DHS - Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
Newsletter 1-2017  

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

erinnern Sie sich noch an 2016? Nein? Glückskind!

Gelegentlich des weihnachtlichen Todes von George Michael formulierte Madonna einen ihrer zutreffendsten Kommentare: „Can 2016 Fuck Off NOW?“ 2017 also kann sich zumindest in Westeuropa rühmen, eines der allgemein willkommensten Jahre aller Zeiten zu sein. Und für den Fall, dass es sich wider Erwarten ein schlechtes Vorbild nehmen möchte, lesen wir Mascha Kaléko. „Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond“.


Aus der DHS

Die DHS wird 70

Näheres zu diesem Anlass finden Sie auf unserer Startseite www.dhs.de. Bei Interesse klicken Sie dort bitte das DHS 70 Logo an.


DHS Sucht-Selbsthilfe Konferenz 2017

Die kommende DHS Sucht-Selbsthilfe Konferenz findet vom 21. bis 23. April 2017 in Erkner bei Berlin statt. Sie ist dem Thema „Abstinenz - Konsum - Kontrolle“ gewidmet, das schon für eine hoch interessante DHS Fachkonferenz 2016 sorgte. Merken Sie sich den Termin bei Interesse schon einmal vor, die Veranstaltung wird absehbar schnell ausgebucht sein.
Detaillierte Informationen zum Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung folgen im kommenden Newsletter.


DHS Fachkonferenz SUCHT 2017

Die diesjährige DHS Fachkonferenz SUCHT findet vom 9. bis 11. Oktober 2017 in Essen statt. Unter dem Titel „Sucht und andere Probleme“ wird sie die vielfältigen Problemlagen der Abhängigkeit beleuchten. Detaillierte Informationen auch hierzu demnächst in unserem Newsletter.


Medikamentenabhängigkeit: DHS schließt Informationslücke

Die Abhängigkeit von Medikamenten mit Suchtpotenzial wird wenig beachtet. Viele Menschen sind erstaunt, dass allein in Deutschland mindestens 1,5 Mio. Menschen arzneimittelabhängig sind.

Die von der DHS gemeinsam mit der BARMER herausgegebene Broschüre „Medikamentenabhängigkeit - Informationen und Hilfen“ bietet Interessierten und Betroffenen umfassende Informationen vor allem zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln sowie Schmerzmitteln. Alternativen zum Medikamentenmissbrauch und Hilfemöglichkeiten werden ebenfalls aufgezeigt.

Die Broschüre können Sie bei der DHS unter http://www.dhs.de/nc/informationsmaterial/bestellung.html kostenfrei bestellen.

Unter http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/MedikAbhaengigkeit_BARMER_GEK.pdf steht sie zum Download bereit.

Weitere Informationen und Broschüren zum Thema finden Sie auf unserer Internetseite www.medikamente-und-sucht.de.


DHS Internetseite „alkoholfrei - rückfallfrei“ und „Abstinenzkarte“

Die Vermeidung eines Rückfalls ist für abstinente Alkoholabhängige von großer Bedeutung. Deshalb hat die DHS mit finanzieller Unterstützung des BKK Dachverbandes eine Internetseite entwickelt, die genau das kann: Betroffene mit Hinweisen und Ratschlägen unterstützen, die ihnen helfen, alkoholfrei zu sein.  Die Internetseite www.alkoholrueckfall.de hält Informationen, konkrete Handlungsvorschläge und anregende Texte rund um das Thema Alkoholrückfall bereit. Daneben gibt es viele Inhalte, die zum Mitmachen einladen.

Neben diesem Online-Angebot will eine Abstinenzkarte in Papierform Betroffene unterstützen. Die scheckkartengroße Karte passt bequem in Hosentasche oder Portemonnaie - sie kann also immer dabei sein. In ihr sind wichtige Inhalte zum Schutz der Abstinenz zusammengefasst. Nutzerinnen und Nutzer können außerdem eigene Eintragungen vornehmen, die z.B. an die eigene Motivation für ein abstinentes Leben erinnern. Die Abstinenzkarte steht auf www.alkoholrueckfall.de/notfall zum Download bereit. Außerdem erhalten Sie gedruckte Exemplare über info@dhs.de.


