DHS - Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
Newsletter 2-2013  

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

stört Sie diese Auftragsforschung auch? Unablässig finanzieren Alkoholproduzenten Studien, die positive gesundheitliche Wirkungen ihrer Produkte belegen. Sollen. Gerade die Weinindustrie bohrt beständig dieses dünne Brett. Und so glauben viele, gerade Rotwein sei gesund. Irgendwie. Oder wollen es glauben. Stand doch auch in irgend so einem Ärzteblatt. Ein neuer Versuch widmet sich jetzt dem Image von Weißwein. Wurde ja auch höchste Zeit:
http://extranet.medical-tribune.de/volltext/PDF/2013/MT_Deutschland/05_mtd/MTD_05_S08-09.pdf

Das Zellgift als Gesundbrunnen? Nun ja, Autofahren ist auch gesund – wenn man nach einer Panne schieben muss. Und an die Übung von Konzentration, Reaktion und Koordination am Steuer denkt. Und daran, dass der Gang zum Auto oft bei Tageslicht und unter freiem Himmel stattfindet (Vitamin-D-Bildung!), die Pflege des Wagens körperlich ertüchtigt, und so weiter… Fahren Sie mehr Auto, trinken Sie mehr Alkohol – schon Ihrer Gesundheit zuliebe. Und wenn Sie beides, gerne auch in höchster Dosis kombinieren, sinkt die Wahrscheinlichkeit, an Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, COPD oder HIV zu versterben, dra-ma-tisch! Studien beweisen das, wirklich.

Daneben gibt es natürlich noch einige andere ganz normale, selbstverständliche, tägliche, unvermeidliche, toxikologische und epidemiologische Alkoholwirkungen: www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,890660,00.html


 

 

 

Inhalt

Dieser Newsletter informiert Sie über folgende Themen:

  • Aus der DHS
  • Veranstaltungen
  • Ausschreibungen
  • Veröffentlichungen: Druck & Internet (und Telefonberatung)
  • Rausch - Sucht - Mittel - Politik
  • Kultur und Sport
  • Verbraucherschutz
  • Geschenke

Aus der DHS

Aktionswoche Alkohol 2013: Bestellformular online - Versand seit dem 19. April

Keine Aktionswoche Alkohol ohne Materialien: Das Bestellformular steht nunmehr unter dem Menüpunkt „Materialbestellung“ online (http://www.aktionswoche-alkohol.de/fuer-veranstalter/material-bestellen.html). Hier können Sie u.a. die Z-Cards , dieses Mal mit 10 häufig gestellten Fragen zum Alkoholkonsum, Poster in zwei verschiedenen Formaten und Motiven sowie Broschüren und Flyer rund um das Thema Alkoholkonsum bestellen. Ganz neu sind dieses Mal Haftnotizblöcke im Aktionswochen-Design. Hiervon können bis zu 100 Stück pro Veranstalter bestellt werden.  Es werden - wie immer - alle Bestellungen von registrierten Veranstaltern der Aktionswoche Alkohol 2013 berücksichtigt. Die Auslieferung erfolgt seit dem 19. April.
Ergänzend können Sie unter www.dhs.de weitere Informationsmaterialien bestellen (http://www.dhs.de/informationsmaterial/broschueren-und-faltblaetter.html).
Um den rechtzeitigen Eingang der Materialien zu Ihrer Aktion gewährleisten zu können, bitten wir um eine möglichst frühzeitige Bestellung.


10 gute Gründe für Selbsthilfe

Sie möchten als Selbsthilfeverband oder -gruppe, als Beratungsstelle oder Mitarbeiter/in einer Fachklinik oder eines psychiatrischen Krankenhauses Menschen mit riskantem Konsum oder Abhängigkeit von Alkohol motivieren, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen? Ihr Ziel ist es, Klienten oder Betroffene zu ermutigen, mit der Unterstützung einer Selbsthilfegruppe das eigene riskante Verhalten mit Alkohol oder anderen Suchtmitteln zu verändern?

