DHS - Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
Newsletter 5-2016  

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Sucht und Schulden sind traurige Geschwister. Das wissen nicht nur die durchschnittlich am höchsten verschuldeten pathologischen Glücksspieler/-innen, auch etwa die von Heroin oder Alkohol Abhängigen sind regelmäßig existenziell betroffen. Nicht umsonst engagiert sich die Marianne-von-Weizsäcker-Stiftung seit mehr als 25 Jahren erfolgreich in der Entschuldung ehemals Abhängiger - und ihre Aufgaben werden in keiner Weise geringer.

Den also bekannten Zusammenhang zwischen Sucht und Schulden macht sich das Unternehmen PayPal in einer aktuellen Werbung auf downloadBierdeckeln zunutze.

Scheinbar ein freundliches Angebot für Betrunkene und Abhängige. Tatsächlich aber: Anfixen von Angefixten. Oder, wie es Neudeutsch heißt: Cross Selling. 


Inhalt

Dieser Newsletter informiert Sie über folgende Themen:

  • Aus der DHS
  • Veröffentlichungen: Druck & Internet
  • Veranstaltungen
  • Prävention
  • Wissenschaft
  • Rausch - Mittel - Sucht - Politik
  • Verbraucherschutz
  • Jugendhilfe
  • Leistungs- und Kostenträger und -erbringer
  • Kultur
  • Geschenke
Aus der DHS

Harm Reduction durch E-Zigaretten?

Mit bemerkenswerter Geschwindigkeit verbreitet sich ein neues Suchtmittel, nicht nur in Deutschland: Die E-Zigarette. Vielfach wird behauptet, sie diene abhängigen Rauchern zum Ausstieg aus dem Konsum, zumindest von Teer, Kondensaten und vielen anderen gesundheits- und lebensgefährlichen Schadstoffen in den üblichen Zigaretten. Was ist drin und was ist dran an den elektrischen Verdampfern? Die DHS hat hierzu nunmehr eine wissenschaftliche Stellungnahme verabschiedet: http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/dhs_stellungnahmen/DHS_Positionspapier_Harm_Reduction.pdf


Factsheet Alkohol: Mythen und Meinungen

Gerade, wenn es um Alkohol geht, werden Mythen und Meinungen statt wissenschaftlicher Daten und Fakten propagiert.

Hartnäckig hält sich etwa die Meinung, Alkohol sei gesund. Immer wieder behaupten dies die seltsamsten Personen in Diensten der Alkoholindustrie. Er wird sogar zum Kulturgut verklärt. Zeit, mit solchen Mythen aufzuräumen. Die DHS unternimmt dies bereits seit Jahren mit dem Factsheet „Alkohol: Mythen und Meinungen“, das nun mit finanzieller Unterstützung der Techniker Krankenkasse überarbeitet und neu aufgelegt wurde. Anhand solider Daten und Fakten wird deutlich, dass viele der verbreiteten Annahmen einer Überprüfung nicht standhalten.

Das Factsheet ist auch in größerer Stückzahl bestellbar unter www.dhs.de/informationsmaterial/bestellung


Aktionswoche Alkohol 2017: „Kein Alkohol unterwegs“

Ende Oktober veröffentlichte das Statistische Bundesamt die aktuellen Daten zu Unfällen unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen berauschenden Mitteln im deutschen Straßenverkehr (https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/TransportVerkehr/Verkehrsunfaelle/UnfaelleAlkohol5462404157004.pdf?__blob=publicationFile). Demnach ereigneten sich über 13.200 Alkoholunfälle mit Personenschaden. Hierbei verunglückten über 16.600 Personen, 256 Personen starben. Trinken und Fahren sind nicht nur im Auto problematisch: Alkoholisierte, pöbelnde und aufdringliche Fahrgäste in Bus und Bahn oder randalierende Passagiere im Flugzeug sind unangenehm für alle Beteiligten. Mit dem Alkoholkonsum in öffentlichen Verkehrsmitteln hängen verbale und tätliche Angriffe sowie massive Sachbeschädigungen eng zusammen.