Aktionswoche Alkohol 2017 – Neue Website, neue Materialien, Schwerpunktthema Verkehr

www.aktionswoche-alkohol.de in neuem Erscheinungsbild – Anmeldungen  ab sofort möglich!

Mit großen Schritten geht es auf die 6. Aktionswoche Alkohol zu, die vom 13. bis 21. Mai 2017 stattfindet. Wieder werden sich unzählige Freiwillige und Engagierte mit Veranstaltungen beteiligen und über die Risiken des Alkoholkonsums informieren.

Erstmals widmet sich die Aktionswoche Alkohol einem Schwerpunktthema: „Kein Alkohol unterwegs!“. Wer mit Alkohol im Blut unterwegs ist, kann sich selbst schaden und gefährdet andere. Dies gilt vor allem und uneingeschränkt für das selbstständige Führen eines Verkehrsmittels. Und auch im  öffentlichen Personenverkehr sollen Mitreisende berücksichtigt und allen eine sichere, angenehme Reise ermöglicht werden.

Die zentrale Informationsplattform www.aktionswoche-alkohol.de erscheint ab sofort im neuen Design und mit kompakten Infos rund um die Aktionswoche. Die Informationen für Veranstalter wurden ausgeweitet und die Seite wurde für mobile Ansichten auf Smartphones und Tablets angepasst.

Veranstaltungen zur Aktionswoche Alkohol können Sie ab sofort in der Rubrik „Für Veranstalter“ anmelden. Sie sind herzlich aufgerufen, mitzumachen.

Auch dieses Mal wird die DHS (ab März 2017) den Veranstaltern wieder zahlreiche Materialien kostenlos zur Verfügung stellen, die Sie im Rahmen ihrer Aktion einsetzen können. Dazu zählen u.a. bewährte Broschüren, wie „Alles o.k. mit Alkohol?“, Factsheets, das Faltblatt „Alkohol und Gesundheit? Weniger ist besser!“ sowie  Haftnotizzettel mit dem Aktionswochen-Logo. Natürlich dürfen auch Plakate in unterschiedlichen Formaten sowie die bewährte Z-Card mit einem Selbsttest nicht fehlen. Für den Themenschwerpunkt „Kein Alkohol unterwegs!“ werden Hosen-Schnappbänder zum Fahrradfahren sowie Parkscheiben für Autos im Kampagnen-Design produziert.

Alle gemeldeten Veranstalter der Aktionswoche Alkohol können die Materialien über die Homepage www.aktionswoche-alkohol.de ab März 2017 kostenfrei bestellen.

Ebenso besteht bereits die Möglichkeit, die Logos der Aktionswoche für die eigene Öffentlichkeitsarbeit herunterzuladen (Rubrik „Für Veranstalter“). Auch Anzeigen für Ihre Printmaterialien und Internetbanner stehen zum Download zur Verfügung.

Die Veranstalter dieser Aktionswoche können diese Plattform nutzen, um  gemeinsam mit Verkehrsbetrieben, Fahrschulen, der Verkehrswacht sowie Fahrrad- oder Automobilclubs Aktionen durchzuführen, die auf die Alkoholgefahren im Straßenverkehr, in der Luft und zu Wasser aufmerksam machen.

Ein Blick lohnt auch auf unsere Facebook-Seite:

Unter www.facebook.com/aktionswochealkohol können sich Veranstalter und Interessierte zusätzlich über Neuigkeiten zur Aktionswoche informieren sowie Fragen und Kommentare zum Thema Alkohol posten.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!


Suchthilfe / Selbsthilfe

Suchthilfe-Nottelefon der Guttempler in Schleswig-Holstein: schon seit 15 Jahren

Rund 30 Ehrenamtliche bieten über die zentrale Rufnummer 01805-982855 an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr Hilfe für Menschen mit Suchtproblemen und deren Angehörige. Insbesondere in den Nachtstunden und an Wochenenden ist diese Notfall-Nummer ein wichtiges Hilfsangebot, das nicht nur zu akuten Notsituationen berät, sondern auch Hilfemöglichkeiten vor Ort aufzeigt - sowohl in der Sucht-Selbsthilfe als auch in den anderen Hilfebereichen.


