DHS - Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
Newsletter 4-2012  

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

das wohl größte Gesundheitsproblem des deutschen Fußballs ist seine intensive Beziehung zum Bier. Fußball hat sich in Deutschland zum Botschafter für Bierkonsum schlechthin gemacht. Dies gilt sowohl für den hochdotierten Spitzensport in den Bundesligen als auch für weithin unbekannte Amateurvereine. Besonders problematisch ist die ausstrahlende Wirkung der Bierverherrlichung in den Jugendbereich. Dass diese fatale Fußball-Bierwerbung funktioniert, belegen die kontinuierlich hohen Summen, die Brauereien hierfür bezahlen. Angesichts dieser inzwischen allgemeinen Kritik bemerkte der Bitburger-Sprecher Werner Wolf unlängst in einem Interview, dass Menschen, die mit Alkohol dauerhaft Probleme haben, diese nicht wegen eines Werbespots bekommen hätten. http://www.teckbote.de/nachrichten/sport_artikel,-Der-schmale-Grat-beim-Thema-Alkohol-im-Sport-_arid,73383.html Lieber Herr Wolf: So etwas dürfen Sie wirklich nicht sagen. Denn selbst mit den grimmigsten Vorsätzen ist es unmöglich, so viel Bier zu trinken, dass solch (vorsichtig gesagt) dünnes Diskursniveau nicht schmerzt. Wir verstehen, dass Sie als „Sprecher“ irgendetwas sagen müssen. Aber dann sagen Sie doch einfach etwas Richtiges: Alkohol? Weniger ist besser!

Inhalt

Dieser Newsletter informiert Sie über folgende Themen:

  • Aus der DHS
  • Aus den Landesstellen Sucht
  • Veranstaltungen
  • Ausschreibungen
  • Veröffentlichungen: Druck & Internet
  • Rausch - Sucht - Mittel - Politik
  • Verbraucherschutz
  • Leserpost
  • Geschenke

Aus der DHS

52. DHS-Fachkonferenz vom 19. bis 21. November 2012 in Leipzig
Der 4-Säulen-TÜV. Die vier Säulen der Suchthilfe und Suchtpolitik auf dem Prüfstand

Das tragende Gerüst der Drogen- und Suchtpolitik Deutschlands sind seit über 20 Jahren die vier Säulen Prävention, Beratung und Behandlung, Schadensminimierung, Repression. Im selben Zeitraum haben sich die Herausforderungen an die Suchthilfe und auch die Ansprüche, die sie an sich selber stellt, deutlich entwickelt. Zudem sind die drogenbezogenen Wirklichkeiten inzwischen sehr geändert, gleich, ob es den Konsum legaler oder illegaler Substanzen betrifft. Die DHS-Fachkonferenz wird prüfen, ob jede der vier Säulen die TÜV-Plakette für die nächsten Jahre erhalten kann. Ist die Konstruktion geeignet, den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen? Welche Funktion besitzt jede der Säulen heute? Brauchen wir veränderte oder gar neue Säulen? Wohl bei keinem Thema kommen sich Gesundheitspolitik, Epidemiologie, Gesellschaftspolitik und Suchthilfe näher als bei diesem. In einer Satellitenveranstaltung am 20. November stellt das Bundesmodellprojekt zur Transkulturellen Versorgung Suchtkranker die Erfahrungen aus vier Jahren Modellarbeit (2009 bis 2012) an sechs Standorten vor.
Auf Wunsch beinah aller Teilnehmer/innen der vergangenen Konferenzen findet diese Veranstaltung in einem Tagungshotel (und dazu in der schönen Stadt Leipzig) statt. Die Anzahl der Plätze ist deutlich begrenzt und bislang bereits zur Hälfte vergeben. Wir empfehlen eine rechtzeitige Anmeldung und freuen uns auf drei interessante Tage mit Ihnen, die den November ohne Zweifel erlebenswerter machen.
Das ausführliche Programm, weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf unserer Homepage unter http://www.dhs.de/start/startmeldung-single/article/dhs-fachkonferenz-vom-19-bis-21-november-2012-in-leipzig-der-4-saeulen-tuev-die-vier-saeulen-de.html. Sie können uns mit Fragen und Ihrer Anmeldung auch telefonisch unter 02381 9015-0 oder per E-Mail über Frau Kaldewei (kaldewei@dhs.de) und Frau Kepp (kepp@dhs.de) erreichen.  


Überarbeitung der DHS- und BZgA-Einrichtungsdatenbank

Die internetgestützten Einrichtungsdatenbanken der DHS und BZgA wurden im Frühjahr/Sommer 2012 grundlegend überarbeitet. Beide Datenbanken wurden zusammengeführt und erhielten einheitliche Abfragekriterien, so dass im Verlauf der letzten Monate auch eine gemeinsame Einrichtungsabfrage installiert wurde. Bisher haben wir mehr als 1.000 Datensätze überarbeitet und erweitert, und künftig wird in regelmäßigen Abständen eine Aktualisierung erfolgen. Die Datenbank ist damit die umfangreichste und aktuellste Übersicht der deutschen Suchthilfeeinrichtungen.
Einzusehen unter http://www.dhs.de/einrichtungssuche/online-suche.html.
Falls Ihre Einrichtung noch nicht aufgenommen wurde bzw. Ihre Daten aktualisiert werden müssen, wenden Sie sich bitte an info@dhs.de.  


Internetportal „Sucht am Arbeitsplatz“ – regionale Netzwerke und Arbeitskreise

Die Internetseite „Sucht am Arbeitsplatz“ stellt im Bereich „Netzwerke und Organisationen“ regionale Netzwerke und Arbeitskreise vor. Mit diesem Angebot möchten wir - gemeinsam mit der BARMER GEK – zu einer stärkeren Kooperation des Arbeitsfeldes beitragen. Betriebe und Mitarbeiter, Suchtbeauftragte, betriebliche Suchtkrankenhelfer und Führungskräfte können sich über Netzwerke in ihrer Nähe informieren und in Kontakt treten.
Wenn Sie Anregungen oder Ergänzungen für uns haben, freuen wir uns über eine Mitteilung. Sie finden das Kontaktformular auf der Seite http://www.sucht-am-arbeitsplatz.de/service/kontakt.html oder senden Sie eine E-Mail an raiser@dhs.de