Daher fordert das Schwerpunktthema der Aktionswoche Alkohol vom 13. bis 21. Mai 2017 dazu auf, im Verkehr auf Alkohol zu verzichten: „Kein Alkohol unterwegs!“. Dies gilt vor allem und uneingeschränkt für das selbstständige Führen eines Verkehrsmittels. Und auch im öffentlichen Personenverkehr sollen Mitreisende berücksichtigt und allen Beteiligten eine sichere und angenehme Reise ermöglicht werden. Veranstalter können gemeinsam mit Verkehrsbetrieben, Fahrschulen, der Verkehrswacht sowie Fahrrad- oder Automobilclubs Aktionen durchführen und auf die Alkoholgefahren im Straßenverkehr, in der Luft und zu Wasser aufmerksam machen. Dazu wird wie immer allen gemeldeten Veranstaltern kostenloses Material zur Verfügung gestellt. Anmeldung und Materialbestellung sind ab Anfang 2017 auf der neu gestalteten Aktionswochen-Homepage möglich.

Weitere Infos erhalten Sie unter www.aktionswoche-alkohol.de und unter info@dhs.de. Bitte liken und teilen Sie auch unseren Facebook-Auftritt unter https://de-de.facebook.com/aktionswochealkohol.


Abstinenz - Konsum - Kontrolle: Beiträge auf dhs.de

Wie angekündigt, finden Sie unter http://www.dhs.de/dhs-veranstaltungen/rueckschau/fachkonferenzen.html die Vor- und Beiträge der Referierenden unserer Fachkonferenz vom 10. bis 12. Oktober in Erfurt.    

Wir haben sämtliche Beiträge aus Plenum und Foren eingestellt, die von den Hauptrednerinnen und -rednern, Referentinnen und Referenten zur Veröffentlichung freigegeben wurden.


Neue Literatur 6/2016

Unter folgendem Link finden Sie das aktuelle Verzeichnis aller neu in die DHS Bibliothek aufgenommenen Titel: http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Bibliothek/Neue_Literatur_6-2016.pdf

Die Ausleihe ist wie immer kostenlos, Besuche in der Bibliothek sind nach Voranmeldung bei Frau Lehner (bibliothek@dhs.de) möglich.


Geschenkt

Professor Dr. Karl-Heinz Reuband, Professor an der Heinrich Heine Universität Düsseldorf, und neben vielem anderen Mitglied des Wissenschaftlichen Kuratoriums der DHS, hat unsere Fachbibliothek gelegentlich seiner Emeritierung mit einem über Jahrzehnte gesammelten, umfangreichen Bestand extrem interessanter Fachliteratur bereichert. Das Verzeichnis K.-H. Reuband finden sie unter http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Bibliothek/Reuband.pdf. Herzlichen Dank - und auf eine Fülle weiterer wichtiger Untersuchungen und vor allem schöner Jahre!


Veröffentlichungen: Druck & Internet

Teilhabegesetz 

Die Unterarbeitsgruppe „Teilhabe am Arbeitsleben“ des Drogen- und Suchtrats der Bundesregierung hat unter Leitung der DHS sein Papier „Arbeit, Beschäftigung und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Suchterkrankungen“ erstellt. Dieses Papier wurde am 26. September 2016 vom Drogen- und Suchtrat verabschiedet:
http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/dhs_stellungnahmen/Beschlussfassg-AG_Teilhabe-Zentrale_Empfehlungen.pdf


Evaluation der S3-Leitlinien-Empfehlungen zur Diagnose der Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD)

Als Folge mütterlichen Alkoholkonsums in der Schwangerschaft leiden laut Expertenschätzungen ca. 130.000 Kinder bzw. insgesamt ca. 0,8 Millionen Menschen in Deutschland an einer Fetalen Alkoholspektrumstörung (FASD).

Die S3-Leitlinien-Empfehlungen zur Diagnose der Fetalen Alkoholspektrumstörungen (Stand Juni 2016: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/022-025.html) sind in einem Pocketguide FASD zusammengefasst und veranschaulicht. Er ist in elektronischer Form downloadbar unter: www.ispz-hauner.de - Abteilungen - TESS-FASD.

