfreuliche Nachrichten aus Kommunen.


Raucherclub – Trick gescheitert

Gaststätten in Raucherclubs zu verwandeln, um in diesen Clubs einen Gaststättenbetrieb zu unterhalten: Dieser scheinbar pfiffigen Idee sind Gastronomieunternehmen bundesweit gefolgt. Am Beispiel eines bayerischen „Raucherclubs“ hat sich die Sache nun wohl erledigt. https://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg14-095.html

www.lto.de/recht/nachrichten/n/bverfg-beschluss-1-bvr-3017-11-rauchverbot-vereinigungsfreiheit-raucherclubs/print.html


Wissenschaft

Spielsuchtautomaten auch künftig in Gaststätten

Absehbar wird nach der kommenden Änderung der Spielverordnung für Automatenspiele die besonders hohe Gefährdung Minderjähriger durch Spielanreize und -möglichkeiten in Gaststätten bestehen bleiben. Dies berichtet u.a. „heute im bundestag“:  http://www.bundestag.de/presse/hib/2014_10/-/337224.
Die entsprechende Antwort der Bundesregierung auf eine „Kleine Anfrage“ (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/027/1802761.pdf)  enthält keine Überraschungen, bis auf diese: Gleich zweimal wird betont: „Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien werden von Seiten der Bundesregierung nicht bewertet.“ Ein politischer Paradigmenwechsel, dessen enorme Auswirkungen noch gar nicht abgeschätzt werden können.


Forschungskontroverse

Im Lambertus-Verlag erschien unlängst eine Untersuchung von Stöver, Kaul und Kaufmann zum „Freizeit- und Glücksspielverhalten Jugendlicher und junger Erwachsener“. Die Studie wurde mit finanzieller Unterstützung aus jenem Bereich der Automatenindustrie durchgeführt, der einen großen Teil seines Geschäftserfolgs durchschnittlich außergewöhnlich hoch verschuldeten und bisweilen gar suizidgefährdeten pathologischen Glücksspielern dankt. http://www.gluecksspielsucht.info/cms/upload/Bilder/Fachstelle/PM_Aktionstag_Gluecksspielsucht_2014.pdf

Offenkundig auch vor diesem Hintergrund erschien eine ausführliche Rezension der genannten Studie, die an deutlichen Einwänden gegen die Untersuchung nicht eben arm ist. externer Link in ein neues Browserfensterwww.sozial.de/index.php?id=14&tx_ttnews[tt_news]=27080

Stöver, als einer der angesprochenen Studienautoren, erwidert hierauf u.a. mit einem Appell für die sinnvolle Balance von Verhaltens- und Verhältnisprävention. downloadStöver Kommentar
Der dort enthaltene Hinweis, „dass der Erfolg verhältnispräventiver Maßnahmen immer auch davon abhängig ist, […] inwieweit sie auch ‚über das Ziel hinausschießen‘ und die große Gruppe der unproblematischen Spieler von einer legalen und für die allermeisten Spieler kontrollierten Freizeitverbringung abhalten“, gleicht allerdings dem üblichen Industriesprech: Schließlich geht es um Prävention, und die soll nicht nur pathologischen Konsumenten zu Gute kommen, sondern auch die so viel zitierten „harmlosen Spieler“ vor Pathologisierung schützen. Gerade solche Maßnahmen versprechen, besonders erfolgreich zu sein. Der Rest ist meist Kosmetik.  


Rausch - Sucht - Mittel - Politik

Kommunale Suchtmittelpolitik

Die Stadt Frankfurt am Main zeigt, durchaus nicht erst seit Entstehen ihrer bundesweit einmaligen Skyline, ein durchaus gesundes Selbstbewusstsein. Und tatsächlich zählt sie in so ziemlich jeder kulturellen Hinsicht zu den deutschen Städten mit Gesicht, Charakter, Eigenart und Sehenswürdigkeit.
Vor 20 Jahren errichtete Frankfurt den ersten Konsumraum für Heroinabhängige in Deutschland. Dafür und mit Recht lobt sich Frankfurt nicht nur selber. http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2855&_ffmpar[_id_inhalt]=26451140
Selbst die überaus ignorante Kritik des „Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung“ (UNODC) an Drogenkonsumräumen ist inzwischen einigermaßen verstummt. In Deutschland existieren derzeit Erlaubnisverordnungen für den Betrieb von Konsumräumen in Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland.