Aktualisierungen der Internetplattform „Unabhängig-im-Alter“

Die DHS-Internetplattform www.unabhaengig-im-alter.de wurde aktualisiert und um die zwei neuen Bereiche „Daten und Fakten“ und „Illegale Drogen“ ergänzt.
„Daten und Fakten“ stellt bevölkerungsbezogene sowie einrichtungsbezogene Daten des Gesundheitssystems dar. Aus den verfügbaren Quellen sind Zahlen zum Konsum und zur Behandlung älterer Menschen in übersichtlichen Tabellen aufbereitet. Doch leider ist die Datenlage zu diesem Thema in Deutschland noch sehr ausbaufähig.
Bisher hat „Unabhängig im Alter“ über die Substanzen „Alkohol“, „Tabak“ und „Medikamente“ informiert. Nun ist der substanzbezogene Seiteninhalt „Illegale Drogen“ hinzugekommen. Suchtprobleme im Zusammenhang mit illegalen Drogen treten in Deutschland – anders als bei Alkohol oder Medikamenten – im 3. und 4. Lebensabschnitt bislang nur in seltenen Fällen auf. Andererseits erleben Konsumenten, und jene, die mit Ihnen in Einrichtungen arbeiten, schon viel früher als üblich die Probleme des Älterwerdens. Dank erfolgreicher Suchtkrankenhilfe überleben Menschen trotz einer schweren Drogenabhängigkeit Jahre und Jahrzehnte. Doch die gesundheitlichen Belastungen in dieser Zeit lassen viele Betroffene schon in jüngeren Jahren altern und auf Pflege angewiesen sein. Auch deshalb sind illegale Drogen ein Thema für „Unabhängig im Alter“.


Europäisches Projekt „European Workplace and Alcohol“ – 5 Betriebe in Deutschland nehmen teil

Im Rahmen des europäischen Projektes „EWA - European Workplace and Alcohol - Nationale Partnerarbeit” konnte die DHS fünf (im weitesten Sinn)Betriebe gewinnen, ihre Suchtprävention zu optimieren: das Kulturzentrum E-Werk Erlangen, der Landesbetrieb Forst Brandenburg, die Salzgitter AG, das Gesundheitsamt der Stadt Köln und das Theater Bremen.
Von Mai 2012 bis Februar 2013 wird untersucht, wie die jeweiligen Suchtpräventionsmaßnahmen im Betrieb wirken. Gemessen werden die Ziele anhand einer anonymen Vorab- und Nachbefragung der Mitarbeiter/innen. Das Bewusstsein von den potenziellen Gefahren des Alkoholkonsums soll sich messbar erhöhen. Gleichzeitig wird angestrebt, den selbstberichteten Alkoholkonsum der Belegschaften zu senken. Neben der regionalen Verteilung macht gerade die Mischung der unterschiedlichen Branchen das Projekt besonders interessant.
Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Frau rummel@dhs.de. Die Kontaktdaten der Betriebe finden Sie auf www.dhs.de unter der Rubrik „Projekte“.


Deutscher Kerndatensatz

Nach jahrelanger Abstimmung unter Verbänden, Wissenschaftlern, Drogenbeauftragten und anderen trat der Kerndatensatz der Deutschen Suchthilfestatistik zum 1. Januar 2007 in Kraft. Ankündigungsgemäß wird er noch einige Jahre Gültigkeit besitzen. Währenddessen beginnen demnächst die Arbeiten an einer neuen Version. Dabei werden alle vorhandenen Items auf den Prüfstand gestellt und selbstverständlich auch neue Items diskutiert. All das wie bisher unter der Maxime: Soviel wie unbedingt erforderlich, so wenig wie irgend möglich. Bereits in den letzten Jahren gingen einige Hinweise bei uns ein, die Änderungen, Ergänzungen und auch Streichungen anregten. Sollten auch Sie Vorschläge haben, bitten wir um Mitteilung an Frau brodd@dhs.de unter dem Stichwort „KDS - nächste Generation“.


Verwendungsnachweise Regionalmittel der DRV-Bund

Am 23.07.2012 wurden von uns die letzten Verwendungsnachweise Regionalmittel (§ 31 Abs. 1 Nr. 5 SGB VI) an die Deutsche Rentenversicherung Bund versandt. Durch Änderungen in der Antragsbearbeitung konnten diese in der DHS-Geschäftsstelle deutlich schneller bearbeitet werden. Dadurch wird die 2. Rate der Regionalmittelförderung absehbar früher von der Deutschen Rentenversicherung Bund an die jeweiligen Landesstellen ausgezahlt. 


Aus den Landesstellen Sucht

Türkischsprachige Beratung für pathologische Spieler/innen

Glücksspielprobleme betreffen in größerem Umfang auch türkischsprachige Menschen in Deutschland. Für diese Zielgruppe bieten sowohl die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern als auch die Landesfachstelle Glücksspielsucht des Saarlandes türkischsprachige Telefonberatungen an, anonym und kostenlos. Zu Anfang Juli wurde das Angebot nunmehr, der Nachfrage entsprechend, verdoppelt. Weitere Informationen unter http://www.gluecksspielsucht-saar.de und http://www.lsgbayern.de.


Modellprojekt „Frühe Interventionen bei pathologischem Glücksspiel in Brandenburg“

Seit 2008 wurden die Fachkräfte der am Modellprojekt „Frühe Interventionen bei pathologischem Glücksspiel in Brandenburg“ beteiligten Beratungsstellen durch die Brandenburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. in Kooperation mit der salus klinik Lindow geschult. Ein Ergebnis der Qualifizierung ist das „Manual inklusive Materialsammlung für die Beratung Pathologischen Glücksspielverhaltens“. Mit Abschluss der Qualifizierung erhielten die geschulten Fachkräfte ein Zertifikat und sind seitdem als Vertreter der Beratungsstellen im Netzwerk „Frühe Interventionen bei pathologischem Glücksspiel in Brandenburg“ tätig.
Der Ordner samt Manual kann gegen eine Gebühr von 15 € bei der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. erworben werden. Das sehr instruktive Manual ist gegen eine Gebühr von 5 € erhältlich (andrea.hardeling@blsev.de oder 0331 581380-20).