Um einen Eindruck über den aktuellen Wissensstand zu FASD und über die Implementierung der S3-Leitlinie zu erhalten, hat die LMU München, Dr. von Haunersches Kinderspital, einen Fragebogen entworfen und würde sich freuen, wenn dieser bis zum 15. November 2016 online ausgefüllt wird. https://www.umfragen-am-klinikum.de/index.php/754386?lang=de. Die Ergebnisse können, so die LMU, nicht mit dem Absender/der Absenderin in Verbindung gebracht werden (anonyme Erfassung). Zumindest nicht von der LMU. Um den totalen Datendiebstahl zu erschweren, empfehlen wir erneut die Nutzung von ixquick. https://www.ixquick.de/deu/


Substitutionslandkarte veröffentlicht

Unter Federführung des buss wurde eine Substitutionslandkarte erstellt. Online sind hier alle ermittelten Reha-Angebote für Substituierte in Deutschland zu finden. http://www.suchthilfe.de/


Kinder aus suchtbelasteten Familien - Weiterbildungen für Fachkräfte

Auf der Internetseite von NACOA Deutschland finden sich jetzt auch Angebote für Fachkräfte, die sich zum Thema Kinder aus suchtbelasteten Familien weiterbilden wollen: http://www.nacoa.de/index.php/weiterbildung


Veranstaltungen

Fachtag „Ergebnisse der Katamnesen Ambulante Rehabilitation Sucht - Wirkungsdialog und daraus abgeleitete Perspektiven“ (Frankfurt/M., 15. November 2016)

Der Deutsche Caritasverband (DCV) und der Gesamtverband für Suchthilfe (GVS) haben im Jahr 2012 mit der Einführung von Katamnesen in der ambulanten Rehabilitation Sucht begonnen. Inzwischen liegen die Ergebnisse von vier Erhebungsjahrgängen vor. DCV und GVS wollen diese Ergebnisse erstmals im Rahmen eines Fachtages veröffentlichen und mit den Teilnehmer/-innen diskutieren. Nicht zuletzt soll die Implementierung von Katamnesen in der Ambulanten Rehabilitation Sucht aber auch als Teil eines Qualitätsdialogs erkennbar werden. Zu dieser Diskussion sind die Einrichtungen der Suchthilfe und die verbandlichen Vertreter/-innen der Suchthilfe in DCV und GVS sowie Vertreter/-innen der Rehabilitationsträger herzlich eingeladen.

Tagungskosten: 45 Euro
Weitere Informationen unter http://www.sucht.org/fileadmin/user_upload/Aktuell/Ausschreibung_Fachtag_Katamnesen_15_11_2016.pdf


28. Jahrestagung des Fachverbandes Glücksspielsucht (Berlin, 1./2. Dezember 2016)

Im „AutomatenMarkt“, einem bislang nicht eben für Qualitätsjournalismus bekannten Sprachrohr der Automatenglücksspiel-Industrie, lässt man gerne eine Handvoll in Diensten derselben stehender Suchttherapeuten oder „Wissenschaftler“ zu Wort kommen, die dort dann mit den aberwitzigsten Thesen reüssieren. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes hier namentlich unerwähnt bleiben soll der Urheber des dort unlängst publiziert folgenden Gedankens: „Anstatt die Zahl der Spielhallen zu reduzieren, sollte die Politik Verantwortung übernehmen und das Hilfesystem für alle Menschen zugänglich machen und genügend Mittel bereitstellen, um Bürger zu mündigen Bürgern zu machen.“ Mit derselben Berechtigung könnte der hier Ungenannte das Ende aller Tempolimits und den ersatzweisen Ausbau der Rettungsdienste fordern.

Immer wieder werden wir mit derlei durchsichtigem Lobbygerede behelligt, nicht jedoch auf der regelmäßig wichtigsten Fachtagung im Bereich Glücksspielsucht. Diesjährig ist sie den Schwerpunkten Spielerschutz und Verbraucherschutz, einem Blick hinter die Kulissen der Glücksspielwirtschaft wie auch insbesondere sehr unterschiedlichen Aspekten von Beratung, Therapie und Selbsthilfe gewidmet.