„10 gute Gründe für den Besuch einer Selbsthilfegruppe“ ist die neue Selbsthilfebroschüre der DHS, herausgegeben mit Unterstützung der DAK. Der Flyer informiert in kurzer und verständlicher Form über die positiven Wirkungen von Selbsthilfe. Die Broschüre soll Menschen mit einem Missbrauchs- oder Suchtproblem Mut machen, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen, und kann kostenlos (auch in größerer Stückzahl) unter http://www.dhs.de/informationsmaterial/bestellung.html bestellt werden.


Medikamentenabhängigkeit: Zwei DHS Neuerscheinungen

Zum DHS-Schwerpunktthema „Medikamentenabhängigkeit“ versenden wir aktuell die druckfrischen Neuauflagen für die Sucht-Selbsthilfe, für Betroffene, Angehörige und andere Interessierte. Mit Unterstützung der BKK haben wir das bisherige Handbuch „Nicht mehr alles schlucken…“ von Grund auf überarbeitet und aktualisiert. Der neue Titel lautet: „Gemeinsam mehr erreichen. Frauen.Medikamente.Selbsthilfe.“. Das Handbuch gibt umfassende Informationen über Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial und ihre Wirkungen. Und es gibt Anregungen und Hilfestellung bei der Gründung einer Selbsthilfegruppe für betroffene Frauen. Darüber hinaus finden die Leserinnen viele Hinweise zur Vermeidung und Bewältigung von Stress und Belastungen (ganz ohne Medikamente), die gerade Frauen dazu verleiten, Medikamente zu missbrauchen. Ein Serviceteil gibt Literaturtipps und Kontakt- und Bezugsadressen.

Die gründlich überarbeitete Neuauflage von „Immer mit der Ruhe… Nutzen und Risiken von Schlaf- und Beruhigungsmitteln“ ist eine wichtige Basisinformation zu den gängigsten Medikamenten mit Abhängigkeitspotenzial.
Die Broschüren können Sie kostenlos unter http://www.dhs.de/informationsmaterial/bestellung.html bestellen.


 

Veranstaltungen

18. Suchttherapietage (Hamburg, 21.-24. Mai 2013)

Im Mittelpunkt der 18. Hamburger Suchttherapietage stehen aktuelle Herausforderungen von Suchtbehandlung und -prävention. Dies betrifft etwa den Schutz des Kindeswohls in Familien mit Suchtproblemen, den Umgang mit neuen Formen süchtigen Verhaltens, sowie auch mit Klienten, die besondere Behandlungsbedarfe aufweisen. Die verfügbaren therapeutischen Ansätze entwickeln sich kontinuierlich weiter, so dass die Suchthilfe immer wieder vor die Entscheidung gestellt wird, welche neuen Behandlungs- und Beratungsansätze auch in die Arbeit mit Suchtkranken integriert werden sollten.
Weitere Informationen und die gestaffelten Tagungskosten finden Sie unter www.suchttherapietage.de


Suchtgefahren im Alter - Entwicklungen und notwendige Hilfen (Frankfurt, 27. Mai 2013)

Im Rahmen der Aktionswoche Alkohol 2013 veranstaltet die Hessische Landesstelle diesen Fachtag mit dem Ziel, eine bessere Unterstützung und Versorgung alter Menschen mit Suchterkrankungen zu erreichen. Die Veranstaltung richtet sich an Verantwortliche aus Einrichtungen und Diensten der Sucht- und Altenhilfe sowie an Vertreter/innen aus Politik, von Sozialleistungsträgern und Verbänden. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Weitere Informationen unter http://www.hls-online.org/index.php?option=com_content&view=article&id=467:-aktionswoche-alkohol-2013-20-august-2012&catid=52:aktuelles


Interventionen alkoholbedingter Störungen (Würzburg, 14.-15. Juni 2013)

Bei der zweitägigen Veranstaltung wird ein breites Themenfeld zu Kosten des Alkoholkonsums, Alkoholpolitik, Hilfebedarfen, Therapiestrategien und auch zur Ökologie der süchtigen Person bearbeitet, veranstaltet vom Vereins zur Durchführung Neurowissenschaftlicher Tagungen. Teilnahmegebühr 95 Euro.
Weitere Informationen unter www.symposium-alkoholstoerungen.de