Veröffentlichungen: Druck & TV

Bundesteilhabegesetz

Kurz vor Verabschiedung dieses Gesetzes am 16. Dezember 2016 veröffentlichte der Gesamtverband für Suchthilfe seinen Infodienst PARTNERschaftlich mit einer entsprechenden Themennummer. Das Heft steht zum Download unter www.sucht.org/fileadmin/user_upload/Service/Publikationen/Partnerschaftlich/2016/PS_03-16.pdf.


Ergebnisse der „Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD)“ 2015 veröffentlicht

Mit der „Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD)“ liegt eine international vergleichende Wiederholungsstudie vor, die Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren befragt. 2015 wurden über 96.000 Schüler/-innen aus 35 Ländern (diesmal ohne Deutschland) in die Studie einbezogen. Es wird ein Rückgang beim Rauchen und Alkohol trinken verzeichnet. Sehr bedenklich sind weiterhin die Konsumprävalenzen der „Neuen psychoaktiven Substanzen“ sowie die Entwicklungen pathologischer Verhaltensweisen (Glücksspiel, Internet- und Computerspielnutzung). Der Gebrauch illegaler Substanzen stagniert auf hohem Niveau. Die Ergebnisse können Sie englischsprachig einsehen unter www.espad.org.


TV-Tipp: Volksdroge Alkohol - der legale Rausch

Im Ankündigungstext zu dieser Folge der Sendereihe Zoom erklärt das ZDF vollmundig: „Die ‚zoom‘-Reporter decken auf, stellen unbequeme Fragen, lassen nicht locker. Wer trägt die Verantwortung, und was lässt sich künftig besser machen? Die Reporter liefern neue Zusammenhänge, recherchieren auch undercover. Sie gehen den Dingen auf den Grund, reden mit Betroffenen, spüren die Verantwortlichen auf.“Sendetermin: Mittwoch, 22. Februar 2017, 23.05 bis 23.35 Uhr


Ausschreibungen

Projektmanager/-in, Vollzeit und unbefristet

Die Hessische Landesstelle für Suchtfragen sucht für ihre Geschäftsstelle in Frankfurt am Main zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/-n Projektmanager (m/w).
Nähere Informationen zu der unbefristeten Vollzeitstelle finden Sie hier: http://www.hls-online.org/ueber-uns/stellenangebote/projektmanager-mw/.


Suchtreferent/-in

Zum 1. Februar 2017 schreibt der BKE Bundesverband diese Teilzeitstelle aus. www.bke-suchtselbsthilfe.de/organisation/organisation/stellengesuch.


Projektmitarbeiter/-in, 80 %

Für die Umsetzung von Projekten im Themenbereich Hepatitis C und Schadensminderung sucht infodrog in Bern ab 1. April 2017 eine/-n wissenschaftliche/-n Mitarbeiter/-in.Das Stelleninserat mit allen Informationen finden Sie unter www.infodrog.ch/tl_files/templates/InfoDrog/user_upload/organisation_de/Annonce%20wissMA_2017.pdf.


Evaluation zum neuen NPS-Gesetz

Das Bundesministerium für Gesundheit hat hierzu eine Bekanntmachung veröffentlicht:

 „Evaluation zu den Auswirkungen des Gesetzes zur Bekämpfung der Verbreitung neuer psychoaktiver Stoffe (NpSG)“ veröffentlicht, die Sie unter folgendem Link finden:
http://www.bund.de/IMPORTE/Ausschreibungen/editor/Bundesministerium-fuer-Gesundheit/2017/01/1817915.html?nn=4641482&type=0&searchResult=true&templateQueryString=evaluation.

Abgabetermin ist der 5. März 2017


Prävention

Deutschland schaffts nicht, Schottland machts: Rauchverbot in Autos mit Kindern

In Anwesenheit von Kindern ist das Rauchen in Kraftfahrzeugen in Schottland nunmehr verboten. Es spricht nicht eben für den ungebremsten Fortschritt der Menschheit, dass nach wie vor Erwachsene ihre eigenen Zöglinge mit Tabakrauch belästigen und gefährden. So muss also ein Gesetz her: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/71818/Schottland-verbietet-Rauchen-im-Auto-in-Anwesenheit-von-Kindern

Es spricht auch nicht für den Fortschritt der deutschen Gesundheitspolitik, dass eben dies hier nicht möglich scheint. https://www.bussgeldkatalog.org/rauchverbot-im-auto/

Aber das kennen wir ja bereits von der Forderung nach konsequentem Alkohol-Jugendschutz ab 18: www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/dhs_stellungnahmen/KeinAlkoholUnter18.pdf.