Und auch das Frankfurter „Monitoring-System Drogentrends“ (MoSyD) ist, laut Drogenreferat der Stadt, „nach wie vor eine bundesweit einzigartige Studie“. MoSyD untersucht seit 2002 die Frankfurter Drogentrends sowohl unter Jugendlichen als auch in der offenen Drogenszene, verbindet dies mit Expert/-innenbefragungen und Key-Person-Informationen. Ein lesenswerter Bericht, auch im nationalen Maßstab. www.uni-frankfurt.de/52062232/MoSyD_Jahresbericht-2013_final.pdf 


Oberlandesgericht Hamm: Inhaftierte sind allein aufgrund medizinischer Erwägungen ärztlich zu behandeln

Auf den menschenrechtswidrigen, häufig körperverletzenden Umgang mit inhaftierten Drogenabhängigen, ganz nebenbei auch noch Verstoß gegen elementare Rechte aus dem Grundgesetz, haben viele und auch die DHS schon häufig hingewiesen (siehe z.B. 4.3 im DHS Jahrbuch Sucht 2012). Immer wieder geht es in diesem Zusammenhang um die lebensgefährliche Beendigung von Substitutionsbehandlungen. Nun hat das Oberlandesgericht Hamm in einem entsprechenden Fall eindeutig entschieden: https://www.justiz.nrw.de/JM/Presse/presse_weitere/PresseOLGs/15_09_2014_/index.php


USA und Deutschland: Getrennte Wege

Nach Colorado und Washington haben mit Alaska und Oregon zwei weitere US-Bundesstaaten den Konsum von Cannabis legalisiert. Unterdessen unternahm der Gesundheitsausschuss des Bundestages eine Anhörung zu der Frage, ob eine Evaluation der deutschen Verbotspolitik sinnvoll sei. http://www.bundestag.de/presse/hib/2014_11/-/339112

In seinem vor 20 Jahren veröffentlichten „Cannabis-Urteil“ führte das Bundesverfassungsgericht hierzu aus: „Der Gesetzgeber hat mit dem Gesetz zur Änderung des Betäubungsmittelgesetzes von 1992 Schritte zu einer ‚Reform der zur Zeit überwiegend repressiven Gesetzgebung zum Betäubungsmittelmißbrauch durch Rücknahme der Strafverfolgung von abhängigen Menschen‘ (BT Drucks. 12/934, S. 1) eingeleitet und dementsprechend in der Strafverfolgung stärker zwischen Händlern und Konsumenten differenziert. Angesicht der dargestellten offenen kriminalpolitischen und wissenschaftlichen Diskussion über die vom Cannabiskonsum ausgehenden Gefahren und den richtigen Weg ihrer Bekämpfung  hat der Gesetzgeber die Auswirkungen des geltenden Rechts unter Einschluß der Erfahrungen des Auslandes zu beobachten und zu überprüfen (vgl. BVerfGE 50, 290[335]; 56, 54[78]; 65,1 [55f.]; 88, 203[309f.]).“ So das oberste deutsche Verfassungsorgan. Vor 20 Jahren.


Bundesagentur für Arbeit bietet kostenlosen Drogentest an

Gegenwärtig beschafft die Bundesagentur für Arbeit 88.000 Drogentests, um „Integrationshindernisse durch passgenaue Vermittlung von Hilfen“ zu überwinden, „Gefährdung bei sicherheitsrelevanten Tätigkeiten zu vermeiden, ein Scheitern von Integrationsmaßnahmen zu verhindern oder rechtzeitig Therapie- bzw. Rehabilitationsmaßnahmen einleiten zu können“. www.bundestag.de/presse/hib/2014_10/-/335460Selbstverständlich ist eine Einwilligung zum Test erforderlich, aber die wird niemand ablehnen, dem eine passgenaue Vermittlung angelegen ist. Angesichts dieses kundenorientierten Serviceangebots kommt es einer Diskriminierung Alkoholabhängiger gleich, diesen keine kostenlosen Tests anzubieten. Wir hoffen, dass diesbezüglich umgehend nachgerüstet wird. web.de/magazine/geld-karriere/arbeitslose-drogen-ueberprueft-19267044