Tagungsbeitrag:  110 Euro (Tageskasse 150 Euro).
Weitere Informationen unter http://www.gluecksspielsucht.de/index.php?article_id=77


Selbsthilfekongress 2016: Entwicklungslinien der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe (Berlin, 12. Dezember 2016)

Vor dem Hintergrund erster Ergebnisse der „SHILD-Studie“ („Gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland - Entwicklungen, Wirkungen, Perspektiven“) sollen auf dem Kongress eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe vorgenommen und zentrale Fragen der Zukunft der Gesundheitsselbsthilfe sowie die damit verbundenen Herausforderungen diskutiert werden:

- Was sind die heutigen Ziele, Bedürfnisse und Bedarfe von Selbsthilfegruppen und -organisationen?
- Was erreicht die Gesundheitsselbsthilfe?
- Welche Strategien und Konzepte der Nachwuchsgewinnung der Gesundheitsselbsthilfe sind erfolgreich?
- Wie kann die Kooperation innerhalb der Selbsthilfe und mit den Akteuren des Gesundheitswesens gefördert werden?

Die Teilnahme ist kostenfrei.
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.sucht.org/termine/veranstaltungen/aktuell/inhalt/?no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=98


Informationsveranstaltungen zum KDS 3.0

In den vergangenen DHS Newslettern haben wir mehrfach auf die Einführung des neuen „Deutschen Kerndatensatzes zur Dokumentation im Bereich der Suchtkrankenhilfe 3.0“ zum 1. Januar 2017 hingewiesen. Inzwischen liegen uns hierzu mehrere Schulungstermine der GSDA GmbH vor: http://www.gsda.de/infokds3.html

Gerne veröffentlichen wir in der kommenden Zeit weitere Schulungsangebote zum KDS 3.0. Hierzu informieren Anbieter uns bitte unter brodd@dhs.de.


Prävention

Schockbilder wirken: Weniger Zigaretten verkauft

Traditionell sind besonders jene Präventionsmaßnahmen besonders wirkungsvoll, von denen Suchtmittelhersteller und Werbeindustrie behaupten, sie würden keine Effekte zeigen. Dies erleben wir nun wieder am aktuellen Beispiel der sog. „Schockbilder“ auf den Verpackungen von Tabakprodukten. Nach Einführung dieser realistischen Produktinformation wurden in Deutschland 11,3 % weniger Zigaretten versteuert als im Vorjahr, so das Statistische Bundesamt. http://www.stern.de/wirtschaft/news/warnhinweise-schrecken-ab-schockbilder--absatz-von-zigaretten-gesunken-7107140.html

„Die technische Umstellung sei sehr zeit- und kostenintensiv gewesen“, berichtet ein Herr Mücke, Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes, laut stern.de. „Lieber Herr Mücke, Sie machen sich gar kein Bild davon, wie irrelevant diese Bemerkung ist. Schließlich sind COPD, Lungenkrebs, Herzinfarkte und all die anderen Folgen des Zigarettenkonsums in einem gewissen Sinne ‚final zeitintensiv‘: nämlich tödlich.“


Tatsächlich eine Präventionskampagne, dabei wirkt es wie Alkoholwerbung

http://web.de/magazine/unterhaltung/stars/stars-internet/louise-delage-jung-attraktiv-bezaubernd-dunkles-geheimnis-31910582

Da ist es doch auch immer ganz normal, wenn alle Menschen nichts als Alkohol trinken und dabei auch noch super aussehen.


Wissenschaft

HIV: Herkunft angeblich geklärt

„Patient 0“ (Zahl) war tatsächlich „Patient O“ (Buchstabe), und das Virus ist deutlich älter, als jahrzehntelang vermutet:
http://web.de/magazine/gesundheit/forscher-ursprung-hi-virus-31982186


Rausch - Mittel - Sucht - Politik

Methadonentzug: Bayerische JVA verstößt jahrelang gegen Menschenrechte

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die nicht nur in Bayern verbreitete Praxis der Substitutionsverweigerung in JVA’s für Substituierte als Verstoß gegen die Menschenrechte verurteilt. Angesichts der bekannten Hartleibigkeit vieler Justizvollzugsanstalten in dieser Sache sind wir gespannt, ob ein solches Urteil tatsächlich zu Verbesserungen der gesundheitlichen Versorgung von Inhaftierten beiträgt oder in bisweilen geübter Selbstherrlichkeit einfach ignoriert wird.