Curriculum „Sucht im Alter“ für Ausbildungsverordnungen der Altenpflegeausbildung

Im Rahmen des BMG-geförderten Projektes „Sucht im Alter – Sensibilisierung und Qualifizierung von Fachkräften in der Sucht- und Altenhilfe“ wird derzeit ein modulares Curriculum erstellt. Die Recherche bestehender Ausbildungsgänge ergab, dass diese Problematik oftmals nur als Randthema behandelt wird, obwohl Suchtprobleme nach Aussagen der beteiligten Projektpartner bei den BewohnerInnen und KundInnen der stationären und ambulanten Altenhilfe zunehmen. Das Curriculum soll den Auszubildenden das nötige Wissen und Handwerkszeug vermitteln, das sie für die Arbeit mit älteren Menschen mit Suchtmittelmissbrauch benötigen. Eine Arbeitsgruppe erarbeitet im Moment die einzelnen Bausteine des Curriculums und freut sich über Hinweise jeder Art. Ansprechpartnerin: Claudia Diekneite (0385 712953, claudia@lsmv.de)


Elterninfo Alkohol

Im Rahmen des Alkoholpräventionsprojekts „HaLT - Hart am Limit“ hat die Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen eine neue Homepage www.elterninfo-alkohol.de  entwickelt, auf der Eltern neben sachlichen Informationen viele praktische Tipps finden, wie sie mit dem Thema in ihrer Familie lösungsorientiert umgehen können.
Wie notwendig, hilfreich und begehrt die grundlegendsten Elterninformationen sind, haben DHS und LWL-KS anhand der Broschüre „Rauschmittelkonsum im Jugendalter. Tipps für Eltern“ erfahren. Seit ihrem Erscheinen 2010 wurde diese übersichtliche Druckschrift bereits mehrere Male aufgelegt und wird nach wie vor außergewöhnlich stark nachgefragt.


Veranstaltungen

Konferenz „Kinder aus suchtbelasteten Familien - Vernetzung von Strukturen und Hilfeangeboten“ (27. August 2012)

Der Umgang mit Kindern und Eltern aus suchtbelasteten Familien stellt eine besondere Herausforderung dar. Gut funktionierende regionale Netzwerke begünstigen auch hier frühzeitiges Handeln. Die Hessische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) betont deshalb in ihrer Veranstaltung zum Thema „Kinder aus suchtbelasteten Familien“ genau diesen Schwerpunkt.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Hessischen Sozialministerium und der Techniker Krankenkasse in Frankfurt am Main statt. Weitere Informationen finden Sie unter www.hls-online.org . Die Teilnahme ist kostenfrei.


Safer Nightlife (19. September 2012)

Welche Möglichkeiten gibt es, das Nachtleben für Partygänger/innen sicherer zu machen? Welche Rausch- und Suchtmittel werden in der Szene gegenwärtig konsumiert? Welche Bedeutung hat diese Art Party für den öffentlichen Raum? Welche politischen, sozialen und gesetzlichen Rahmenbedingungen und Folgen sind zu diskutieren? Welche raumplanerischen Konzepte brauchen die Städte? Solche und weitere Fragen werden auf dieser Veranstaltung der Schweizer Vereinigung InfoDrog in Biel diskutiert (die Teilnahmegebühr beträgt 110 Euro). Weitere Informationen unter http://www.infodrog.ch/index.php/nightlife-aktivitaeten.html.


Fachtag „Sucht und Haft“ (25. September 2012)

Schließt sich die Tür einer Haftanstalt hinter einem Verurteilten, beginnt eine Vielzahl von Problemen. Arbeitsplatzverlust, Trennung, Beziehungsprobleme, Verschuldung, Suchtmittelmissbrauch und -abhängigkeit sind einige davon. Die Evangelische Konferenz für Straffälligenhilfe (EKS) und der Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe (GVS) veranstalten diesen Fachtag, der dem Erfahrungs- und Informationsaustausch zwischen den Akteuren der unterschiedlichen Hilfesysteme dienen soll.
Der Fachtag findet in Fulda statt (die Teilnahmegebühr beträgt 80 Euro inkl. Verpflegung). Weitere Informationen unter http://www.sucht.org/termine/veranstaltungen/aktuell/inhalt/?no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=52.


Mehr Suchtkranke früher erreichen - Erwerbsfähigkeit fördern und erhalten (2. Oktober 2012)

Die diesjährige mitteldeutsche Fachtagung der Landesstellen Sucht Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen findet - in Kooperation mit der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland - in Halle/Saale statt.
Den nachhaltigsten Rehabilitations-Erfolg haben suchtkranke Menschen, denen der Wiedereinstieg in das Berufsleben gelingt. Wesentlich hierbei ist das Übergangsmanagement zwischen Sucht und gemeindenaher beruflicher Rehabilitation. Seit Einführung des SGB II hat die Kooperation zwischen Suchtrehabilitation und Eingliederung in das Erwerbsleben eine neue Qualität erreicht. Die Tagung beschäftigt sich vor allem damit, was noch zu tun bleibt: Die Ausgestaltung der Hilfen und die Verbesserung der Kooperation im Hilfenetz. Die Teilnahmegebühr beträgt 30 Euro inkl. Getränken.
Weitere Informationen unter http://www.ls-suchtfragen-lsa.de/Aktuelles/Veranstaltungen+-+Aktionen/#mitteldeutsch.


Wenn aus Spaß Ernst wird – Exzessive und pathologische Computerspiel- und Internetnutzung (9. Oktober 2012)

Die diesjährige Jahrestagung der Drogenbeauftragten widmet sich neben dem pathologischen auch dem exzessiven Computergebrauch. Auch wenn die meisten Menschen von den Vorzügen des Internets profitieren, zeigen manche ein exzessives Nutzungsverhalten, das ohne Hilfe nur schwer zu beenden ist. Frau Dyckmans möchte ihre Jahrestagung nutzen, um die aktuellen Entwicklungen und Erkenntnisse hierzu ausführlich vorzustellen. Das Tagungsprogramm umfasst die Themenbereiche Prävalenz, Symptomatik und Diagnostik, Prävention sowie Beratung und Behandlung. Gleichzeitig soll auf die Möglichkeiten hingewiesen werden, die das Internet für die Präventions- und Beratungsarbeit bietet. Das ausführliche Programm und die Anmeldekarte finden Sie unter www.drogenbeauftragte.de/drogen-und-sucht/computerspiele-und-internetsucht/jahrestagung-der-drogenbeauftragten-2012.html. (Die Teilnahme ist kostenfrei.)