Einheimische und exotische pflanzliche Drogen (Potsdam, 26. Juni 2013)

Im Botanischen Garten Potsdam wird quasi am lebenden Objekt über Nachtschattengewächse, Hanf, Schlafmohn, Meerträubel, Cocastrauch, Rauschkakteen u.v.m. informiert: Hintergründe zur Botanik, Kulturgeschichte und zur heutigen Nutzung. Die Führung ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen mit dem Freundeskreis des Botanischen Gartens Potsdam und als Maßnahme der staatlichen Lehrerfortbildung durch das MBJS anerkannt. Teilnahmegebühr 10 Euro
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.blsev.de/termine/lesen/einheimische-und-exotische-pflanzliche-drogen-im-botanischen-garten-potsdam.html.


„Sucht im Alter - Sensibilisierung und Qualifikation von Fachkräften in der Alten- und Suchtkrankenhilfe“

Im Rahmen dieses Projekts, veranstaltet von der Landesstelle für Suchtfragen Mecklenburg-Vorpommern, finden gegen kleine Entgelte folgende Schulungen statt:
„Rechtliche Aspekte im Umgang mit suchtmittelabhängigen älteren Menschen“
„Medikamentenabhängigkeit bei älteren Menschen mit einem Suchtmittelproblem“
„Demenz bei älteren Menschen mit einer Suchtmittelabhängigkeit unter Berücksichtigung der verabreichten Medikamente“
„Motivational Interviewing“
Alle weiteren Informationen finden Sie hier: http://lsmv.de/index.php?option=com_remository&Itemid=8&func=fileinfo&id=234


Ausschreibungen

Missbrauch von Amphetaminen in Deutschland

Das Bundesministerium für Gesundheit hat eine „Studie zur Motivation und zu den Konsumgewohnheiten von missbräuchlich Amphetaminkonsumierenden" ausgeschrieben. Von besonderem Interesse sind Informationen zum Hintergrund der missbräuchlich Amphetaminkonsumierenden, die dadurch in Gefahr sind, eine Abhängigkeit zu entwickeln. Ein Schwerpunkt soll darüber hinaus auf der Gruppe der Konsumierenden von Metamphetamin ("Crystal") liegen.
Bewerbungsschluss ist der 10. Mai 2013. Näheres unter:  http://www.bund.de/IMPORTE/Ausschreibungen/EDITOR/Bundesministerium-fuer-Gesundheit/2013/03/644992.html?searchIssued=1&templateQueryString=konsumgewohnheiten&globalSearch=true


Wolfram-Keup-Förderpreis 2014

Alle Personen und Institutionen, die sich in wissenschaftlicher Forschung oder therapeutischer Behandlungspraxis mit den Themen Missbrauch und Sucht beschäftigen, sind aufgefordert, sich mit der Beschreibung von Untersuchungen oder Projekten um den Wolfram-Keup-Förderpreis 2014 des „buss“ zu bewerben. Die vorgelegten Arbeiten müssen sich mit der Entstehung oder Behandlung von Missbrauch und Sucht (mit oder ohne Substanzbezug) beschäftigen. Dabei kann es sich um wissenschaftliche Studien handeln wie auch um die Realisierung von Präventionsmaßnahmen oder die Erprobung von Behandlungskonzepten.
Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2013. Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen der Jahrestagung des „buss“ am 12. März 2014 in Berlin. Ausschreibungsunterlagen finden Sie auf der Internetseite www.suchthilfe.de.


Veröffentlichungen: Druck & Internet (und Telefonberatung)

Das „Schlechte-Nachrichten-Gespräch“ in der Sozialen Arbeit mit Pflichtklienten

Ob mit Pflichtklienten oder anderen: Nur wenige Menschen dürften, ob privat oder beruflich, gerne oder gar mit Leidenschaft „Schlechte-Nachrichten-Gespräche“ führen. Nachdem ein Beitrag zu diesem Thema im „Sozialmagazin“ (downloadHeft) unsere besondere Zustimmung fand, haben uns Autor und Verlag dankenswerter Weise und kostenlos einen Link gestattet: downloadArtikel

Unbedingt empfehlen wir die Lektüre sowohl Sozialarbeitern/innen als auch Pädagogen/innen, Lehrern/innen und allen anderen, deren sprechende Berufe sich nicht mit der Werbung für Sonnenschein befassen.