Rausch - Mittel - Sucht - Politik

Bundestag erstmals einstimmig zu Cannabis: Künftig verschreibungsfähig

Als unlängst in den USA ein Horrorclown zum Präsidenten gemacht wurde, entschieden die Wähler in mehreren Bundesstaaten auch die Freigabe von Cannabis als Medizin (Arkansas, Florida und North Dakota; generelle Freigabe in Kalifornien, Massachusetts und Nevada). Deutschland wird diesem Beispiel nunmehr folgen, und zwar in seltener Einmütigkeit.

Gerade jeder Aspekt der Cannabis-Diskussion erzeugte im Bundestag bislang zuverlässig politischen Dissens der unerfreulichsten Art. Tatsächlich historisch am jüngsten Gesetzentwurf ist daher nicht nur sein Inhalt, sondern der Konsens des Hohen Hauses. Und hoffentlich ein gutes Zeichen für die Zukunft.
https://web.de/magazine/gesundheit/bundestag-beschliesst-einstimmig-freigabe-cannabis-rezept-32124862


Amtsgericht macht schwerkranken Cannabiskonsumenten: so richtig fertig!

Der Verurteilte besitzt eine der bislang seltenen behördlichen Erlaubnisse, unter ärztlicher Kontrolle Marihuana gegen die Auswirkungen seines Tourette-Syndroms zu konsumieren. Da er sich die erforderliche Menge Hanf jedoch zu Apothekenpreisen nicht leisten konnte und seine Krankenkasse die Kosten nicht übernahm, baute er den medizinischen Eigenbedarf selber an. Dafür, so eine außer Rand und Band geratene Kammer des Amtsgerichts Schleswig, im juristischen Borderline, wurde er gegen Ende des vergangenen Jahres zu einer Haftstrafe verurteilt. Ohne Bewährung. Selbstverständlich versuchte das Gericht außerdem, den Beklagten auch finanziell weiter zu ruinieren. http://www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/keine-gnade-fuer-kranken-joint-raucher-id15319601.html

Es steht zu hoffen, dass der aktuelle Gesetzentwurf zur Cannabis-Medizin solch totalitärer Hexenverfolgung ein Ende bereitet.


Tabakwerbeverbot

Der Regierungsentwurf zum Verbot von Außen- und Kinowerbung für Tabakprodukte wurde unlängst „auf Eis gelegt“. Wie, warum, bis wann: Kein Kommentar. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, fordert die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf, den Regierungsentwurf umgehend positiv zu bescheiden: „Wirtschaftsinteressen dürfen nicht vor Jugendschutz gehen“. http://www.bundesaerztekammer.de/presse/pressemitteilungen/news-detail/montgomery-wirtschaftspolitik-darf-nicht-vor-jugendschutz-gehen/

Deutschland ist übrigens das einzige Land in der EU, das Angriffe auf die eigene Bevölkerung durch Tabakaußenwerbung noch uneingeschränkt erlaubt (https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/Tabakwerbung_und_Sponsoring.html). Wie, warum, bis wann: Kein Kommentar.


Untersuchung in der Schweiz: Parteien vertreten Positionen der Tabakindustrie

Unlängst wurde eine Medienanalyse des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich vorgestellt. Interessante Erkenntnisse en masse: „Exponenten von bürgerlichen Parteien […/agieren] stellvertretend für die eher resonanzschwachen Tabakkonzerne. Sie vertreten die Positionen der Industrie in der Medienöffentlichkeit“. Einzig beim Jugendschutz bestünde breiter Konsens. Sogar die Tabakindustrie befürwortet öffentlich (wirkungsarme) Jugendschutzmaßnahmen. Die Autoren kommen zu dem Schluss, der Jugendschutz sei, „wenn man so will, ‚Komfortzone‘ für die Präventionsakteure“. http://www.spectra-online.ch/spectra/themen/lexponenten-von-buergerlichen-parteien-vertreten-die-positionen-der-tabakindustrie-in-der-medienoeffentlichkeit-r-529-10.html

Die Untersuchung stammt aus der Schweiz und trifft selbstredend keine Aussagen über Deutschland.


