DHS - Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
Newsletter 6-2015  

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

der letzte Newsletter des vergehenden Jahres soll per Zitat mit einer guten Nachricht beginnen:

„Crystal Meth ist wie im Vorjahr die am stärksten abgelehnte Droge unter den Schüler*innen. Diese ‚Spitzenposition‘ wurde aktuell nochmals ausgebaut. Auch in Partyszenen spielt die Substanz weiterhin keine nennenswerte Rolle; […]. Und weiter: Methamphetamin spielt also weiterhin in Frankfurt keine Rolle, was auch durch die Expert*innen bestätigt wird.“ So das aktuelle Monitoring-System-Drogentrends für Frankfurt am Main 2014 (MoSyD). Und auch der Statusbericht der Hamburger Basisdaten-Dokumentation (BADO) vermerkt für 2014: Insgesamt wurde „ausgehend von der Gesamtgruppe von 14.098 Personen mit eigenständigen Suchtproblemen bei 10 Klientinnen und Klienten des Jahres 2014 Methamphetamin, Crystal Meth, Meth oder Crystal angegeben.“

In Sachsen oder Bayern sieht es anders aus. Zumindest jene Großstädte aber, die vor Jahrzehnten wie sonst keine Region in ganz Deutschland ein Crack-Problem entwickelten, müssen zum Problem der Methamphetamine, sehr vorsichtig formuliert, nicht eben in Aktionismus verfallen.


Inhalt

Dieser Newsletter informiert Sie über folgende Themen:

  • Aus der DHS
  • Veranstaltungen
  • Prävention
  • Kinder- und Jugendhilfe
  • Suchthilfe
  • Leistungserbringer und Kostenträger
  • Rausch - Sucht - Mittel - Politik
  • Das besondere Zitat
  • Verbraucherschutz
  • Aus aller Welt
  • Leserpost
  • Geschenke
Aus der DHS

Kein Alkohol unter 18 Jahren - Positionspapier der DHS

Im vergangenen Newsletter haben wir eine Initiative der DHS für einen endlich konsequenten und wirksameren Jugendschutz vor Alkohol in Deutschland vorgestellt. (downloadAuszug aus NL52015)

Bereits im Oktober wurde unser Positionspapier mitgezeichnet vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (bvkj.) sowie dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Inzwischen haben sich auch die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (bvpg) sowie das IFT Nord (Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung) dieser Position angeschlossen. Nachdem wir die Stellungnahme auch in englischer Form veröffentlichten (http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/dhs_stellungnahmen/KeinAlkoholUnter18_englisch_15-12.pdf) hat sich ebenfalls Eurocare, die European Alcohol Alliance, hinter die Analyse und Forderungen der DHS gestellt. Weitere Unterzeichner werden hinzukommen - wir halten Sie auf dem Laufenden. Den jeweils aktuellen Stand der Mitunterzeichner können Sie jederzeit bei uns im Internet erkennen. Weitere Druckauflagen des Papiers werden fortlaufend aktualisiert.


Neuer Kerndatensatz 3.0 für die Suchthilfe verabschiedet

In den vergangenen Jahren haben wir mehrfach darauf hingewiesen, dass die DHS den Kerndatensatz für die Suchthilfe (KDS) überarbeitet. Ziel war es, nach nunmehr rund einem Jahrzehnt das Erhebungsinstrument soweit möglich zu verschlanken, soweit nötig zu ergänzen und insgesamt zu aktualisieren. Hierzu gingen bei der DHS mehrere hundert Anregungen ein, die ausnahmslos diskutiert und in vielen Fällen übernommen bzw. berücksichtigt wurden. Anlässlich seiner vergangenen Sitzung hat der DHS Vorstand die vom DHS Fachausschuss Statistik vorgelegte neue Version des Kerndatensatzes für die Suchthilfe einstimmig verabschiedet.