Verbraucherschutz

Bestechung, Schmierung, Korruption

Können Sie sich vorstellen, dass ein Antibetrugsbüro der EU von Zigarettenkonzernen mit Geld beruhigt wird, oder dass die Tabakindustrie Interpol mitfinanziert? Bis vor einigen Jahren vielleicht un- oder doch sehr schwer denkbar, müssen wir es heute als erwiesen betrachten. So etwas hat natürlich Folgen. Als erstes wäre es aberwitzig, solch wichtigen Institutionen fürderhin noch Vertrauenskredit zu geben. Als zweites belastet es die Bilanzen der Luftfahrtunternehmen, denn wenn Sie Bananenrepubliken sehen wollen, müssen Sie nicht mehr reisen. Bleiben Sie einfach in Europa. http://www.neues-deutschland.de/artikel/949804.als-gast-der-tabakbosse.html


Kultur und Sport

Kulturell integrierter Suizid

Die klassische abendländische Drogenpolitik ist (über den Daumen) schnell erklärt: Herstellung und Verkauf von Alkohol- und Tabakprodukten werden gefördert, alle anderen Rausch- und Suchtmittel sind verboten. Alkoholwerbung können Sie von der Steuer absetzen, Cannabiswerbung bringt Sie ins Gefängnis.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/lebensmittel-in-deutschland-sind-teurer-als-im-eu-durchschnitt-a-907238.html
Befürworter einer etwas ausgewogeneren Drogenpolitik verweisen gerne auf das im Vergleich zu Alkohol geringere Schadenspotenzial einiger anderer Drogen. Hierauf entgegnet die Alkohollobby, im Gegensatz zu allen anderen Drogen sei Alkohol kulturell eingebunden. Angesichts der so unübersehbaren wie unbestreitbaren Verheerungen, die Alkohol in gesundheitlicher, kriminologischer, finanzieller und nicht zuletzt sozialer Hinsicht verursacht, kann dies eigentlich nur heißen: Wir haben uns an das Elend gewöhnt.
Leider ist die Katastrophe aber noch weitreichender: Alkoholkonsum und Vollrausch sind so absolut selbstverständlich, dass nicht einmal die natürlichsten Selbst- und Fremdschutzreflexe funktionieren: http://web.de/magazine/panorama/franzose-stirbt-56-glaesern-schnaps-30175758


Endemische Todesdrogenepidemie-Hysterien

Die für den Gesundheitsstatus der Gesamtbevölkerung wie auch für die Unversehrtheit jedes einzelnen Konsumenten gefährlichste Droge ist ohne Zweifel Crystal Meth. Davor war Crack die gefährlichste Droge. Davor war Ecstasy die gefährlichste Droge. Vielleicht auch in umgekehrter Reihenfolge. Auf jeden Fall war davor Heroin die gefährlichste Droge. Kurz: Meist aufmerksamkeitssüchtige Journalisten und „Wissenschaftler“ dienen uns eine neue (meist alte) Todesdroge an. Und wenn das Publikum ob all des Spektakels leicht ermüdet, zieht die Karawane weiter. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/crystal-meth-forscher-carl-hart-wie-suechtig-macht-die-droge-a-998404.html

Wie wäre es zur Abwechslung mal mit Alkohol? Alle wichtigen Todesdrogeneigenschaften sind vorhanden: Verändert das Aussehen dramatisch, geht einher mit Kindstötungen, Selbstverstümmelungen und extremem Realitätsverlust, verkürzt die Lebenserwartung um viele Jahre und: Hat zig Gesellschaften längst überschwemmt. 