Alkohol: Die geschützte Droge

Deutschland ist eine der führenden Alkoholnationen der Welt. So ziemlich alles Denkbare wird landauf landab unternommen (und zugelassen), damit möglichst viele Menschen möglichst früh beginnen, möglichst viel Alkohol zu trinken und davon möglichst nie wieder loskommen. „Warum unternimmt die Politik nicht mehr dagegen, sondern schützt Alkohol geradezu?“ fragte der Deutschlandfunk unlängst in einem lesenswerten Essay.

www.deutschlandfunk.de/alkohol-die-geschuetzte-droge.724.de.html


UNODC: World Drug Report 2016 veröffentlicht

Der aktuelle Jahresbericht „World Drug Report 2016“ des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (englisch: United Nations Office on Drugs and Crime, UNODC) ist im Internet unter https://www.unodc.org/wdr2016 verfügbar.

Vertrat das UNODC in der Vergangenheit häufig eine extrem repressive, ideologische Haltung zur Drogenpolitik, so lesen sich die im aktuellen Report verfassten Schlussfolgerungen und Ableitungen für die Politik wie ein deutlich differenzierterer Blick auf die Realitäten.

So wird unter anderem die Bedeutung des Zusammenwirkens von Entwicklungspolitik und drogenpolitischen Strategien hervorgehoben. Die Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit (Gleichbehandlung, Anrecht auf einen Prozess) seien überall zu gewährleisten, so die Autoren. Die aus Sicht der DHS längst überfällige Entstigmatisierung Abhängigkeitskranker wird ebenso eingefordert wie Therapie als Alternative zum Strafvollzug. Abhängigen in Institutionen des Strafvollzugs dürften zentrale und überlebenssichernde Maßnahmen der Gesundheitsversorgung und der Suchtbehandlung nicht vorenthalten werden. Dazu zählen Substitutionsbehandlung und Präventionsprogramme zur Verhinderung von Überdosierungen noch vor Entlassung aus der Haft. Hinsichtlich der tiefgreifenden Änderungen der Cannabispolitik in einigen Ländern und Regionen spricht sich das UNODC für ein Monitoring der Auswirkungen von Politikveränderungen aus. Zugleich empfiehlt es, das Angebot spezifischer und wissenschaftlich gesicherter Präventions- und Therapiemaßnahmen auszuweiten.


Leistungs- und Kostenträger und -erbringer

Ein Gespenst geht um in Deutschland: Suchthilfeeinrichtungen schließen

Die Zahl der Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung ist seit vielen Jahren unverändert, die volkswirtschaftlichen Kosten und die gesellschaftlichen Folgen sind enorm und der Behandlungsbedarf weiterhin hoch. Dennoch häufen sich seit rund fünf Jahren Schließungen, Bettenreduzierungen und Zusammenlegungen von Suchtreha-Einrichtungen.

2013 bis 2016 hat beispielsweise der Bundesverband für stationäre Suchtkrankenhilfe (buss) 15 Mitgliedseinrichtungen mit rund 700 Behandlungsplätzen verloren. Das ist ein größerer Verlust als 1997 in der sogenannten „Rehakrise“ in Folge des Wachstums- und Beschäftigungsförderungsgesetzes (WFG). Der Gesamtverband für Suchthilfe (GVS) Fachverband der Diakonie Deutschland ist ebenfalls durch Klinikschließungen (etwa 200 Behandlungsplätze) in den letzten drei Jahren betroffen. Eine ähnlich dramatische Situation hat es im knapp 60-jährigen Bestehen des GVS nicht gegeben. Lesen Sie mehr: https://www.konturen.de/titelthema/titelthema-2-2016-suchtrehabilitation/ein-gespenst-geht-um-in-deutschland/