 

Ausschreibungen

Bundeswettbewerb Alkoholprävention

Unter dem Motto „Innovative Projekte umsetzen - nachhaltig wirken“ haben die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) Preisgelder von insgesamt 50.000 Euro für Projekte in der Alkoholprävention für Jugendliche ausgelobt. Teilnehmen können alle außerschulischen Anbieter von Projekten zur Alkoholprävention für Jugendliche ab 12 Jahren: Suchtberatungsstellen, Fachstellen für Suchthilfe und Suchtprävention, freie, kommunale und kirchliche Träger, Vereine oder etwa Verkehrswachten.
In die Bewertung der eingereichten Beiträge fließt insbesondere der gewählte Zugang zu den Jugendlichen ein. Um Jugendliche wirksam zu erreichen, müssen sich die Projekte mit den Lebensrealitäten junger Menschen auseinandersetzen und diese verstehen. Der massive Einfluss des Internets, insbesondere der „Social Media“, und die hierdurch veränderten Formen und Rahmenbedingungen der Kommunikation Jugendlicher intensivieren die Herausforderung der Alkoholprävention, so die BZgA.
Beiträge können bis zum 24. August 2012 eingereicht werden. Weitere Informationen unter http://www.bundeswettbewerb-alkoholpraevention.de.


DRV-Forschungsförderung Medizinische Rehabilitation

Die Deutsche Rentenversicherung Bund fördert Forschungsprojekte, die das Ziel haben, Wege in die medizinische Rehabilitation anhand von vier ausgewählten Themenfeldern zu untersuchen und zu optimieren:
Bedarf und Zugang zur medizinischen Rehabilitation.
Zugang zur medizinischen Rehabilitation über Betriebs-/Werksärzte und niedergelassene Ärzte.
Entwicklungen bei der Anschlussrehabilitation.
Information zur Vorbereitung auf die medizinische Rehabilitation.

„Medizinische Rehabilitation“ darf bei dieser Ausschreibung selbstverständlich auch als medizinische Sucht-Rehabilitation verstanden werden. Ausschreibungsfrist ist der 30. September 2012. Bis dahin sind formlose Projektskizzen in elektronischer Form einzureichen.
Die Unterlagen können im Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung eingesehen werden:
http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de -> Reha-Wissenschaften -> Bekanntmachungen und Ausschreibungen -> Aktuelle Bekanntmachungen und Ausschreibungen der Rentenversicherung 


Videoprojekt „Junge Borderliner“ - Männlicher Teilnehmer gesucht

Für ein Videoprojekt zum Thema Borderline sucht das renommierte Medienprojekt Wuppertal einen betroffenen Jungen oder jungen Erwachsenen im Alter bis ca. 25 Jahre. Kaum eine Diagnose ist gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen schwerer zu treffen als das Borderline-Syndrom. Fast alle Symptome können auch Hinweise auf andere seelische Störungen sein. Trotzdem (oder auch genau deshalb) werden immer mehr junge Menschen mit der Diagnose Borderline konfrontiert. Betroffene erleben sich selbst als zerrissen, leben in einem permanenten inneren Chaos, sind geprägt von der Angst, verlassen zu werden und versuchen, dies mit allen Mitteln zu verhindern. Beziehungen sind sehr intensiv und gleichzeitig instabil. Die Selbstwahrnehmung der Betroffenen ist diffus. Oft fühlen sie sich leer und gelangweilt. Auch die Alltagshandlungen sind eher unberechenbar und impulsiv. Jede Sinneswahrnehmung kann zu extremen Reaktionen führen. Sie haben panische Angst vor Zurückweisung und drohen dem Gegenüber oft mit Selbstverletzung und Suizid. In diesem Film werden mehrere junge Betroffene von ihren Versuchen, Orientierung und Halt in sich und in der Umwelt zu finden, berichten. Kontakt: Medienprojekt Wuppertal (Christoph Müller), Tel: 0221 1207789 oder 0172 2616547, c.mueller@medienprojekt-wuppertal.de


 

Veröffentlichungen: Druck & Internet

Geistige Behinderung und Sucht / Substanzmissbrauch

Eine wichtige und interessante Tagung zu diesem besonderen und bis vor kurzem weitgehend vernachlässigten Thema veranstaltete der Landschaftsverband Westfalen-Lippe gemeinsam mit der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. Aufgrund der sehr großen Nachfrage folgte bald eine zweite Veranstaltung und so selten, wie wir Veranstaltungsbände empfehlen, so uneingeschränkt empfehlen wir diesen http://www.lwl.org/ks-download/downloads/publikationen/FS_44%20Intelligenzminderung_und_Sucht.pdf.


Jugend Sucht Hilfe

Das LWL-Landesjugendamt und die LWL-Koordinationsstelle Sucht haben gemeinsam eine Arbeitshilfe mit dem Ziel entwickelt, Jugendhilfe und Suchthilfe in der Praxis stärker zu vernetzen. Jedes der beiden Hilfesysteme hat eine Hälfte dieser „Wendebroschüre“ inhaltlich gestaltet. Dabei wird durch die vielfältigen Verweise auf die jeweils andere Hälfte schnell deutlich, wie wichtig und eng beide Hilfesysteme zusammen agieren und sich unterstützen sollten. Vorstellungen der jeweiligen Arbeitsbereiche, Strukturprinzipien, Ziele, Grundlagen etc. werden ergänzt durch Fallbeispiele aus der Praxis, Links, Adressen und mehr.
Erhältlich ist die Publikation „M7 – Jugend Sucht Hilfe – Kooperationen zwischen den Hilfesystemen“ bei der LWL-Koordinationsstelle Sucht ( joerg.koerner@lwl.org ). Sie finden sie auch als download unter http://www.lwl.org/LWL/Jugend/lwl_ks/Publikationen/materialien.