Der neue KDS geht nunmehr zur Beratung den Bundesländern und Softwareanbietern zu. Bereits im Vorfeld abgestimmtes Ziel ist es, dass er zum 1. Januar 2017 in Kraft tritt. Wir werden Sie über den Fortgang dieses Prozess auf dem Laufenden halten und danken auch an dieser Stelle sehr herzlich all jenen, die auf die ein oder andere Art an der Überarbeitung mitgewirkt haben, für Ihr unverzichtbares Engagement.


Termine

Die vergangene DHS Fachkonferenz Sucht war bereits mehr als einen Monat vor Veranstaltungsbeginn ausgebucht. Um allen Interessierten eine Chance zur rechtzeitigen Anmeldung zu geben, daher schon jetzt der Hinweis auf die kommende, 56. DHS Fachkonferenz Sucht: Sie findet vom 10. bis 12. Oktober 2016 in Erfurt statt. Ihr Thema: „Abstinenz Konsum Kontrolle“. Anmeldungen sind ab Februar 2016 möglich. Dies wird im DHS Newsletter bekannt gegeben.

Für die kommende DHS Sucht-Selbsthilfekonferenz 2017 in Erkner ist dasselbe Thema geplant. Diese Selbsthilfe-Tagung findet vom 28. bis 30. April 2017 statt.


Ankündigung: 6. Aktionswoche Alkohol vom 13. bis 21. Mai 2017

Wir freuen uns, Ihnen ebenfalls den offiziellen Termin der kommenden Aktionswoche Alkohol bekannt geben zu können: Vom 13. bis 21. Mai 2017 wird die sechste Auflage der äußerst erfolgreichen Alkoholpräventionskampagne durchgeführt. Die Evaluation der Aktionswoche 2015 bestärkt uns in der Fortführung:

Knapp 380 Veranstalter und Besucher nahmen an der Befragung teil und bekräftigen die Fortführung: 80 % der Veranstalter möchten im Jahr 2017 sicher wieder teilnehmen, 14 % eventuell. 91% der Veranstalter waren mit der Aktionswoche 2015 zufrieden oder sehr zufrieden, 5 Prozentpunkte mehr als 2013. 99 % der Veranstalter äußerten sich zudem mit der Kooperation mit der DHS zufrieden bis sehr zufrieden. http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/news/2015-12-09_Evaluation_AWA15.pdf

Auch die Materialien wurden in der Online-Erhebung positiv bewertet: 23 % der Veranstalter gaben dem Material insgesamt die Schulnote „1“ (2013: 21 %), 54 % die Schulnote „2“ (2013: 51 %). Beliebteste Materialien waren die Z-Card „Der Selbsttest“ (85%), der Haftnotizblock (82%) sowie die Plakate (77%).

Besonders viele Veranstalter und Besucher erfuhren im Internet und über den DHS Newsletter von Aktionen und Veranstaltungen und nahmen daraufhin teil. Wer auch nach Ende der Aktionswoche 2015 auf dem Laufenden bleiben will, erhält auf Facebook Neuigkeiten und Informationen der DHS (https://de-de.facebook.com/aktionswochealkohol).


4-K-Kampagne zur Medikamentenabhängigkeit

Das Echo auf die 4-K-Kampagne von DHS und Barmer GEK in Kooperation mit der Bundesärztekammer wirkt nachhaltig. Ob von großen Fachgesellschaften wie der DGS oder Selbsthilfe-Initiativen wie Einblicke e.V.: Die Kampagne erhält breiten Rückhalt in den Arbeitsfeldern. Aktuell hat die Caritas Fachambulanz Regensburg, gemeinsam mit der Barmer GEK, dem Ärztlichen Kreisverband Regensburg und dem Bayerischen Apothekenverband (BAV) eine Initiative zur Medikamentenabhängigkeit gestartet. „Die gemeinsame Kampagne wird bereits von zahlreichen Ärzten, Suchtberatern und Apothekern unterstützt“ (Suchthilfe konkret, 20/2015).
http://www.caritas-regensburg.de/aktuelles/presse/gemeinsam-gegen-die-abhaengigkeit-von-sc