DHS-Kerndatensatz Katamnese: Anwendung und Entwicklung

Was wir tun, ist das Eine. Was unser Tun bewirkt, steht auf einem anderen Blatt. Um Aussagen über beides zu erhalten, haben wir den DHS-Kerndatensatz bereits vor Jahren mit einem Modul zur Katamnese vervollständigt. Die Erhebung katamnestischer Daten gestaltet sich allerdings, besonders im ambulanten Bereich, als sehr zeit- und kostenintensiv. Umso erfreulicher ist jede Unternehmung, katamnestische Daten zusammenzutragen und zu analysieren. Und weil statistische Erhebungen und Evaluationen alles andere als selbstverständlich in entsprechende Veröffentlichungen münden, freuen wir uns darüber ganz besonders:
http://www.diakoniedortmund.de/fileadmin/bilder/IV_beratung_und_gemeinwesen/Suchtberatung/Bericht_Katamnese_2007-2010-Ch-11-08-31.pdf

Die DHS sucht Informationen zu bereits durchgeführten, aktuellen oder geplanten Katamnesestudien im Suchtbereich. Um diese zentral verfügbar zu machen, ist eine Veröffentlichung auf der Homepage der DSHS www.suchthilfestatistik.de geplant. Bitte senden Sie uns folgende Angaben:a) eine ganz kurze Beschreibung zum genauen Gegenstand der Erhebung (Zeitraum, Teilnehmer- bzw. Patienten/Klientenzahlen),b) eventuelle Publikationen aus der jeweiligen Studie undc) Name einer Kontaktperson.


Türkischsprachige Telefonberatung für Glücksspieler/innen und deren Angehörige

Allein in Nordrhein-Westfalen leben ca. 40.000 glücksspielsüchtige Menschen. Hinzu kommen deren Angehörige, die oft einem sehr großen Leidensdruck ausgesetzt sind. Auch viele Menschen mit türkischem Migrationshintergrund sind betroffen. Für sie bietet die Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW, in Kooperation mit den Landesstellen Glücksspielsucht Bayern und Saarland, seit dem 1. April 2013 eine kostenlose und anonyme Telefonberatung in türkischer Sprache. Die Telefonberatung findet zunächst dreimal wöchentlich in den Abendstunden statt. Beratungszeiten: Montags von 18-20 Uhr und dienstags und donnerstags von 20 bis 22 Uhr. Die kostenfreie Telefonnummer lautet: 0800 326 47 62.Das Projekt wurde 2011 in Bayern durch die dortige Landesstelle Glücksspielsucht ins Leben gerufen. Im Juli 2012 hat sich die Landesstelle im Saarland angeschlossen.


S3-Leitlinie zur Diagnostik des Fetalen Alkoholsyndroms

Sowohl eine Kurzfassung (67 Seiten) als auch die ausführliche Version (180 Seiten) dieser Leitlinie sind auf folgender Seite veröffentlicht: www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/022-025.html


Jugend und Risiko - Handlungsansätze für die Suchtprävention

„No risk, no fun!“ Wenn Menschen (jeden Alters) Risiken eingehen und Grenzen testen, ignorieren sie oft mögliche gesundheitliche Folgen. Das Risikoverhalten Jugendlicher ist dabei für pädagogische Fachkräfte und Eltern bisweilen schwer nachvollziehbar und meist beunruhigend. Aus Sicht der Entwicklungspsychologie trägt es jedoch entscheidend zur Identitätsfindung junger Menschen bei. Die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen bietet mit einer neuen Broschüre aktuelle Perspektiven der Wissenschaft und praktische Strategien für den Umgang mit Risikoverhalten und Grenzverletzungen Jugendlicher. Sie können diese Veröffentlichung zum Preis von 12 Euro bestellen unter www.ljs-materialien.de/index.php


 

Rausch - Sucht - Mittel - Politik

Überraschung!