Asklepios-Kliniken: „Der kranke Konzern“

Zu Ende des vergangenen Jahres (und online leider kostenpflichtig http://www.spiegel.de/spiegel/asklepios-klinikkonzern-der-kranke-konzern-a-1126679.html)  veröffentlichte Der Spiegel eine kenntnisreiche Analyse der Zustände im Asklepios-Konzern. Die Fachkliniken seien in ihrer „Kombination aus sozialistischer Planwirtschaft und Turbokapitalismus“ gefährliche Orte gleichermaßen für Patientinnen und Patienten sowie Angestellte. Die Autorinnen analysieren ganz nebenbei den Hintergrund der Misere: „Asklepios ist auch ein Sinnbild für das Versagen der Gesundheitspolitik“ in Bund, Ländern und nicht zuletzt und diesem Fall: Hamburg. Die Verkaufsmodalitäten der bis 2004 öffentlichen Hamburger Krankenhäuser an Asklepios wirken wie der überaus gelungene Versuch des Senats, der Öffentlichkeit zum Nutzen eines Privatunternehmers größtmöglichen Schaden zuzufügen. Sehr clever gemacht!


Waterland, MEDIAN und AHG: Perfekte Wertschöpfungskette im Suchtbusiness

„Waterland“ zählt zu den meist als „Heuschrecken“ bezeichneten privaten Gelddruckmaschinen, deren Geschäftsmodell der zeit- und kostenoptimierten Ausbeutung von Mensch, Umwelt, Gesellschaft und Material seit etwa 15 Jahren schon deshalb als weitgehend erwünscht gelten muss, da ihnen staatlicherseits kaum ein steuertechnischer Riegel vorgeschoben wird. Eher im Gegenteil.

Im Jahr 2008 erwarb Waterland einen großen Spielhallenbetreiber in Deutschland und verfolgte damit das „Ziel, das Wachstum der Gruppe weiterzutreiben und die Marktposition des Unternehmens als hochprofessioneller Anbieter im Bereich des Glücksspiels weiter auszubauen.“ (http://waterland.nu/de/companydetail/21)

Und 2014 erwarb Waterland die Mehrheitsbeteiligung an den MEDIAN Kliniken (von anderen „Heuschrecken“) (http://waterland.nu/de/news/waterland-erwirbt-klinikbetreiber-median-kliniken). MEDIAN wiederum kaufte im vergangenen Jahr 45 Kliniken, Therapiezentren und Wiedereingliederungseinrichtungen der AHG Allgemeine Hospitalgesellschaft AG. „MEDIAN und AHG sind eine perfekte Verbindung“, so ein gewisser Herr Schmidt, CEO von MEDIAN http://www.presseportal.de/pm/78645/3391277). Da hat er recht, der feine Herr Schmidt.

Zum Freitag, den 13. Januar 2017, war MEDIAN Ziel bundesweiter Protestaktionen gegen Arbeitnehmerfeindlichkeit: 
http://www.westfalen-blatt.de/OWL/Lokales/Kreis-Minden-Luebbecke/Bad-Oeynhausen/2661122-Verein-Arbeitsunrecht-kritisiert-Umgang-mit-Beschaeftigten-Protest-gegen-Median-Gruppe


Wissenschaft

Schon wieder spektakuläre wissenschaftliche Erkenntnis: Alkohol und Cannabis wirken unterschiedlich

Wie wirken sich Alkohol bzw. Cannabis auf die Aggressionsbereitschaft der Konsumierenden aus? Seit vielen Jahrzehnten, wenn nicht gar Jahrhunderten, ist die Menschheit in dieser Frage ratlos. Zu unserem Glück hat sich endlich die Spitzenforschung des Themas angenommen - und bereichert die allgemeine Drogendiskussion nun mit überraschenden Erkenntnissen: Alkohol fördert aggressives Verhalten, Cannabis mindert es!!!

Tatsächlich? Noch können wir es nicht glauben und befürworten daher dringend weitere Forschung in dieser Frage. Und auch die Wissenschaftler melden noch Erkenntnisinteressen an: Es sei „anzunehmen, dass nicht alle Menschen in gleicher Weise auf Alkohol und Cannabis reagieren“.