Jugendschutz aktiv

Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Jugendschutz (BAJ) zwei Broschüren veröffentlicht, die sich an Eltern wenden und deren Wissen um den Jugendschutz überprüfen und verbessern wollen.
Außerdem entsteht auf der Internetseite www.jugendschutz-aktiv.de eine Datenbank, in der bundesweit vorbildliche Projekte für effektiven Jugendschutz auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene zusammengestellt werden. Hier finden sich auch erfolgreiche Projekte der Jugend-Suchtprävention - und können weiterhin eingestellt werden. http://www.jugendschutz-aktiv.de/service_fuer_jugendschuetzer/projektdatenbank/dok/190.php


Crystal Meth

Keine Präventionsbroschüre für Konsumenten/innen, sondern, wie der Reihentitel sagt, eine „Bestandsaufnahme“ zum Thema Crystal Meth, hat die Kontaktstelle Jugend- und Drogenberatung der Stadtmission Chemnitz veröffentlicht. Auf ca. 50 Seiten befasst sich die Broschüre in verständlicher Art und Weise mit der in Deutschland zunehmend wahrgenommenen Substanz Crystal Meth. Die Informationen sollen, so die Herausgeber, für all jene hilfreich sein, die sich mit Crystal Meth-Konsumenten auseinandersetzen. Die Broschüre ist für 1,50 € (zzgl. Versandkosten) erhältlich bei der Ambulanten Suchtkrankenhilfe der Stadtmission Chemnitz e.V., Glockenstr. 5-7, 09130 Chemnitz (Frau Seifert), Tel. 0371 4334-111 oder sucht@stadtmission-chemnitz.de.


Suchthilfe im Gefängnis

Im vergangenen Jahr führte die Arbeitsgemeinschaft Drogenarbeit und Drogenpolitik in NRW eine Befragung von Patienten/innen in stationärer Therapie durch, die zuvor inhaftiert waren. Die Ergebnisse finden Sie unter http://www.ag-dropo.de/aktuellesallg.htm. Sie liefern Einblicke in die ansonsten inakzeptabel undurchsichtige Situation in den Justizvollzugsanstalten.


Online-Selbsthilfe für Menschen mit Ess-Störungen

DICK & DÜNN e.V., Berliner Beratungszentrum bei Ess-Störungen bietet Online-Gruppen für Menschen mit Ess-Störungen an. Derzeit gibt es eine Schülerinnengruppe, eine Gruppe für Frauen ab 18 Jahren und eine Langzeitgruppe ab 18 Jahren. Das Angebot ist anonym und wird angeleitet von supervidierten Moderator/innen.Weitere Informationen unter www.dick-und-duenn-berlin.de


Rausch - Sucht - Mittel - Politik

Blinder Fleck im Medizinstudium

Die enorme epidemiologische Bedeutung chronischer Suchterkrankungen ist hinlänglich bekannt. Ebenso deren gute therapeutische Aussichten. Die Rolle von Ärzten, insbesondere Hausärzten und Ärzten in Allgemeinkrankenhäusern, bei Früherkennung und Therapie kann hierbei nicht deutlich genug betont werden.
Dass in diesem Zusammenhang noch viel getan werden könnte, kommt nicht von ungefähr. Eine aktuelle Studie stellt fest, dass im Studium der Medizin fast kein Wissen über Suchterkrankungen vermittelt wird und sich die Studierenden dementsprechend am Ende ihrer Ausbildung mehrheitlich nicht ausreichend über Suchterkrankungen informiert fühlen. Der Leiter der Studie resümiert: „Ärzte sehen ihre Hauptaufgabe häufig in der Verschreibung von Medikamenten und in der Durchführung diagnostischer und therapeutischer Prozeduren.“ Das Gespräch mit dem Patienten trete dabei in den Hintergrund, obwohl es ein entscheidendes Element in der Erkennung und Behandlung (auch) von Suchterkrankungen sei.
Genau dieses Defizit der medizinischen Ausbildung ist seit mehreren Jahrzehnten wissenschaftlich ausgezeichnet dokumentiert und analysiert. Auch sind seit Jahrzehnten alternative Studienmodelle für Medizin nicht nur entwickelt, sondern erprobt, die der sog. „sprechenden Medizin“ endlich den ihr im Interesse einer möglichst guten und preiswerten gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung zukommenden Stellenwert beimessen. Dass sich dennoch an der grundsätzlichen Fehlausrichtung der medizinischen Ausbildung in Deutschland seither nichts geändert hat, stellt den hierfür verantwortlichen Gremien und Institutionen kein übertrieben gutes Leistungszeugnis aus. Evidence based? Nichts dergleichen! http://news.doccheck.com/de/article/209271-sucht-blinder-fleck-im-medizinstudium  und http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50062


Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen)

Wie im ersten Newsletter dieses Jahres berichtet (downloadAusschnitt NL1-2012), erscheint in beinahe absehbarer Zeit das DSM-V. Seine Produktion allerdings ist umstritten wie nie. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/adhs-burnout-depression-forscher-warnen-vor-millionen-scheinpatienten-a-836033.html  Die Bewertung und Einordnung psychischer Phänomene als „Störung“ ist in erheblichem Maße davon abhängig, wie sich die gesellschaftlich prägende und einflussreichste Bevölkerungsgruppe verhält und versteht. In diesem Zusammenhang wird auch der Umgang mit Psychopharmaka diskutiert. So stieg die Verschreibung von reinem Methylphenidat (Handelsname u.a. Ritalin®) in Deutschland innerhalb von 15 Jahren von 34 kg auf 1.617 kg jährlich. Dies zu interpretieren bestehen mindestens drei, wahrscheinlich noch viel mehr Möglichkeiten.


Neuer Träger für NRW-Landesfachstelle Glücksspielsucht

Das Diakonische Werk Herford hat die Trägerschaft der Landesfachstelle Glücksspielsucht zum 30. Juni 2012 aufgegeben.

Seit dem 1. Juli 2012 ist die bundesweit vorbildliche und in der Beratung von pathologischen Spielerinnen und Spielern standardsetzende Fachstelle beim Bielefelder Verein Drogenberatung angesiedelt.
http://www.mgepa.nrw.de/ministerium/presse/pressemitteilungsarchiv/pm2012/pm20120620a/index.php


Kooperation zur Stärkung des Kinderschutzes

Kinder suchtkranker Menschen sind besonders schutzbedürftig, denn sie sind speziellen Risiken und Belastungen ausgesetzt. Deshalb werden substituierende Ärztinnen und Ärzte sowie Mitarbeiter/innen von Suchtberatungsstellen und Jugendämtern in Hamburg künftig gemeinsam besonderes Augenmerk auf Kinder von Substitutionspatienten legen und alle relevanten Informationen über die Familien austauschen. Hierzu sollen sie regelmäßig von der Schweigepflicht entbunden werden. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung mit Regeln für die Zusammenarbeit und die Unterstützung der Familien werde jetzt von der Ärztekammer, der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, den Trägern der Suchthilfe, den Bezirksämtern und den zuständigen Behörden unterzeichnet.
http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/3508516/2012-08-03-bgv-kooperationsvereinbarung.html
Die CDU Bürgerschaftsfraktion in Hamburg fordert über diese Vereinbarung hinaus, dass die Entbindung von der Schweigepflicht Voraussetzung für eine Substitutionsbehandlung heroinabhängiger Eltern wird. Zudem will sie die Take-Home-Vergabe an substituierte Eltern grundsätzlich ausschließen, wenn minderjährige Kinder im Haushalt der Eltern leben.