Ausgerechnet im lupenreinen Russland wird demnächst erneut bewiesen, dass Preiserhöhungen und Werbeverbote jährlich zigtausend Todesfälle und Gesundheitsschäden durch Alkohol verhindern. Wer hätte das erwartet. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,878445,00.html

Und dann soll dort Bier künftig auch noch als „alkoholisches Getränk“ bezeichnet werden. http://www.livescience.com/25934-beer-alcohol-russia.html

Größer war die Distanz zwischen München und Moskau wohl nie.


Die Sucht nach bunten Bildern

Das vielleicht Eindrucksvollste an Hirnscans ist ihre Farbigkeit und die selbst für völlig unvertraute Betrachter eindeutigen Vergleiche zwischen Vorher und Nachher, Alkoholkonsum und Computerspiel und so weiter. Gerade in der Diskussion um den Suchtcharakter exzessiven oder pathologischen Computerspielens, Surfens und ähnlicher Phänomene wird ohne Unterlass darauf verwiesen. So werden bei Alkoholabhängigen, unter entsprechender Stimulation, dieselben Areale bunt dargestellt, wie bei exzessiven Spielern. Diese Argumentation wirkt zwar faszinierend, doch ist sie in keiner Weise hinreichend. www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,867591,00.html (Und es befremdet, nebenbei gesagt, welch große Zahl angesehener Akademiker/innen sich mit ihr zufrieden zu geben scheint.)Es ist nicht so viel, was die Welt zusammenhält. Und sofern es die Welt in uns betrifft, bilden Belohnung und Angst zwei ihrer wichtigsten Säulen. Und da wird es dann eben immer an denselben Stellen bunt. (Ganz nebenbei: Händewaschzwang, pathologisches Händewaschen oder wie auch immer bezeichnet, verursacht vermutlich die gleichen Farbeffekte in denselben Hirnregionen. Nur zeigt uns niemand diese Scans. Vielleicht zum Glück, denn sonst bekämen wir auch noch eine „Händewaschsucht“-Diskussion.)


Seltenes Verhalten, außergewöhnliches Verhalten, abweichendes Verhalten, Krankheit?

Die Kritik am kommenden DSM-V reißt bereits vor seiner Veröffentlichung nicht ab. Das Klassifikationssystem psychischer Krankheiten wird oft als Urmeter behandlungsbedürftigen Verhaltens und Befindens verstanden. Doch solch Einschätzung ist meist höchst relativ. Denken Sie nur an die vielen unterschiedlichen Kulturen auf diesem Planeten. Was an einem Ort als ganz und gar „verrückt“ gilt (und gelten darf), ist an einem anderen selbstverständlich, normal und in keiner Weise beunruhigend. Und wie alles Relative unterliegt auch das DSM-V den unterschiedlichsten Einflüssen von Denkschulen, Berufsgruppen, Industrien und mehr. So könnte es passieren, dass aus gesund noch krank wird. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/streit-um-psychiatrie-diagnosen-gesunde-werden-zu-psychisch-kranken-a-878763.html

Dass allerdings das Verhalten dieses Polizeiarztes nach allen wie auch immer relativen Maßstäben so diagnostizierbar wie behandlungswürdig ist, sollte (außerhalb der Länder mit einem pathologischen Verhältnis zu Menschenrechten) selbstverständlich sein: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/bremen-polizeiarzt-wegen-toedlichen-brechmitteleinsatzes-angeklagt-a-893314.html  


Wirklich witzig!

Der Unternehmenssprecher eines bekannten, milliardenschweren Herstellers und Vertreibers von Automaten für pathologische Glücksspieler und andere Kunden bezichtigte laut Medienberichten (anonym) die Leiterin der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW, sie würde „das Thema Glücksspielsucht aufgrund finanzieller Interessen einseitig darstellen“. Solch „PR-Arbeit“ in Heckenschützenmanier ist natürlich infam, ehrabschneidend (und auch noch feige). Wir müssen nun täglich mit der Meldung rechnen, das Unternehmen dieses Sprechers habe beim Finanzamt die von der Steuerpflicht befreiende Gemeinnützigkeit beantragt. Das erscheint Ihnen übertrieben? Dann lesen Sie mal die üblichen Verlautbarungen der Firma zu den Segnungen ihres verantwortungsvollen Wirkens.