Das wird ja immer spektakulärer! Auf auf, ihr darbenden Doktoren: frisch ans Werk und munter losgeforscht.
http://www.drugcom.de/aktuelles-aus-drogenforschung-und-drogenpolitik/alkohol-foerdert-aggressives-verhalten-cannabis-mindert-es/


Kultur

Essstörungsindustrie: Lügen haben keine Bäuche

Eine gewisse Anna Victoria ist, ausweislich ihrer Webseite (www.annavictoria.com), Teil der Essstörungsindustrie. Mit unwahren Bildern von sich selbst betreibt sie Propaganda für ihr Körperformprogramm, das angeblich geeignet ist, aus runden jungen Frauen schlanke, und aus schlanken jungen Frauen magere zu machen. Am Ende dieser Spirale des Hungerns werden aus mageren jungen Frauen Tote. Unlängst wurde Anna Victoria gerühmt, ein durch Bildbearbeitung samt "Einbau" eines Fremdbauches gefälschtes Werbefoto ihrer selbst mit einem Abbild der eigenen körperlichen Wirklichkeit konfrontiert zu haben.
https://web.de/magazine/unterhaltung/lifestyle/anna-victoria-zeigt-instagram-koerper-aussieht-wichtige-botschaft-32124458

Erstaunt erlauben wir uns die altmodische Frage, was daran löblich sein soll, sich selbst der Körperlüge zu bezichtigen, dabei scheinheilig aufzufordern, den eigenen Körper zu akzeptieren wie er ist - und unterdessen rotzdreist das Lügen fortzusetzen. Vielmehr schaut es aus, als würde hier eine schwere Charakterdeformation zur Heldentat verklärt.


Konzertabsage

Wir leben offensichtlich in einer Zeit, in der schwerste psychische Schädigungen die offenkundig widerwärtigsten Menschen präsidiabel machen. Einer dieser Persönlichkeitsgestörten terrorisiert im Amt des Staatschefs derzeit die Philippinen. Aus Protest gegen die Ermordung tausender angeblicher Drogenkonsumenten und -händler durch den Menschenschlächter Duterte hat James Taylor unlängst ein Konzert auf den Philippinen abgesagt.

https://www.welt.de/newsticker/news1/article160484647/US-Musiker-James-Taylor-sagt-Konzert-in-Manila-wegen-Dutertes-Drogenkrieg-ab.html

https://web.de/magazine/politik/philippinen-rodrigo-duterte-bruestet-toetung-mutmasslicher-krimineller-32060620


Aus aller Welt

Trauriger Wettbewerb

Wenn wir von der deutschen Alkoholflut berichten, wird uns bisweilen die aberwitzige Situation in der Russischen Föderation entgegen gehalten. Und tatsächlich wütet der Alkohol und seine Industrie dort noch einmal schlimmer als hierzulande. https://web.de/magazine/panorama/50-menschen-sibirien-verzehr-badezusatz-gestorben-32076658

Doch schlimmer geht immer. Aber was bedeutet das? Außer, dass wir langsam anfangen sollten, zumindest eine solche Zukunft für Deutschland zu verhindern.


Geschenke

Christian Kreiß: Werbung - Nein Danke: Warum wir ohne Werbung viel besser leben könnten

Die meisten Fernsehsender, die meisten Zeitschriften, die meisten Internetseiten und längst auch die meisten Radioprogramme dienen ganz überwiegend der Erzielung von Gewinnen durch den Verkauf von Werbeplätzen. Das nur selten mehr, meist weniger „journalistische“ oder „kulturelle“ Programm wird veranstaltet, um uns Konsument/-innen an die Werbung heranzuführen. Dabei ist Werbung Desinformation und Propaganda für Waren und Dienstleistungen, die zu kaufen uns ohne Werbung kaum in den Sinn gekommen wäre. Zudem ist sie die wohl weltweit penetrierendste und umfassendste akustische wie optische Belästigung und Umweltverschmutzung. Sehen Sie hier ein Beispiel, wie die Welt schöner wäre: http://www.sueddeutsche.de/panorama/grossbritannien-katzenbilder-statt-werbung-in-der-londoner-u-bahn-1.3159701

Der Autor des Bandes macht anhand vieler Beispiele die Schädlichkeit kommerzieller Werbung deutlich - aus gesellschaftlicher wie auch gesamtwirtschaftlicher Sicht.
http://www.europa-verlag.com/buecher/werbung-nein-danke/

Er zeigt eindrücklich, wie gerade Kinder und Jugendliche mit Alkohol-, Zigaretten- und Lebensmittelwerbung zu selbstschädigendem Verhalten motiviert werden und dokumentiert ganz nebenbei, wie ZAW, der Lobbyverband der Werbeindustrie (jährliche Kosten für Werbung: über 25 Mrd. €), lügt bzw. fälscht, wenn es um Werbung für Werbung geht. Seiner Meinung nach. Und er zeigt detailliert, wie der Spuk beendet werden kann, im Kleinen und im Großen.

