DHS - Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
Newsletter 4-2014  

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

als die Zeitschrift Stern im Jahr 1978 die Geschichte der Christiane F. auf ihren Titel und ins nationale Bewusstsein schob, lag die Zahl der sog. Drogentoten bei 430. Im Folgejahr war sie um knapp 50 % auf 623 Menschen gestiegen. Ob und wie sehr das eine mit dem anderen zusammenhängt, lässt sich nicht belegen, doch die deutliche Faszination, die von der medialen Darstellung der jungen Heroinkonsumentin ausging, ist unbestritten. Christiane F., samt Buch zur Geschichte und Film zum Buch, zählt  zu den quasi mythischen Ausgaben des historischen Hamburger Magazins.

Und nun haben sie es wieder getan: Die vergangene Ausgabe betreibt nichts als Werbung für „das gefährlichste Rauschgift der Welt“. „So viel Glück findest du nirgendwo im echten Leben. So viel Glück bekommst du nur beim Dealer“, „Ein Gramm für 20 Euro, manchmal schon für 12. Ein Gramm reicht für locker zehn Portionen.“ „Immer billiger, immer reiner, immer mehr“. „Methamphetamin steigert die sexuelle Leistungsfähigkeit. Es löst Hemmungen und wirkt schmerzlindernd.“ „‘Die nehmen das Zeug und poppen zwei Tage lang durch. Das klappt nicht auf Koks, da wirst du nur arrogant. Auf Crystal geht’s sofort zur Sache.‘“ „Wer Crystal nimmt, will nicht sein Bewusstsein erweitern, der Welt im Rausch entfliehen. Wer Crystal nimmt, will den Körper zu Höchstleistungen peitschen.“ Es scheint, dass ein deutlicherer Verstoß gegen das Werbeverbot des § 14 Abs. 5 BtMG kaum zu konstruieren ist.

Dass in der Titelgeschichte alle üblichen Drogenklischees bedient werden, von der Droge als verschlingendem Monster über die (natürlich) ausländischen Händler, hilflose Bürgermeister, geisterhafte Abhängige, Drogenfahnder als einsame Vampirjäger, all das ist einfach nur der bekannt schlechte Stil. Die knackigen Werbesprüche sind ein ganz anderes Problem. Und auch, dass der Autor den lesenswerten Crystal Meth-Bericht des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung erwähnt, der ganz deutlich und nachvollziehbar von der gleichermaßen überzogenen wie werbewirksamen „Faces of Meth“-Kampagne der US-Bundesbehörden abrät. Und genau diese Fotos selbstverständlich als Dokumente des körperlichen Verfalls durch Crystal nutzt.

Also, lieber Stern, journalistisch war das jetzt nicht ganz so lausig wie Eure Hitler-Nummer, aber die Richtung stimmt. Und wenn Ihr wissen wollt, was die gefährlichste Droge ist, dann riskiert doch mal hier einen Blick:  www.sg.unimaas.nl/_OLD/oudelezingen/dddsd.pdf

Aber Fakten irritieren möglicherweise.

 

 

Inhalt

Dieser Newsletter informiert Sie über folgende Themen:

  • Aus der DHS
  • Veranstaltungen
  • Veröffentlichungen
  • Ausschreibung
  • Wissenschaft
  • Rausch - Sucht - Mittel - Politik
  • Sport
  • Verbraucherschutz
  • Prävention
  • Leserpost
  • Geschenke

Aus der DHS

Suchtprävention in Deutschland: Stark für die Zukunft

Fünf einfache ethische Prinzipien, formuliert in der Europäischen Charta Alkohol, bringen die Anforderungen an eine am Menschen orientierte und fachlich begründete Suchtprävention auf den Punkt:

1. Das Recht auf Schutz in Familien-, Gesellschafts- und Arbeitsleben.
2. Das Recht auf korrekte, unparteiische Information.
3. Das Recht, insbesondere für Kinder und Jugendliche, in einer schützenden Umwelt aufzuwachsen. Dies bezieht den Schutz vor Alkohol- und Tabakwerbung ein.
4. Das Recht auf Zugang zu Therapie und Betreuung.
5. Das Recht, keinem Druck zum Suchtmittelkonsum ausgesetzt zu werden und im abstinenten Verhalten bestärkt zu werden.

Diese schon im Jahr 1995 formulierten Grundsätze für Alkoholpolitik sind noch immer aktuell - und übertragbar auf die Suchtprävention insgesamt. Sie bedürfen allerdings angesichts neuerer Entwicklungen und sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse einiger Ergänzungen und Konkretisierungen. 

Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand der DHS am 3. Juni 2014 das Grundsatzpapier „Suchtprävention in Deutschland. Stark für die Zukunft.“ einstimmig verabschiedet. Ziele der Suchtprävention, Strategien der Verhältnisprävention und Verhaltensprävention, nicht zuletzt die Erfordernisse erfolgreicher Prävention sind dort auf acht Seiten übersichtlich dargestellt. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hegt die Hoffnung, mit dieser fachlichen Positionierung zu einem in Maßnahmen, Wirkungen und Verantwortlichkeiten ausgewogenen Präventionsgesetz beitragen zu können. Das Papier steht zum Download bereit (LINK) und kann ebenfalls in einer Druckversion bei der DHS bestellt werden (info@dhs.de).