„Der Mensch im Mittelpunkt“ - toller Slogan

downloadDHS-Tagung

http://www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/Service/Publikationen/Moderne_Drogen_und_Suchtpolitik_100825_Drogenbeauftragte.pdf

http://www.sucht.de/fortbildung/events/id-26-kongress-des-fachverbandes-sucht-ev.html  


Und dann noch 45 neue Minuten über Big Tobacco

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/minuten641.html


Kultur und Sport

Kein Alkohol, keine Sirenen

An „Weiberfastnacht“ 2012 spielten sich bei Weitem nicht nur in Trier dramatische Szenen ab. Doch allein dort gab es mehr als 60 akute Vergiftungen und die ganzen üblichen Alkoholprobleme dazu. Nichts Überraschendes, nichts Außergewöhnliches, Narrenzeit eben. Doch überraschend hat die Trierer Stadtverwaltung eine weitere Wiederholdung dieses Wahnsinns verhindert, und erließ zu „Weiberfastnacht“ 2013 ein fast ganztägiges Alkoholverbot in weiten Teilen der Innenstadt. Und, beinah noch ungewöhnlicher, das wurde auch noch kontrolliert. So hat der Alkoholbann an diesem Tag erreicht, was er erreichen sollte: Keine Katastrophen, keine Schlägereien, keine Notaufnahmen. Das heißt, „Weiberfastnacht“ geriet in Trier ganz und gar untypisch. Anders als in allen anderen deutschen Karnevalsstädten waren im Hintergrund der Feier nicht dauernd die Sirenen von Notarzt, Polizei oder Feuerwehr zu hören.

Die saarländischen Piraten aber forderten gewohnt vollmundig: „Wir müssen dringend etwas gegen das Phänomen des Komasaufens bei Jugendlichen tun. Aufklärung in den Schulen und im Elternhaus ist dazu unerlässlich. Ein Alkoholverbot nutzt jedoch gar nichts …“. (http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/trier/Heute-in-der-Trierer-Zeitung-Trierer-Alkoholverbot-an-Weiberfastnacht-soll-saarlaendischen-Landtag-beschaeftigen;art754,3428363).  Na ja, Piraten, „etwas“?„Wir“? Können wir das auch etwas genauer? Und überhaupt wird andersherum ein Schuh daraus: All die Aufklärung der vergangenen Jahre und Jahrzehnte hat nicht verhindert, dass „Komasaufen“ zum deutschen Volkssport aller Altersklassen mit jährlich über 100.000 Diagnosen wurde. Und das Alkoholverbot in Trier hat ganz enorm genutzt. Kein Alkohol, keine Sirenen. 


 

Verbraucherschutz

Alkohol: Keine Unbedenklichkeit, bei keiner Menge

Auch bei der Vorstellung unseres neuen DHS Jahrbuchs Sucht wurden wir wie immer gefragt, bis zu welcher Trinkmenge Alkoholkonsum denn unbedenklich sei. Diese Menge gibt es selbstredend nicht. Schließlich ist Alkohol auch ein Zellgift, und wie sollte der Konsum eines Zellgifts unbedenklich sein können?

Nichtsdestotrotz verwundert die beständig gestellte Frage kaum, neigen doch auch viele Quellen aus Wissenschaft und Praxis dazu, die mittlerweile bekannten Grenzen von 12/24 g pro Tag (an nicht mehr als 5 Tagen je Woche, und auch das gilt ausschließlich für gesunde, erwachsene Frauen/Männer) falsch darzustellen. Häufig heißt es: Ab Überschreiten dieser Grenzen würde es riskant. Tatsächlich markieren sie den Beginn des statistisch messbar steigenden Risikos. Doch das persönliche Risiko beginnt ab dem ersten Schluck. Alkoholhaltige Produkte werden in Haushalt, Werkstatt und Industrie zu Reinigungszwecken eingesetzt, da sie sehr wirksam organische Strukturen zerstören. Und dem Alkohol ist es völlig gleichgültig, ob er einen Schmierkäsefleck auf der Küchenarmatur zersetzt, oder die Magenschleimhaut. www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,874694,00.html