Wir verlosen drei Exemplare dieses eindrucksvollen Bandes unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 10. Februar per Postkarte mitteilen (Stichwort: Nein Danke). Bitte adressieren Sie an DHS e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm.


SuchtMagazin

In ihrer aktuellen Ausgabe 6/2016 befasst sich die Zeitschrift mit der Frage, ob Sucht ein medizinisches oder ein soziales Problem sei. Sie plädiert kenntnisreich für eine Soziale Arbeit als zentrale Profession der Suchthilfe, „die sich Gehör verschaffen kann und die Behandlungen anbietet, die ihrer Zuständigkeit entsprechen“. Außerdem wird u.a. die Weiterentwicklung des „Motivational Interviewing“ zu dessen nunmehr „30. Geburtstag“ dargestellt und erläutert. http://www.suchtmagazin.ch/

http://www.infoset.ch/webserv/webmod/getnewsletter.cfm?id=1967

Wir verlosen drei Exemplare unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 10. Februar per Postkarte mitteilen (Stichwort: SuchtMagazin).


Deutscher Verein (Hrsg.) - Das Lexikon der Sozialen Arbeit (8. Aufl.)

Das mit langer Tradition vom Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. herausgegebene Fachlexikon vereint Beiträge von rund 650 Autorinnen und Autoren, die sich anschicken, „den neuesten Stand der Entwicklungen und Diskurse in der Sozialen Arbeit, der Sozialpolitik, des Sozialrechts und den Bezugswissenschaften“ darzustellen.
http://www.nomos-shop.de/trefferListe.aspx?q=fachlexikon+der+sozialen+arbeit&action=search&page=0

Wir verlosen ein Exemplar des umfangreichen Nachschlagewerks unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 10. Februar per Postkarte mitteilen (Stichwort: Lexikon). Bitte adressieren Sie an DHS e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm.


George Michael - Songs from the last century

Eines seiner schönsten Alben veröffentlichte George Michael 1999 als Willkommensgruß für das neue Jahrtausend.  Wir verlosen diese CD voller gelungener Cover der Popgeschichte unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 10. Februar per Postkarte mitteilen (Stichwort: 25.12.). Bitte adressieren Sie an DHS e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm.


Das vorausgehend ausgelobte „Handbuch Kinder- und Jugendhilfe“ ging an Petra Helsper (Erding). Christine Bornmann-Hosseinzadeh (Kassel) erhielt das Buch „Gesundheit und Soziale Arbeit“. Herzlichen Glückwunsch.


Und zum neuen Jahr (um dies ein letztes Mal anzusprechen) veröffentlichte die TAZ einen ganz wunderbaren Lesertext, den Sie hier http://blogs.taz.de/hausblog/files/2016/12/taz_2016_12_24.pdf im handschriftlichen Original sowie downloadhier in Maschinenschrift finden. Das Lesen lohnt - versprochen. Und falls das alles wider Erwarten wenig Früchte tragen sollte,

wünscht Ihnen guten Mut auch in mäßiger Zeit

Ihr Dr. Raphael Gaßmann


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Internationale Zusammenarbeit

Die DHS steht im fachlichen Austausch mit europäischen Partnerorganisationen. Sie kooperiert mit Gremien und Dienstellen der EU und der WHO, die mit suchtrelevanten Themen beschäftigt sind sowie mit Vereinen und Verbänden auf internationaler Ebene, die gleiche oder ähnliche Aufgaben wie die DHS übernommen haben. Dabei steht besonders die Entwicklung wirksamer Strategien zur Senkung der durch Alkohol und illegale Drogen verursachten gesundheitlichen und sozialen Folgen im Mittelpunkt.

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