DHS Broschüren 2015: Große Nachdruckaktion abgeschlossen

Sämtliche Broschüren und Faltblätter der DHS stehen ab sofort wieder für Sie zur Verfügung: Die Bände der Suchtmedizinischen Reihe und der Basisinformationen ebenso wie die verschiedenen Sprachausgaben von „Ein Angebot an alle, die einem nahestehenden Menschen helfen wollen“ oder die Faltblätter und die Broschüren für die Sucht-Selbsthilfe. Überzeugen Sie sich selbst: http://www.dhs.de/informationsmaterial/broschueren-und-faltblaetter.html

Ihre Bestellung - auch in größerer Stückzahl - nehmen wir gerne online entgegen. Die Lieferung erfolgt auch 2016 wie bisher kostenfrei: www.dhs.de/informationsmaterial/bestellung


In eigener Sache: Versand des Newsletter 5-2015

Durch einen technischen Defekt erhielten einige Abonnenten statt des vergangenen DHS Newsletter 5-2015 die Ausgabe 6-2014. Wir bitten, dies zu entschuldigen und haben den betroffenen Adressen die aktuelle Ausgabe nachgesandt.


Veranstaltungen

Einführung in die ICF (2. Februar 2016, Fachklinik Release, Ascheberg-Herbern)

Der Workshop führt in Systematik und Funktionsweise der ICF (Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) ein. In Kleingruppen wird sodann die Anwendung geübt. Die Veranstaltung richtet sich an Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Mitarbeiter in der Suchtkranken- und Behindertenhilfe.
Die Teilnahme ist kostenfrei.
Weitere Informationen unter http://www.drogenhilfe-hamm.de/wordpress/download/herberner-suchtgespraeche-2016/


Prävention

Entwurf eines Tabakgesetzes zur Umsetzung der EU-Tabakrichtlinie:

Am 27.11.2015 führte das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine öffentliche Anhörung zu den Referentenentwürfen für die Umsetzung der EU-Tabakproduktrichtlinie in nationales Recht durch. Diese sehen u.a. eine Ausweitung der bestehenden Tabakwerbeverbote vor. Gute Sache endlich, ausgezeichnet! Doch leider erst ab 2020. Das Aktionsbündnis Nichtrauchen, in dem die DHS Mitglied ist, hat hierzu Position bezogen:

http://www.abnr.de/files/abnr-stellungnahme_tabakgesetz.pdf
http://www.tagesspiegel.de/politik/werbeverbot-fuer-tabak-der-minister-knickt-ein/12694602.html


Präventionsgesetz: Schon gescheitert?

Bereits im vergangenen Februar hatte der Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) gefordert, den Entwurf des geplanten Präventionsgesetzes noch einmal zu korrigieren: „Vor allem die Quersubventionierung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) durch Beitragsmittel ist für die Ersatzkassen nicht hinnehmbar,“ erklärte damals Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek. http://www.krankenkassen-direkt.de/news/mitteilung/vdek-Praeventionsgesetz-Quersubventionierung-der-BZgA-durch-Beitragsmittel-der-Kassen-nicht-hinnehmbar-883376.html

Da dieser Einwand folgenlos blieb, wird der GKV-Spitzenverband nunmehr die Verfassungsmäßigkeit der Bestimmung prüfen lassen. Gleichzeitig wurde der gesetzlich verlangte Beitrag vom 0,45 Euro je Versichertem/Jahr an die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gesperrt. http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/krankenkassen/article/901413/bzga-kassen-wollen-rechtliche-schritte-einleiten.html?sh=2&h=1360734376

Da die gesetzlich vorgesehene Prävention für alle in Deutschland lebenden Menschen lt. Gesetz durch die Beiträge gesetzlich Krankenversicherter finanziert werden sollte, wird der nun folgende juristische Gang der Dinge wohl über die gesamte Zukunft des Gesetzes entscheiden.