Krieg gegen die Drogen (I): Aufrüstung

100 Polizeibeamte durchsuchten 5 Stunden lang 1 Drogenhilfezentrum und 2 Wohnungen in Mainz. Und fanden: Nichts. So oder so war die Aktion also schlecht vorbereitet. Und für diese Bewertung braucht es schon einigen Humor. Das dann erklärte hinterher noch der zuständige Oberstaatsanwalt: „Es gibt keine Verdachtsmomente, dass die Mitarbeiter selbst gedealt haben. Vielmehr geht es um die Frage: Wieso kriegen die das nicht mit?“. Angesichts des in Justizvollzugsanstalten allgegenwärtigen Konsums illegaler Suchtmittel ist diese Frage allerdings mit Humor alleine nicht mehr zu nehmen. Solche Fragen stellt man einfach besser ab dem 11.11., nicht nur in Mainz.
http://www.abendblatt.de/vermischtes/article2270516/Grossrazzia-bei-Mainzer-Drogenhilfe-wegen-Verdacht-auf-Drogenhandel.html


Krieg gegen die Drogen (II): Schweiz rüstet ab

Anzeigen und Strafverfahren wegen Cannabis-Besitzes gegen Konsumenten sind in der Schweiz Vergangenheit. Beide Kammern des Parlaments haben beschlossen, dass nunmehr mit 200 Franken Geldbuße zu rechnen hat, wer mit mehr als zehn Gramm Cannabis polizeilich auffällt. http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2012/03/06/Schweiz/Session/Nationalrat-fuer-Busse-statt-Anzeige-fuer-Kiffer
Vergleichbare Vorschläge wurden bereits im vergangenen Jahrtausend auch in Deutschland vorgelegt und verworfen. In naher Zukunft werden wir nunmehr die Entwicklung in beiden Ländern vergleichend beurteilen, und uns für die bessere Lösung entscheiden können.


Krieg gegen die Drogen (III): Terror und Bürgerkrieg

Bernd Georg Thamm war einer der ersten Experten für Suchtstoffpolitik in Deutschland. Seit 1970 arbeitete er mit Drogenabhängigen, ab 1975 war er Referatsleiter beim Caritasverband Berlin. Inzwischen ist er seit Jahrzehnten freischaffender Spezialist für Terrorismus und organisierte Kriminalität und arbeitet als Fachpublizist und Berater nationaler und internationaler Institutionen, nicht zuletzt der Polizei. Im „Mittler-Brief. Informationsdienst zur Sicherheitspolitik“ veröffentlichte er unlängst einen Übersichtsbeitrag zu den „Kriegserklärungen nichtstaatlicher Akteure“. Eines der Hauptkapitel: Die Macht des Narcoterrorismus. Europa steckt als Hauptabnehmerregion mittendrin in dem Schlamassel, nur knallt es hier nicht so laut. Doch lesen Sie selbst, hier ist der komplette Beitrag: (downloadMittler-Brief)


Krieg gegen die Drogen (IV): Waffenstillstand?

Es fällt selbst konservativen US-Amerikanern und ehemaligen Mitarbeitern äußerst schwer, irgendetwas Positives über Richard Nixon zu verlautbaren. „Tricky Dick“, sein quasi offizieller Spitzname, bewies Zeit seines politischen Lebens eine nicht nur für Präsidenten erstaunliche kriminelle Energie, sondern auch ein sicheres Gespür für rücksichtslose Unternehmungen, die zum Scheitern verurteilt waren: Vietnam, Kambodscha, Krieg gegen die Drogen, Watergate. Unlängst erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Friedensangebot zum Krieg gegen die Drogen, der doch immer und ausschließlich ein Krieg gegen Menschen ist. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/legalitaet-als-letzter-ausweg-machen-wir-frieden-mit-den-drogen-11734267.html und Spiegel-Online aktualisiert wie immer den Bodycount http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/seit-2006-wurden-in-mexiko-67-journalisten-getoetet-a-845032.html


Verbraucherschutz

Wein und Unverträglichkeit

Wenn Sie schon öfter ratlos waren, woher Ihr Hautausschlag kommt oder warum Sie plötzlich Durchfall oder eine verschnupfte Nase haben, dann liefert eine im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichte Studie eventuell die Erklärung: Die Weinunverträglichkeit ist in Deutschland laut Studienergebnissen höher als erwartet: 7,2 % der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer berichteten von einer Unverträglichkeit gegenüber Wein und/oder Allergie ähnlichen Symptomen nach Weinkonsum.
http://www.aerzteblatt.de/archiv/127004/Praevalenz-der-Weinunvertraeglichkeit-Ergebnisse-einer-Fragebogenerhebung-in-Mainz
Da ist es höchst erfreulich, dass die neue Durchführungsverordnung 579/2012 der Europäischen Kommission vom 29. Juni 2012 endlich für erste Aufklärung sorgt. So werden wir demnächst erfahren, dass sich in Wein Sulfite, Milch und Eier sowie aus beiden gewonnene Erzeugnisse befinden. Alles Stoffe, die allergische Reaktionen hervorrufen können. Nunmehr müssen diese auf den Etiketten aufgeführt werden. Die Verordnung gilt für Weine, die vollständig oder teilweise aus Trauben der 2012er Lese und folgender Erntejahre gewonnen und nach dem 30. Juni 2012 etikettiert wurden. Die Piktogramme, Beschriftungsvorschriften und mehr dazu unter:
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2012:171:0004:0007:DE:PDF


Toilettenbenutzung nur für Alkoholkonsumenten?

Der Koblenzer Hauptbahnhof besitzt offenbar eine unglückliche Hand, wenn es um Gutscheine geht.
http://www.rhein-zeitung.de/region/koblenz_artikel,-Nur-wer-Alkohol-bestellt-darf-in-Koblenz-gratis-aufs-Bahnhofsklo-_arid,438376.html
Wir empfehlen: Alkohol für den 11-Jährigen bestellen, dann Anzeige wegen Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz erstatten. Das kann helfen.