Leserpost

Auf die Forderung der DHS nach einheitlichen Alkoholsteuern auf europäischem Niveau auch in Deutschland schrieb uns Albert Butz: „Warum dürfen Jugendliche schon ab 16 Jahren Bier trinken? Bier ist der Einstieg ins Saufen. Sorgen Sie dafür, dass sich da was ändert und hören Sie auf, uns der arbeitenden Bevölkerung das Feierabendbier zu verteuern. Das ist mehr als eine Unverschämtheit. Wir brauchen nicht Ihre Bevormundung. Kümmern Sie sich um die Jugendlichen Alkoholiker, da haben Sie genug zu tun!!! Aber da trauen Sie sich nicht dran. Mit unfreundlichen Grüßen Albert Butz.“

Lieber Herr Butz, umgekehrt wird ein Schuh draus: An die Alkoholprobleme Jugendlicher traut sich noch der größte Angsthase. Erwachsene Trinker zu vergrätzen, das ist viel unbeliebter.


Doch es gab auch angenehme Post in freundlichem Ton:

„Schön, wie der Beitrag 'Diskriminierung mit 70% Sicherheit' im DHS Newsletter 4-2014 ein skurriles Forschungsprojekt demontiert: Glückwunsch! (downloadAuszug Newsletter 4-2014)
Ich finde den Punkt besonders 'gruselig', der positive Charaktereigenschaften wie 'Spontaneität', 'Abenteuerlust' und 'Neugier', die gerade Jugendlichen helfen, ihren Weg ins Erwachsenenleben in vielen Schleifen, und durchaus auch mit Rückschlägen, zu finden, einfach in negative umdeutet und sie als 'mangelnde Gewissenhaftigkeit', 'Zügellosigkeit' und 'Sensationslust' den Jugendlichen ankreidet.
Hier werden eher die Vorurteile der Forscher gegenüber Suchtkranken deutlich als nüchterne Wissenschaft. Und selbst, wenn es einen Test gäbe: Soll der im Kindergarten Pflicht werden? Orwell lässt grüßen.
Herzlich aus Basel, Frank Lindemann“


Geschenke

Kathinka Beckmann – Kinderschutz in öffentlicher Verantwortung

„Das Thema Kinderschutz hat Konjunktur in den Medien. Es sind die öffentlich bekannten Fälle von Verwahrlosung, Gewalt und Missbrauch, an denen sich stets die gleichen Fragen entzünden: Wann schlägt Überforderung in Gewalt um, gibt es frühzeitige Hilfe, soll und kann der Staat die Kinder auch vor ihren eigenen Eltern effektiv schützen?
Doch vor allem stellt sich die normative und sozialrechtliche Frage nach der öffentlichen Verantwortung – welche Möglichkeiten, welche Verpflichtungen haben die kommunalen Jugendämter, wenn es um Gesundheit und Wohl von Kindern geht? Welche Rolle spielt in diesem Kontext eigentlich die schwer zu durchschauende Finanzierungsstruktur der Jugendhilfe? Mittels einer aufwändigen Verlaufsstudie wird das Verhältnis von selbstständigen Facheinrichtungen des Kinderschutzes und den Jugendämtern als ihren Auftraggebern analysiert. Anhand dieser zwiespältigen Beziehungen werden die institutionellen Schwachstellen des Kinderschutzes aufgezeigt.
Die Verlaufsstudie analysiert die Werdegänge von 346 Kindern über einen Zeitraum von 18 Jahren im Kontext kommunaler Sozial- und Haushaltspolitik.
http://www.wochenschau-verlag.de/kinderschutz-in-oeffentlicher-verantwortung-1129.html

Wir verlosen drei Exemplare unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 1. Dezember 2014 per Postkarte mitteilen. Stichwort: Kinderschutz
Bitte adressieren Sie an: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm


Roland Lutz - Soziale Erschöpfung. Kulturelle Kontexte sozialer Ungleichheit

„Soziale Erschöpfung ist Kennzeichen einer sich spaltenden Gesellschaft, sich verfestigender sozialer Ungleichheit. Formen zeigen sich als vielfach erlebtes Drama der Unzulänglichkeit, des Scheiterns und der Einsamkeit, man ist müde, sich selbst zu sein und unterwirft sich letztlich den verfügbaren Mustern des Sich-Einrichtens. Es fehlen oftmals Ressourcen, sich für dieses oder jenes zu entscheiden. Diese Erschöpfung zeigt sich in Handlungsmustern, in „erschöpften Familien“ und verdichtet sich in Kulturen der Armut, die Folgen für die Entwicklungschancen der Kinder haben. Sozial erschöpfte Menschen sind immer weniger in der Lage, ihre alltäglichen Verrichtungen eigenständig, sinnvoll und nachhaltig zu organisieren. Der Band untersucht die Zumutungen der ‚Armut in der Moderne‘, nicht ohne die ‚besorgte Mitte‘, ihre soziale Verwundbarkeit und das Elend der Beschleunigung zu betrachten.“
Der Autor ist Professor für die „Soziologie besonderer Lebenslagen“ und wir wollen zumindest hoffen, dass sein Thema auch weiterhin unter dieser Überschrift wohl aufgehoben ist.
http://www.beltz.de/fachmedien/sozialpaedagogik_soziale_arbeit/buecher/produkt_produktdetails/5445-soziale_erschoepfung.html

Wir verlosen drei Exemplare unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 2. Dezember 2014 per Postkarte mitteilen. Stichwort: Soziale Erschöpfung
Bitte adressieren Sie an: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm


Siegfried Lenz - Deutschstunde

Siggi Jepsen, Insasse einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche (ja, so hieß das damals und so war es auch), scheitert in einer Deutschstunde am Aufsatzthema „Die Freuden der Pflicht“. Er gibt ein leeres Heft ab, obwohl er eine Menge beizutragen hätte. Siggis Vater, der als faschistischer Polizeibüttel kein Herz aus seiner Mördergrube macht, bringt damit seinen Sohn gegen sich auf. So entspinnt sich der Stoff einer griechischen Tragödie vor dem Hintergrund der dreckigsten Zeit in Deutschland.

Wir verlosen ein Exemplar dieses Standardwerks der deutschen Literatur aus gegebenem, traurigem Anlass (http://www.hoffmann-und-campe.de/presse/pressemeldungen/presse-archiv-2014-hoffmann-und-campe-verlag/tod-siegfried-lenz/) unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 28. November 2014 per Postkarte mitteilen. Stichwort: Siegfried Lenz
Bitte adressieren Sie an: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm


Die vorausgehend ausgelobten Bände zu „Drogenkonsum und Führerschein“ gingen an: Beratungsstelle für Suchtfragen (Hückelhoven), Ökumenische Fachambulanz Sucht (Nordhorn), Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle (Schweinfurt) und die Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtgefährdete und Suchtkranke (Gotha).  Die Bände „Prekarisierung der Pädagogik - Pädagogische Prekarisierung?“ gewannen Michaela Gschwind (Baldham) und Britta Meier (München). Das Jahresabonnement der Zeitschrift „sozialmagazin“ ging an Martin Giner (Herbolzheim). Ihnen allen herzlichen Glückwunsch!


Und uns allen der Wunsch, dass wir die Welt mit Ruhe und Frieden zu einem gescheiteren Ort machen.

http://www.spiegel.de/panorama/leute/john-cleese-von-monty-python-ist-fuer-entschleunigung-a-1001550.html

Herzliche Grüße dazu von
Dr. Raphael Gaßmann
Geschäftsführer

 

 

 

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Internationale Zusammenarbeit

Die DHS steht im fachlichen Austausch mit europäischen Partnerorganisationen. Sie kooperiert mit Gremien und Dienstellen der EU und der WHO, die mit suchtrelevanten Themen beschäftigt sind sowie mit Vereinen und Verbänden auf internationaler Ebene, die gleiche oder ähnliche Aufgaben wie die DHS übernommen haben. Dabei steht besonders die Entwicklung wirksamer Strategien zur Senkung der durch Alkohol und illegale Drogen verursachten gesundheitlichen und sozialen Folgen im Mittelpunkt.

weitere Infos

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