Kinder- und Jugendhilfe

KVJS Fortbildung: Elternkompetenz - trotz Suchtproblemen (2. und 3. März 2016, Flehingen)

Bei ca. 40 % der Hilfen zur Erziehung ist davon auszugehen, dass die Suchtproblematik eines Elternteils die Notwendigkeit begründet. Die Fortbildung des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit der dortigen Landesstelle für Suchtfragen befasst sich mit professionellen Zugangs- und Hilfemöglichkeiten in dieser elementaren Problemkonstellation: Familien- und Beziehungsdynamiken, Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen, Stärkung der Eltern-Kind-Interaktion und Methodenwissen zählen u.a. hierzu. Aus Perspektive der systemischen Familientherapie erfolgen Seminarimpulse. Fallbeispiele, themenzentrierter Austausch und Methodentraining stehen dann im Mittelpunkt. Teilnehmerbeitrag: 189 / 241 Eurohttps://www.kvjs.de/?id=218&kursnr=16-4-EHSD12-1k&kubuState=Form&logoutAnyway=1


Jugendmedienschutz inmitten des Gerangels

Im kommenden Jahr 2017 soll der Jugendmedienschutz auf eine neue gesetzliche Grundlage gestellt werden. Dies Unterfangen ist letztmalig 2010 gescheitert. Ein aktueller Gesetzentwurf befindet sich derzeit in der Abstimmung zwischen Bund und Ländern. Wir werden sehen, ob er dort zustande kommt - oder erneut auf der Strecke bleibt: https://www.jugendhilfeportal.de/jugendschutz/artikel/rechtssicherheit-und-staerkung-der-selbstkontrollen-abstimmung-zum-jugendmedienschutz/?utm_source=Newsletter&utm_medium=E-Mail&utm_campaign=Newsletter%20KW51%20Dezember%202015&cHash=09b57070adca441a8b3bfffe28320826


Suchthilfe

„Disziplinarische“ Beendigung

Im künftigen wie im bisherigen Deutschen Kerndatensatz zur Dokumentation im Bereich der Suchtkrankenhilfe werden Informationen zur Beendigung von Maßnahmen erbeten. Hier fand und findet sich auch die Angabe „disziplinarisch“. Als Ergebnis langer fachlicher Diskussionen im Berufsfeld führt das Manual hierzu künftig u.a. aus:„Fehlende Therapiemotivation oder (wiederholte) Rückfälle oder Verstöße gegen Therapievereinbarungen sind kein disziplinarischer Entlassungsgrund, sondern können lediglich zu einer vorzeitigen Entlassung aufgrund ärztlicher / therapeutischer Veranlassung führen.“


Leistungserbringer und Kostenträger

2 %: Extrem überschaubare Erhöhung des Kostensatzes für die ambulante Rehabilitation Abhängigkeitskranker

Der Kostensatz für diese Leistung beträgt seit dem 1. Januar 2014 bundeseinheitlich 50 Euro. Gemäß §8 Abs. 2 der Vereinbarung „Abhängigkeitserkrankungen“ vom 4. Mai 2001 stimmen sich die Krankenkassen und die Rentenversicherungsträger über die Pauschale für Leistungen zur ambulanten medizinischen Rehabilitation Abhängigkeitskranker ab.

Eine Erhöhung des Kostensatzes wurde nunmehr in den zuständigen Gremien auf Bundesebene beraten. Im Ergebnis beträgt der Kostensatz der ambulanten Rehabilitation Abhängigkeitskranker für nach dem 31. Dezember 2015 erbrachte Leistungen bundesweit einheitlich 51 Euro.


Rausch - Sucht - Mittel - Politik

Fachbeirat Glücksspielsucht: Jahresbericht 2014 online

Der Jahresbericht des Fachbeirat Glücksspielsucht bietet eine kompakte Analyse des Glücksspielgeschehens in Deutschland unter den Vorzeichen der Suchtpolitik sowie des Jugend- und Verbraucherschutzes. Er begründet Forderungen nach wirksamen Schutzmaßnahmen:

Für einen wirksamen Jugendschutz: Einlasskontrollen in Spielhallen, Verbot von Geldspielgeräten in gastronomischen Betrieben und die wirksame Umsetzung des Teilnahmeverbots Jugendlicher bei Online-Glücksspielen sowie eine stärkere Kontrolltätigkeit beim Vollzug des Jugendschutzes vor Ort.