Alkoholfrei mit Alkohol

Wohl stellvertretend für alle angeblich „alkoholfreien“ Biere erreichte Clausthalter Classic immerhin den vierten Platz bei der diesjährigen Verleihung des „Goldenen Windbeutels“. An der jährlichen Online-Abstimmung beteiligten sich rund 130.000 Verbraucher/innen. Vergeben wird der Preis von Foodwatch für die „dreisteste Werbelüge“. Platz 4 ist zwar der undankbarste, wie viele Sportler meinen, aber immerhin. Clausthaler Classic enthält 0,45 Vol. % Alkohol und muss deshalb in anderen Ländern als „alkoholarm“ gekennzeichnet werden. Nicht so in Deutschland, wo die Werbung für Alkohol eben derart zügellos ist, dass selbst Getränke mit Alkohol als „alkoholfrei“ angepriesen werden dürfen.
Herzlichen Glückwunsch an Clausthaler und alle anderen Brauereien: Wer ein alkoholisches Getränk als alkoholfrei bewerben darf, der darf wohl so ziemlich alles!
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/goldener-windbeutel-foodwatch-vergibt-negativpreis-an-hipp-a-839601.html


Alkoholtest im französischen Straßenverkehr

Seit dem 1. Juli sind alle Autofahrer/innen in Frankreich verpflichtet, einen Alkoholtest im Wagen mit sich zu führen, der ihnen Gelegenheit geben soll, ihre Fahrtüchtigkeit selber zu überprüfen.
http://www.spiegel.de/reise/europa/frankreich-alkoholtests-fuer-autos-und-motorraeder-vorgeschrieben-a-841942.html
Die scherzhaft nur klingende Frage am Anfang: Wann müssen Autofahrer in Frankreich auch noch ein paar funktionstüchtige Handschellen im Auto deponieren, um sich im Fall des alkoholisierten Fahrens selbst zu verhaften? Ganz im Ernst aber fällt die große Diskrepanz zwischen alkoholbedingten tödlichen Verkehrsunfällen in Deutschland und in Frankreich auf: 31 Prozent in Frankreich - in Deutschland 9,4 Prozent, das ist ein ganz enormes Drama besonders bei den Nachbarn. Dabei wird seit Jahrzehnten immer wieder gerade Frankreich als leuchtendes Beispiel für die gelungene Integration von Alkohol in eine Gesellschaft angeführt. Angeblich, so die Verfechter dieser Phantasie, würden zwar Hinz & Kunz gerade in Frankreich und sogar tagsüber Alkohol zu sich nehmen, aber meist nur das berühmte "Gläschen Wein zum Essen". Sogar sehr junge Menschen verführen so, und dennoch seien die Alkoholprobleme in Frankreich auffallend gering.
Schön wärs. Mit solch nachgerade putziger Propaganda werden, durch nichts belegt, dem Alkohol rund um die Uhr rote Teppiche ausgerollt. "Ein Gläschen", das ist der bekannte Schweizer "Dezi", also ein Zehntel Liter. Auch in Frankreich sind jene Menschen äußerst selten ("blaue Mauritius" wäre hier wohl ein zu doppeldeutiges Bild), die es, einmal mit dem Alkoholtrinken begonnen, bei 0,1 Liter bewenden lassen. Wetten?


Alkoholindustrie und Verantwortung

Die Kampagnen auf der Internetseite www.bier.de (downloadAusschnitt der Startseite) sind ein steter Beweis dafür, dass es Herstellern nicht gelingt, Verantwortung für ihre Produkte zu übernehmen. Derzeit können wir sowohl Beispiele des im Trend liegenden Cross-Media-Marketing beobachten, als auch „Cross-Addiction-Marketing“ erleben: „Komm in die Arcade-Spielhalle und zock‘ gegen Deine Freunde!“ Diese Aufforderung, verbunden mit einem Link „Zur Spielhalle“, ist eine unverhohlene Aufforderung zum Glücksspielen. Die Verquickung von Bier, Glücksspiel und Online-Spielen wendet sich darüber hinaus offensichtlich an vornehmlich männliche Kinder und Jugendliche, da sie deren Sprachgebrauch übernimmt. Der Zugang für Kinder und Jugendliche zu Alkohol und Glücksspiel ist nach dem Jugendschutzgesetz allerdings aus guten Gründen verboten. Große Sorge besteht bei Eltern und Suchtexperten auch hinsichtlich des riskanten Umgangs mit PC- und Online-Spielen. Kinder und Jugendliche müssen vor Glücksspiel geschützt und nicht dazu ermutigt werden. Gesetzlich gibt es gegen die Internetseite keine Handhabe, und erst recht nicht im Rahmen der sog. Selbstregulierung der Alkohol- und Werbewirtschaft.


Entwöhnungsbehandlung und private Krankenversicherung

Immer wieder erreichen uns Anrufe von Privatversicherten, die erstaunt, ungläubig, entsetzt und entrüstet davon berichten, ihre private Krankenversicherung würde die Kostenübernahme einer Entwöhnungsbehandlung ablehnen. Kliniken und Beratungsstellen kennen dies Thema ebenfalls zur Genüge. Wir konnten und können hierzu lediglich anmerken, dass in diesen Fällen eine falsche Versicherung gewählt wurde. Der Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV) formuliert es etwas kälter: „Der Leistungsausschluss der Entwöhnungsbehandlung ist Ausdruck der Vertragsfreiheit, die man für einen Privatvertrag, zu dessen Abschluss keine der Vertragsparteien gezwungen ist, erwarten darf.“
Und hier etwas Grundsätzliches zum selben Problem:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/tarife-der-privaten-krankenversicherer-schuetzen-haeufig-nur-mangelhaft-a-837964.html


Neutrale Zigarettenschachteln

Die französische Regierung will für die EU Zigarettenpackungen ohne Logo und farbliche Gestaltung. Die Schachteln sollten weder attraktiv noch verführerisch wirken http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/51112. Die Tabakindustrie bezeichnet diese Maßnahme als nicht effizient und hat bereits in Australien gegen ähnliche Auflagen zur Packungsgestaltung geklagt.
Dieselbe Strategie hatten die Zigarettenverbände zur Einführung der Warnhinweise auf Zigarettenschachteln versucht. Einerseits wurde behauptet, diese Warnhinweise seien wirkungslos, andererseits wurde eine aufwändige Kampagne gegen deren Einführung durchgeführt. Inzwischen haben mehrere Studien belegt, dass und wie Warnhinweise wirken. Wieder einmal hilft so die „Evaluation durch die Tat“: Mit größter Wahrscheinlichkeit wirksame gesundheitspolitische Maßnahmen sind jene, gegen die Hersteller gesundheitsschädlicher Produkte Klagen androhen oder tatsächlich klagen.