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/methadon-methadonentzug-deutschland-verstoesst-gegen-menschenrechte-1.3144292
https://www.aidshilfe.de/meldung/schallende-ohrfeige-bayrischen-vollzug

Das ausführliche (englischsprachige) Urteil finden Sie hier http://hudoc.echr.coe.int/eng#{%22documentcollectionid2%22:[%22JUDGMENTS%22,%22DECGRANDCHAMBER%22,%22ADMISSIBILITY%22,%22ADMISSIBILITYCOM%22],%22itemid%22:[%22001-165758%22]}


Tabakerzeugnisgesetz: Verzögerungstaktik oder Beerdigung?

Im vergangenen Mai wurde der vom Kabinett gebilligte Gesetzentwurf des Tabakerzeugnisgesetzes (Verbot von Tabakwerbung) dem Bundesrat zugeleitet.  Der gab im Juni dazu seine Stellungnahme ab. Darauf folgte noch im selben Monat eine Antwort der Bundesregierung. Seitdem herrscht Funkpause. Die erste Lesung sollte ursprünglich in der letzten Sitzung vor der Sommerpause stattfinden, inoffiziell war bereits eine öffentliche Anhörung des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft im September angesetzt. Die erste Lesung wurde dann aber aufgrund heftigen Widerstands aus der Unionsfraktion kurzfristig abgesetzt. Auf Nachfragen von Parlamentariern nach einem Zeitplan für das weitere Vorgehen folgte Kryptisches: „Die weiteren parlamentarischen Beratungen werden im Ältestenrat des Deutschen Bundestages in Abstimmung mit den Fraktionen vereinbart“ (Deutscher Bundestag Drucksache 18/9341).

Viele Gesundheitsorganisationen, u.a. das Aktionsbündnis Nichtrauchen, der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit, die Bundesärztekammer, sowie die DHS haben gegen diese Strategie in Stellungnahmen, Pressemeldungen und Briefen protestiert.

http://www.abnr.de/files/legale_produkte_und_werbebeschraenkungen_07.10.2016_entwurf.pdf
http://www.aerztlicher-arbeitskreis.de/files/pm___berf__lliges_tabakwerbeverbot.pdf
http://www.bundesaerztekammer.de/presse/pressemitteilungen/news-detail/montgomery-tabakwerbeverbot-schnellstmoeglich-umsetzen/ 


Verbraucherschutz

Frauen auf dem falschen Weg

Eine umfangreiche Metaanalyse, unlängst veröffentlich im British Medical Journal, kam zu dem Schluss, dass sich der Alkoholkonsum von Männern und Frauen in den vergangenen Jahren angenähert habe:
http://bmjopen.bmj.com/content/6/10/e011827.full
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/alkohol-warum-frauen-inzwischen-wie-maenner-trinken-a-1118135.html
http://web.de/magazine/gesundheit/alkoholkonsum-frauen-trinken-aehnlich-haeufig-maenner-31978608

Tatsächlich war der Alkoholkonsum vor ca. 100 Jahren noch ein rein männliches Problem. Spätestens seit den 70er/80er Jahren sind dann auch die Frauen in epidemiologisch nennenswerter Zahl eingestiegen. Inzwischen gleichen sich beide Geschlechter, etwa in der Quote abstinent Lebender oder des riskanten Konsums zunehmend an. Je jünger, desto eindeutiger. So besteht derzeit bei den 18- bis 25-Jährigen in Deutschland noch ein Geschlechterunterschied beim Konsum riskanter Mengen: Während dies auf 16,4 % der männlichen jungen Erwachsenen zutrifft, beteiligen sich daran 12 % der jungen Frauen. Bei den 12- bis 17-Jährigen lässt sich nur noch ein minimaler Unterschied feststellen, hier konsumieren 4,6 % der Mädchen riskant, mit 4,3 % ein etwas geringerer Anteil der Jungen (lt. Drogenaffinitätsstudie 2015).

Diese Zunahme des Alkoholkonsums durch Mädchen und Frauen ist kein Zufall. Maßgeblich beteiligt sind die erfolgreichen Versuche der letzten zwei Jahrzehnte, Alkoholmischgetränke anzubieten, die den für Einsteiger und auch das weibliche Geschlecht eher unangenehmen Alkoholgeschmack durch Fruchtaromen und Zucker übertünchen. Ein Übriges tut die Werbung, die konsequent die angeblich heiterkeitsfördernden Aspekte des Suchtstoffs auch für das weibliche Geschlecht betont.