Der Fachbeirat fordert die Einführung einer personengebundenen Spielerkarte, die glücksspielformenübergreifend einzusetzen ist.

Grundsätzlich sollten gewerbliche Geldspielgeräte per Spielverordnung nach Vorbild des Schweizer Modells ausschließlich in Spielbanken betrieben werden. Übergangsweise sollten folgende Maßnahmen umgesetzt werden: keine Geldspielgeräte in gastronomischen und scheingastronomischen Betrieben, Einführung eines länder- und glücksspielformenübergreifenden Sperrsystems, Pflicht zur Zutrittskontrolle und Abgleich mit der Sperrdatei, Entschärfung der Geräte in Bezug auf Spielgeschwindigkeit und Senkung der Gewinn- und Verlustmöglichkeiten.

Grundsätzlich sollten Sportwetten von einem staatlichen Monopolträger angeboten werden.

Die Erfahrungen zeigen, dass es durch den zahlenmäßig begrenzten Konzessionierungsversuch nicht gelungen ist, den illegalen Markt einzudämmen.

Grundsätzlich sollte in Übereinstimmung mit dem Sportwettenurteil des Bundesverfassungsgerichtes jegliche Werbung für jegliches Glücksspiel untersagt werden.  

All jenen, die lieber hören als lesen, sei zu diesem Thema ein Radiofeature des WDR empfohlen: „NRW zockt …“. Wenn Sie eindrucksvoll geschildert bekommen wollen, wie es läuft: www1.wdr.de/radio/podcasts/wdr5/dokfuenf140.html


Europäischer Gesundheitsbericht 2015: Tabak- und Alkoholkonsum in Europa alarmierend!

Am 23. September veröffentlichte das europäische Regionalbüro der WHO seinen Gesundheitsbericht 2015. Er liefert eine Bestandsaufnahme und Analyse der Gesundheit in Europa sowie der Umsetzung des Rahmenkonzepts „Gesundheit 2020“. Laut Bericht leben die Europäer zwar immer länger, rauchen und trinken aber so viel, dass die Lebenserwartung künftiger Generationen (auch wegen steigender Adipositasraten) wieder sinken könnte.  „Es besteht ein sehr reelles Risiko, dass diese Erfolge verloren gehen, wenn der Tabak- und Alkoholkonsum weiter auf dem gegenwärtigen Niveau bleibt. Dies gilt insbesondere für junge Menschen, die Gefahr laufen, kürzer zu leben als ihre Großeltern.“ (Zitat von Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, nach „europaticker“).

Die Autoren des Berichts sehen im hohen Tabak- und Alkoholkonsum eine Ursache für die starke Verbreitung nicht-übertragbarer Erkrankungen wie Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen. Bei der Zurückdrängung dieser Risikofaktoren seien einige Fortschritte zu verzeichnen. Dazu trügen politische Interventionen in der Bekämpfung des Alkoholkonsums, etwa durch Einflussnahme auf Verfügbarkeit und Preis, bei. Der Rückgang des Tabakkonsums reiche in den meisten Ländern allerdings nicht aus, um die Zielvorgabe einer Verringerung um 30% bis zum Jahr 2025 zu erreichen.