Australien führt Bilder auf Zigarettenschachteln ein

Es sind die weltweit härtesten Auflagen gegen Tabakwerbung - und an ihnen führt jetzt kein Weg mehr vorbei: in Australien dürfen Markenlogos auf Zigarettenschachteln ab Ende des Jahres nur noch im Miniformat zu sehen sein. Stattdessen gibt es drastische Bilder im Großformat. Hier der vollständige Artikel http://www.spiegel.de/wirtschaft/australiens-hoechstes-gericht-bestaetigt-auflagen-fuer-tabakwerbung-a-850082.html.


Spektakuläre Studienergebnisse - und was dahinter steckt

Haben Sie das auch schon gehört: Wein ist gesund. Und Kaffee schützt vor Schlaganfall und Broccoli vor Brustkrebs (und wahrscheinlich ist die Erde doch eine Scheibe). Richtig spektakuläre Studienergebnisse entstehen unter anderem so: www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/medizinische-studien-beruhen-oft-auf-ungeprueften-vermutungen-a-840821.html


Leserpost

Auf die Mütze!

Susann Hartwich schrieb uns nach der auch medial viel beachteten Vorstellung des aktuellen DHS-Jahrbuchs Sucht:
„Guten tag, ich wollte ihnen mal schreiben, wie ich ihre neueste kampagne gegen süchtige empfinde. Wie wäre es, wenn sie mal überlegen, woran die sauferei liegt? Warum so viele perspektivlose kinder u. jugendliche immer früher immer gefährlicher gras rauchen? Anstatt im chor mit ami, dyckmans und co auf betroffenen herum zu kloppen, könnten sie ja mal für solidarität, nachsicht und wärme werben in einer von neid, konkurrenzdenken, egoismus und existenzangst zerfressenen gesellschaft. Wie wärs mit existenzsichernden arbeitsplätzen, fairer, familienfreundlicher wohnraumvergabe und kinderfreundlicher bildungspolitik?? Für mich hat sich jeder verraten, der mit steuererhöhungen argumentiert. Das ist heuchelei. Ich selber bin seit 30 jahren mäßiger, psychisch schwerstabhängiger raucher und hab alles durch: foren, nikotinersatz, allen carr...geht nicht. Sorry. Ich ginge gerne in ein med. entwöhnungsprogramm im hamburger uke. Ich bin kleinstrentner, die 300 euro sind mein problem. Aha! Beschimpfen, anpredigen lassen und zahlen darf ich, um hilfe bitten? Bloß nicht! Und dann soll ich mit fetten strafsteuern ein system stützen, das sich an meinen problemen rollig verdient? Nee. Oder? Mit freundlichem gruß“

Liebe Frau Hartwich: Existenzsichernde Arbeitsplätze, familienfreundliche Wohnraumvergabe und kinderfreundliche Bildungspolitik? Und das dann noch als wirksame Suchtprävention? Da sind wir so ungeteilt Ihrer Meinung, dass ich gar keinen Widerspruch formulieren mag. Nur so viel erlaube ich mir anzufügen: Dass es keine DHS-Kampagne gegen Süchtige gibt oder geben wird. Schließlich befinden wir uns im dritten Jahrtausend, und fast jede/r hat es inzwischen bemerkt.  


Geschenke

Die ausgelobten Bände des „DHS-Jahrbuch Sucht 2012“ gingen an Sabine Hammler (Berlin), Monika Kuckert (Golm), Yvonne Wachtmann (Potsdam), Jürgen Heimchen (Wuppertal), Harald Krusche (Hannover), Peter Semrau (Radolfzell), Herrn van der Werff (Herford) und an das Diakonische Werk (Velbert).

Jeweils ein Exemplar des „Praxisbuch Sucht“ erhielten Fabian Hermes (Nordhorn), Felix Hertel (Freising) und Peter Sottung (Germersheim).

Herzlichen Glückwunsch an alle!

 

Seit nun mehr als drei Jahren verlost die DHS regelmäßig Fachbücher zu Suchtfragen. Auslobungen und Gewinner/innen wurden jeweils im Newsletter bekannt gemacht. Dies wird auch so bleiben. Künftig jedoch findet sich die Verlosung auch auf unserer zentralen Homepage www.dhs.de. Jeweils zu Beginn der Aktion werden Sie wie gewohnt durch unseren Newsletter aufmerksam gemacht.

 

David B. Rosengren - Arbeitsbuch Motivierende Gesprächsführung

Das Interesse an Motivierender Gesprächsführung (MI - Motivational Interviewing) ist in den letzten Jahren enorm gewachsen und hat die Bereiche der Behandlung, der Interventionsentwicklung und der Forschung erfasst. Auch die DHS hat bereits mehrfach Seminare hierzu angeboten. Das Ziel dieses Arbeitsbuches besteht darin, praktische Kompetenz in der Anwendung der Motivierenden Gesprächsführung zu entwickeln. Es enthält zahlreiche anschauliche Fallbeispiele aus unterschiedlichen klinischen Settings sowie Beispielinteraktionen und konkrete Übungen zu bestimmten Aspekten der MI-Praxis. Der Autor ist ein erfahrener MI-Forscher, -Therapeut und -Trainer. Schritt für Schritt wird in die Nutzung der wichtigsten MI-Fertigkeiten eingeführt. http://www.gp-probst.de/buecher/rosengren-motivierende-gespraechsfuherung/rosengren-motivierende-gespraechsfuehrung.html

Wir verlosen drei Exemplare unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 7. September per Postkarte mitteilen. Bitte adressieren Sie Ihre Karte an DHS e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm.


Zum guten Schluss

Axel Prahl, Tatort-Kommissar „aus Münster“ und engagierter Radfahrer, beendete kürzlich ein Interview mit folgendem Wunsch: „Achtet auf Eure Gesundheit, lasst Euch keine Angst machen und genießt Eure Zeit!“.

Besser könnte es auch nicht sagen und verabschiedet sich daher dieses Mal ohne Weiteres

Ihr Dr. Raphael Gaßmann

 
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