Alkoholwerbung schadet der Gesundheit

Gerade junge Menschen, an die sich Alkoholwerbung besonders richtet, schätzen diese als  unterhaltsam ein und fühlen sich am ehesten durch sie animiert, Alkohol zu trinken. Grundsätzlich nehmen Menschen mit risikoreichem Konsum häufiger Alkoholwerbung wahr. Eine Mehrheit der hierzu in der Schweiz Befragten möchte die Alkoholwerbung einschränken, auch um junge Leute besser zu schützen.

Diese Ergebnisse dieser regierungsamtlichen Untersuchung im Auftrag des Berner Bundesamtes für Gesundheit sind nicht einmal in ihrer Eindeutigkeit überraschend. Häufig wurden vergleichbare Resultate zur Suchtmittelwerbung in nationalen und internationalen Studien belegt. Viel bemerkens- und dankenswerter ist allerdings der Umstand, dass eine solche Studie durch eine nationale Regierung in Auftrag gegeben und die genannten Ergebnisse dann auch noch veröffentlich, statt unter Verschluss gehalten werden. Großer Dank also in die Schweiz. http://www.suchtschweiz.ch/aktuell/medienmitteilungen/article/alkoholwerbung-spricht-besonders-junge-menschen-an/?tx_ttnews%5BbackPid%5D=257&cHash=e29495aa083f8c0f1677e65ed9cbfbc5


Jugendhilfe

Paritätischer Gesamtverband fordert Stopp der SGB VIII-Reform

In einem Positionspapier hat der Paritätische Wohlfahrtsverband die bisherigen Arbeitsentwürfe des Bundesfamilienministeriums für die Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG) scharf kritisiert und einen Stopp bzw. einen völligen Neustart der Reform gefordert. So befürchtet der Paritätische anhand des jetzigen Planungsstandes deutliche Verschlechterungen in der Kinder- und Jugendhilfe, z.B. die Abschaffung individueller Rechtsansprüche von Eltern auf Hilfen zur Erziehung. Auch das Ziel eines inklusiven KJHG, in dem die sozialrechtlichen Zuständigkeiten für alle Kinder und Jugendlichen zusammenführt würden, sieht der Paritätische auf Grundlage der bisherigen Planungen als nicht erreichbar an. Ferner vermisst der Sozialverband die rechtliche Absicherung von präventiven Angeboten für Kinder und Jugendliche in besonders belastenden Situationen.
http://kijup-sgbviii-reform.de/wp-content/uploads/2016/07/Parit%C3%A4t_StN-SGB-VIII-Reform-Zur%C3%BCck-auf-Los_30.09.2016.pdf


Leistungs- und Kostenträger und -erbringer

Medizin vs. Suchtberatung

Unter diesem durchaus auffälligen Titel findet sich in „Dialogue“, der Zeitschrift des Blauen Kreuz Schweiz, ein kurzes, lesenswertes Interview, das die Besonderheiten hausärztlicher und psychiatrischer Behandlung und den einzigartigen Ansatz der Suchtberatung gegenüberstellt. Lesen Sie selbst: downloadDialogue


Kultur

Kulturgüter unter sich

Irgendjemand findet sich immer, der Hinweisen auf das deutsche Alkoholdrama mit der Bemerkung begegnet, der Stoff sei schließlich ein Kulturgut. Autos, auch das ist gerade in Deutschland selbstverständlich, sind ebenfalls Kulturgut. Was geschieht, wenn diese beiden wunderbaren Kulturgüter zusammenkommen, lesen Sie hier http://web.de/magazine/panorama/berlin-fussgaenger-bleibt-windschutzscheibe-betrunkenem-autofahrer-stecken-31904934.

Im Dunstkreis des Kulturgut-Gedankens taucht regelmäßig auch das Arbeitsplatz-Argument auf. Unter diesem Aspekt leidet das Opfer des tragischen Unfalls ebenso wenig vergebens wie die jährlich weit über 100.000 Alkohol- und Tabaktoten in Deutschland. Polizei, Rettungsdienst, Abschleppunternehmen, Sanitäter, Krankenschwestern, Notärzte, Versicherungsmitarbeiter, Inhaber und Angestellte von KFZ-Werkstätten und -Verwertungen, Rechtsanwälte, Richter, Bestatter und noch manche mehr wollen doch schließlich auch ihr täglich Brot verdienen.