Für Deutschland heißt das: Die vorhandenen Ansätze der Verhältnisprävention wirksam stärken und deutlich ausbauen! Beim Thema Alkohol ist noch viel Raum für Verbesserungen. Die Fortentwicklung wirksamer Interventionen liegt seit Jahrzehnten am Boden. Werbung und Sponsoring sind weitestgehend erlaubt, die Alkoholsteuern liegen bei Bier und Wein an der untersten Grenze in Europa und die Verfügbarkeit ist an 7 Tagen der Woche rund um die Uhr und ohne Jugendschutz garantiert. www.euro.who.int/de/data-and-evidence/news/news/2015/09/european-health-report-2015-published


Schon ein einziges Drogen-Kartell könnte IS militärisch besiegen

Angeblich hat ein mexikanischer Blogger eine Mail „geleakt“, in der Drogenboss Joaquín Guzmán dem sog. Islamischen Staat den Krieg erklärt: http://web.de/magazine/politik/Kampf-Islamischer-Staat-IS/fake-mail-drogenboss-el-chapo-erklaert-is-krieg-31202484

Wie wir in dem Beitrag nachvollziehbar erklärt bekommen, ist das Ganze wohl schon deshalb eine Falschmeldung, weil der sog. IS keine nennenswerte Bedrohung für die Geschäfte südamerikanischer Drogenkartelle darstellt. Allerdings, und das macht die Meldung brisant, erläutert Lateinamerika-Experte Karl-Dieter Hoffmann, was die Bewaffnung angehe, könne das Sinaloa-Kartell es mit dem IS aufnehmen. Also ein Drogenkartell besäße zumindest das finanzielle und militärische Potenzial, die mit einer großen Zahl von Qualitätsprodukten bestückte IS-Armee in ernsthafte Bedrängnis zu bringen.  So erklärt sich dann wohl auch der offenbare Einstieg islamistischer Armeen und Terroristen in den Drogenhandel, auf den wir bereits vor Jahren hinwiesen: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/drogenkrieg-in-marseille-mordserie-erschuettert-frankreich-a-853547.html


Das besondere Zitat

„Bei einem derartigen Zusammenwachsen von Staat und Wodka, wie es in Russland der Fall war, und der Verbreitung der Trunksucht in allen gesellschaftlichen Schichten, ist es kaum verwunderlich, dass die Auffassung, der Wodka sei - wenigstens in gemäßigter Dosis - der Gesundheit zuträglich, selbst unter Wissenschaftlern und Ärzten verbreitet war.“ (S. 105/106)

„Eine immer bedeutendere Rolle spielen bei der Konstruktion der russischen Wodka-Identität die Lobbyisten der Alkoholbranche, die mit der Bürokratie liiert sind. Der Einfallsreichtum, mit dem sie dem Volk den Wodka als nationales Getränk unterzujubeln wissen, ist beinahe grenzenlos.“ (S. 148) 

In ihrem außerordentlich lesenswerten (und lesbaren) Buch schildert Sonja Margolina die Hintergründe und Auswirkungen der bis heute in Russland bestehenden nationalen Alkoholvergiftung durch vorzugsweise Wodka.

Mit dem Ausdruck größten Bedauerns müssen wir anfügen, dass identische Strukturen, Strategien und Probleme in Deutschland und anderswo durchaus nicht zufälliger Natur sind. Ersetzen Sie „Wodka“ durch „Bier“ oder „Wein“ - und es passt perfekt.Margolina, Sonja: Wodka. Trinken und Macht in Russland. Berlin: WJS-Verlag, 2004


Verbraucherschutz

Monopoly auf dem legalen Drogenmarkt

Schon im September 2014 kam das Gerücht auf, Anheuser-Busch InBev (US-Biergigant) habe Interesse an SAB Miller (dito). Letztgenannte versuchten dem Vernehmen nach, sich mit einem Übernahmeangebot an Heineken vor Anheuser zu schützen, blitzten aber bei Heineken ab.

Im September 2015 gab der weltweite Bier-Marktführer Anheuser-Busch sein Kaufinteresse an SAB Miller bekannt. Daraufhin stiegen deren Aktienkurse in London um 25 %. Am 13. Oktober 2015 schließlich wurde die Übernahme öffentlich: Anheuser-Busch Inbev kauft SAB Miller für 96 Milliarden Euro (sechsundneunzig Milliarden). Diese Fusion schafft einen Biergiganten, der jedes dritte weltweit verkaufte Bier herstellt.