„Benzodemenziapine“

Auf den weit verbreiteten Missbrauch von Benzodiazepinen weisen wir seit Jahren immer wieder hin. Gleich ob im DHS Jahrbuch Sucht, in unserer allgemeinen Informationsarbeit oder im Rahmen unseres Arbeitsschwerpunktes „Medikamente“. Gerade die massenhafte, bedenklich bedenkenlose Verwendung von Benzodiazepinen über längere und lange Zeiträume stellt eines der größten Suchtprobleme in Deutschland dar. Und Demenz wiederum ist eines der großen Gesundheitsprobleme im letzten Lebensabschnitt. Besteht da ein Zusammenhang? www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,883496,00.html


Verbesserung des Jugendschutzes

Die Alkoholisierung schon 12- bis 15-jähriger Kinder ist besonders dramatisch. Ein Durchschnittseinstiegsalter in den Alkoholkonsum von 13,3 Jahren beweist neben manch anderem Bedauerlichen auch die Wirkungslosigkeit eines nicht konsequent überprüften und sanktionierten Jugendschutzes. Nach eindeutigen Erfahrungen in Niedersachsen hat nun auch Hamburg ein „Konzept zur Verbesserung der Einhaltung des Jugendschutzgesetzes bei der Abgabe von Alkoholika durch Gewerbetreibende“ erstellt, dessen Titel in einem Wort zusammengefasst werden kann: Alkoholtestkäufe. Seit dem 2. Quartal 2013 werden diese von Hamburger Behörden durchgeführt. Die Konzeption ist auch deshalb empfehlenswert, weil sie die üblicherweise vorgetragenen Bedenken bezüglich der testkaufenden Minderjährigen überzeugend ausräumt.


 

 

Geschenke

DHS Jahrbuch Sucht 2013

Wer mag schon Eulen nach Athen tragen? Also verlosen wir ohne weiteren Kommentar oder Link drei Exemplare des neuen DHS Standardwerks unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 6. Mai 2013 per Postkarte mitteilen (Stichwort: Jahrbuch). Bitte adressieren Sie an DHS e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm.


Gaßmann, Merchlewicz, Koeppe (Hrsg.): Hirndoping - Der große Schwindel

In den vergangenen Jahren hat der Begriff des Hirndopings sowohl in der fachlichen als auch in der medialen Öffentlichkeit zunehmend an Popularität gewonnen. Der Band beleuchtet die Hintergründe des umstrittenen Phänomens und präsentiert gesundheitspolitische, epidemiologische, ethische und soziale Erkenntnisse zu dieser besonderen Art des Medikamentenmissbrauchs. Fazit: Hirndoping ist sinnlos und riskant. Und es gibt vielversprechendere Wege zu einem ausgeglichenen Leben.
downloadFlyer

Die aktuelle DHS-Literaturliste zum Hirndoping finden Sie hier downloadLINK

Wir verlosen drei Exemplare unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 7. Mai 2013 per Postkarte mitteilen (Stichwort: Schwindel). Bitte adressieren Sie an DHS e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm.


Otfried Preussler - Die kleine Hexe

Und aus gegebenem, traurigen Anlass, verlosen wir mit dem größten Vergnügen zwei Exemplare dieses ganz außergewöhnlichen Meisterwerks unter jenen, die uns ihr Interesse bis zum 8. Mai mitteilen (Stichwort: Hexe). Auch hier gilt wieder: Bitte adressieren Sie an DHS e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm.


Die ausgelobten Bände „Rauchen - Saufen - Kiffen“ gingen an Valentina Beckin (Paderborn), Claudia Pieper-Emden (Bünde) und Simone Schuler (Erftstadt).

Den drei Damen Herzlichen Glückwunsch und Ihnen allen schöne Tage!

Ihr Dr. Raphael Gaßmann


 
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