Weltkulturerbe Chianti

Verwundert lesen wir die Kunde
http://web.de/magazine/gesundheit/italiens-lieblingswein-sucht-31903986
und fragen multikulturell: Wie wärs mit Weltkulturerbe „Afghanischer Mohn“ oder „Historisches Cannabisanbaugebiet in Marokko“?

Absurd? Na ja…


Vor 25.000 Jahren: Riesen mit Drogen verwirrt?

http://web.de/magazine/wissen/mystery/mystery-raetselhaften-dolmen-kaukasus-31990902 


Geschenke (Die Inhaltsangaben zu Sachbüchern entstammen den Verlagsbeschreibungen.)

Schroer, Struck, Wolff (Hrsg.): Handbuch Kinder- und Jugendhilfe (2. Auflage)

In seiner aktuellen, zweiten Auflage, stellt sich das Handbuch Kinder- und Jugendhilfe einem ambitionierten Anspruch: Es fasst „das gesamte Spektrum der pädagogischen, institutionellen sowie sozialpolitischen Diskussionen und Perspektiven in der Kinder- und Jugendhilfe am Anfang des 21. Jahrhunderts zusammen. Es richtet sich an alle, die sich für die Kinder- und Jugendhilfe engagieren.“
www.juventa.de
Wir verlosen ein Exemplar unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 25. November 2016 per Postkarte mitteilen. Stichwort: Handbuch
Bitte adressieren Sie an: DHS e.V., Postfach 1369, 59003 Hamm


Daiminger, Hammerschmidt, Sagebiel (Hrsg.): Gesundheit und Soziale Arbeit

Lange war Gesundheit in der Geschichte der Sozialen Arbeit ein zentraler Gegenstand und die Gesundheitsfürsorge ihr größter Arbeitsbereich. Auch heute noch sind 20 bis 25 % der Fachkräfte entweder im Sozialwesen mit gesundheitsbezogenen Aufgaben betraut oder im Gesundheitswesen tätig. Der vorliegende Band führt in das Thema ein, präsentiert Grundsachverhalte, Konzepte sowie Probleme und stellt zudem ausgewählte Praxisfelder vor.
http://www.agspak-buecher.de/Christine-Daiminger-Peter-Hammerschmidt-Juliane-Sagebiel-Hg-Gesundheit-und-Soziale-Arbeit
Wir verlosen ein Exemplar unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 25. November 2016 per Postkarte mitteilen. Stichwort: Soziale Arbeit/Gesundheit
Bitte adressieren Sie an: DHS e.V., Postfach 1369, 59003 Hamm


Die vorausgehend ausgelobten Bände „Persönlichkeitsstörungen und Sucht gingen an Sarah Huff (Meisenheim), Phung Ly (Singen) und Alexandra Reich (München). Das Buch von Tobias Effertz „Die volkswirtschaftlichen Kosten gefährlichen Konsums“ erhielt Marietta Wagner (Ahlen). Die Zeitschriften „Kinder- und Jugendschutz in Wissenschaft und Praxis“ sandten wir Karina Matthiaschk (Teterow) und Ilse Schoell-Mohr (Ansbach). „Der totale Rausch“ von Norman Ohler wurde an Diana Schalbe (Dürrröhrsdorf-Dittersbach) verlost.


Ein heiteres Gemüt auch bei schlechten Nachrichten und den Zuspruch lieber Menschen 

wünscht Ihnen

Ihr Dr. Raphael Gaßmann


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Internationale Zusammenarbeit

Die DHS steht im fachlichen Austausch mit europäischen Partnerorganisationen. Sie kooperiert mit Gremien und Dienstellen der EU und der WHO, die mit suchtrelevanten Themen beschäftigt sind sowie mit Vereinen und Verbänden auf internationaler Ebene, die gleiche oder ähnliche Aufgaben wie die DHS übernommen haben. Dabei steht besonders die Entwicklung wirksamer Strategien zur Senkung der durch Alkohol und illegale Drogen verursachten gesundheitlichen und sozialen Folgen im Mittelpunkt.

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