Schlüsselakteur und Profiteur der Übernahme ist Altria, der Tabakriese aus den USA, zu dessen Unternehmen Konzerne wie Philip Morris USA, US Smokeless Tobacco und John Middleton (Zigarren), gehören. Altria ist mit 27 % größter Anteilseigner von SAB Miller. Die Monopolisierung des legalen Drogenmarktes schreitet voran!

http://iogt.org/blog/tag/behemoth/
http://finance.yahoo.com/news/altria-group-supports-anheuser-busch-113000294.html

Nimmt damit auch der Einsatz nationaler Regierungen als Umsatz- und Gewinngaranten der Drogenindustrien weiter zu? Wir werden es erleben.


Aus aller Welt

Stabile Sicherheitslage in Stuttgart

Die nicht weiter ausgeführten beunruhigenden Sicherheitserkenntnisse des Bundesinnenministeriums können sich, so sind wir zu mutmaßen gehalten, nicht auf die baden-württembergische Landeshauptstadt beziehen. Staatsanwaltschaft und Polizei befassten sich dort  gerade tagelang mit dem (offiziell als Demonstration angemeldeten) „Vortäuschen einer Straftat“ durch das Rauchen jointförmiger selbstgedrehter Tabak-Zigaretten.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.schlossplatz-in-stuttgart-piraten-demo-mit-falschen-joints.e788ca8a-b88a-44dd-9b6e-d75de2e5be01.html

Das kann nur heißen: Absolut entspannte Sicherheitslage! Du glückliches Stuttgart!!!


Leserpost

Guten Tag,
mir ist aufgefallen, dass in immer mehr Fernsehsendungen geraucht wird. Der Filmheld stellt sich mit Zigarette als „cool“ dar.
Führt dies dazu, dass wieder mehr Menschen, besonders Jugendliche, Raucher werden/bleiben?
Gibt es gesetzliche Möglichkeiten, das Rauchen zu verbieten im Fernsehen?
Ich denke daran, eine Petition zu starten. Würden Sie diese in Ihrem Newsletter erwähnen?

Viele Grüße
Georg Weiss

Sehr geehrter Herr Weiss,

das ist uns auch aufgefallen. Entweder rauchen die besonders „coolen“ Figuren - oder es rauchen Figuren in besonderen Belastungssituationen (nach der alten Werbelüge: Rauchen beruhigt). Ja, selbstverständlich führt dies dazu, dass mehr Menschen Raucher/-innen werden und mehr Menschen Raucher/-innen bleiben. Dies ist einerseits durch Untersuchungen bewiesen:

downloadLongitudinal Study of Exposure to Entertainment Media and Alcohol Use Among German Adolescents
downloadSmokers' Attitude and Intention to Quit after Seeing a Movie with Smoking

downloadComparison of tobacco and alcohol use in films produced in Europe, Latin America, and th United States

Andererseits ist es ganz und gar selbstverständlich, dass bezahlte Werbung wirkt - sonst würde sie nicht millionenschwer bezahlt. Und selbstverständlich gäbe es gesetzliche Möglichkeiten, das bezahlte Rauchen im Fernsehen zu unterbinden. Immerhin ist es eine Werbemaßnahme und Werbung für schädliche Produkte kann selbstverständlich untersagt werden. Hierzu bedarf es des Willens, dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung Vorrang vor Geschäften zu verschaffen. Mehr nicht.

Sollten Sie, lieber Herr Weiss, hierzu eine Petition durchführen, so sind wir selbstverständlich zu einem Hinweis bereit. Einzige Bedingung: Ihre Aktion wird weder durch irgendeine Suchtmittelindustrie noch durch die pharmazeutische Industrie unterstützt. http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/dhs_stellungnahmen/Verwendung_von_Geldern_der_Industrie_01.pdf


 

 

Geschenke

Levold, Wirsching (Hrsg.): Systemische Therapie und Beratung - das große Lehrbuch

Das umfangreiche Lehrbuch bietet Professionellen der unterschiedlichsten Berufsgruppen eine fundierte Einführung in die theoretischen und praktischen Grundlagen der systemischen Therapie und Beratung. Es vermittelt neben Basiswissen auch die zugehörigen methodischen und behandlungstechnischen Fertigkeiten und zeigt deren Anwendung in unterschiedlichen Praxisfeldern und Institutionen.

Medizinisch-psychiatrische Diagnosesysteme werden in Problemkonstellationen übersetzt, die im Rahmen einer systemischen Therapie bzw. Beratung bearbeitet werden können. Beiträge zum Umgang mit kulturellen und ethischen Fragen, zur Aus- und Weiterbildung sowie zu den Perspektiven systemischer Forschung runden den den Band ab.

Mit 90 Kapiteln von 76 Autoren bietet das Lehrbuch einen Querschnitt durch alle wichtigen Themen der systemischen Therapie und Beratung. Ein ausführliches Sachregister ermöglicht gezielte Zugriffe.

http://www.carl-auer.de/programm/artikel/titel/systemische-therapie-und-beratung-das-grosse-lehrbuch/

Wir verlosen ein Exemplar unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 11. Januar 2016 per Postkarte mitteilen (Stichwort: Lehrbuch Systemische Therapie). Bitte adressieren Sie an DHS e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm.


Wirtz und Strohmer (Hrsg.): Dorsch. 17. Auflage. Lexikon der Psychologie

Der Dorsch gilt als Standardwerk, das eine umfassende Orientierung über Grundlagen, Konzepte und Begriffe der Psychologie ermöglicht. Neu in dieser 17. Auflage sind u.a. die systematische Darstellung der ICD-10 sowie ein zwei Jahre gültiger Online-Zugang.

http://www.hogrefe.ch/index.php/dorsch-lexikon-der-psychologie.html

Wir verlosen ein Exemplar unter jenen, die uns ihr Interesse bis zum 11. Januar 2016 per Postkarte mitteilen (Stichwort: Dorsch). Bitte adressieren Sie an DHS e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm.


DHS: Taschenlampe

Eine kleine, für die einfachen Aufgaben des Alltags durchaus gerüstete Taschenlampe mit DHS Aufdruck erhalten all jene, die im Anschluss an unsere Veranstaltungen einen ausgefüllten Erhebungsbogen abgeben. Sollten Sie die vergangene DHS Fachkonferenz „Rückfälle“ oder dort einen Erhebungsbogen auszufüllen versäumt haben, so bietet sich Ihnen hier die einzige Gelegenheit eines solchen Kleingerätes Eigentümer/-in zu werden. Wir verlosen 5 Exemplare unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 11. Januar 2016 per Postkarte mitteilen (Stichwort: Licht). Bitte adressieren Sie an DHS e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm.


Die vorausgehend ausgelobten Bände „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität“ gingen an Guido Bachmann (Delmenhorst), Ellen Frömming (Drachhausen) und Brigitte Saur (Berlin). Die Bücher zur „Philosophie der Sucht“ erhielten Hildegard Drewer (München), David Malz (Nürtingen) und Johanna Pogodda (Darmstadt). Das SuchtMagazin wurde an Elke Kuntner (Strullendorf), Annerose Kapelle (Werder) und an prop e.V. (Freising) versandt. Herzlichen Glückwunsch!


Angenehme Tage, und dass Sie samt Ihrer Lieben freundlich in ein Gutes Neues Jahr gelangen

wünscht Ihnen Ihr Dr. Raphael Gaßmann


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Internationale Zusammenarbeit

Die DHS steht im fachlichen Austausch mit europäischen Partnerorganisationen. Sie kooperiert mit Gremien und Dienstellen der EU und der WHO, die mit suchtrelevanten Themen beschäftigt sind sowie mit Vereinen und Verbänden auf internationaler Ebene, die gleiche oder ähnliche Aufgaben wie die DHS übernommen haben. Dabei steht besonders die Entwicklung wirksamer Strategien zur Senkung der durch Alkohol und illegale Drogen verursachten gesundheitlichen und sozialen Folgen im Mittelpunkt.

weitere Infos

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