An offer to all who would like to help someone close to them

Die Broschüre „Ein Angebot an alle, die einem nahestehenden Menschen helfen möchten - Alkohol, Medikamente, Tabak, illegale Drogen, süchtiges Verhalten“ liegt ab sofort in einer vollständig überarbeiteten englischen Übersetzung vor. Den Download finden Sie hier: http://www.dhs.de/informationsmaterial/broschueren-und-faltblaetter.html. Sie kann kostenfrei - auch in größerer Stückzahl - bestellt werden: http://www.dhs.de/informationsmaterial/bestellung.html

Demnächst wird die Broschüre auch in deutscher, türkischer und russischer Sprache neu erscheinen.


Veranstaltungen

10 Jahre NACOA Deutschland: Kinder aus Suchtfamilien - aus dem Weg vom Schatten ins Licht (Berlin, 5. September 2014)

Seit zehn Jahren arbeitet NACOA Deutschland daran, den „vergessenen Kindern“ von Suchtkranken in Deutschland die Aufmerksamkeit und Unterstützung zu verschaffen, die sie brauchen und verdienen. NACOA lädt ein, dies gemeinsam zu feiern und ungewöhnliche Einblicke in das Thema „Kinder aus Suchtfamilien“ zu erhalten.
http://www.nacoa.de/index.php/neuigkeiten/686-120614-berlin-nacoa-deutschland-begeht-sein-zehnjaehriges-bestehen-mit-einem-fachtag
Die Teilnahme ist kostenfrei.

Das kostenlose NACOA-Beratungstelefon steht mittwochs in der Zeit von 11 bis 13 Uhr allen zur Verfügung, die Beratungsbedarf zum Thema Kinder suchtkranker Eltern haben. Unter der Nummer 030 / 35 12 24 29 berät Dipl.-Soz.-Päd. und systemische Beraterin Mechtild Römer. Beratungstermine außerhalb der Sprechzeit können auch per E-Mail vereinbart werden: roemer@nacoa.de

Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit, die kostenlose NACOA-Online-Beratung zu nutzen. In der NACOA Online-Beratungsstelle können sich Ratsuchende jederzeit über einen sicheren, verschlüsselten Zugang mit dem Beraterteam in Verbindung setzen. https://beratung-nacoa.beranet.info/e-mailberatung.html


30 Jahre NAKOS: Selbsthilfefähigkeiten stärken - Selbstorganisation unterstützen (Berlin, 22. September 2014)

Anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens führt die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) eine bundesweite Fachtagung durch. Die Tagung befasst sich mit der Bedeutung der professionellen Selbsthilfeunterstützung für die Gründung und die Arbeit von Selbsthilfegruppen angesichts gesellschaftlicher und demografischer Herausforderungen. Welche Wege sind heute und künftig geeignet, um die Selbstorganisation von Einzelnen am besten zu unterstützen, die sozialen und gesundheitlichen Ressourcen zu stärken und die Idee der gemeinschaftlichen Selbsthilfe in Gruppen für die individuelle und solidarische Bewältigung von gesundheitlichen und sozialen Problemen tiefer zu verankern? Wie kann die aktive Teilnahme an Selbsthilfegruppen gefördert, wie kann ein selbsthilfefreundliches Klima in verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen geschaffen, wie bei der nachwachsenden Generation weiter verbreitet werden? Und: Ist gemeinschaftliche Selbsthilfe eine hilfreiche Handlungs- und Sozialform für jede und jeden?http://www.nakos.de/site/aktuelles/meldungen/?news_key_:int=9240Die Teilnahmegebühr beträgt 25 Euro.


XXIV. Niedersächsische Suchtkonferenz - Im Dickicht der Hilfesysteme? Versorgungsprobleme und innovative Lösungsansätze zwischen Suchthilfe und Psychiatrie (Hannover, 29. September 2014)

Innerhalb der psychischen Störungen weisen Suchterkrankungen eine hohe Prävalenz auf. Die Betroffenen, und auch diejenigen, die es werden könnten, sind in besonderer Weise auf Beratung, Hilfe, Betreuung und Behandlung angewiesen. Orientiert an diesen Bedürfnissen verfügt das deutsche Suchthilfesystem über ein breites und differenziertes Angebot an Interventionsmöglichkeiten. Aber: Jede positive Wirkung hat auch eine Nebenwirkung, und so ergeben sich aus der Vielfalt des Hilfesystems auch problematische Konsequenzen: Unklare Zuständigkeiten auf Seiten der Leistungserbringer und Kostenträger durch unübersichtliche Rechtsgrundlagen, Schnittstellenprobleme mit anderen involvierten Systemen und damit einhergehende Versorgungsbrüche auf Seiten der Betroffenen, konkurrierende Angebote durch verschiedenartige Leistungserbringer und Parallelstrukturen sind typische Herausforderungen in der Versorgungsrealität. Diese Probleme sind bekannt und die Lösungsansätze heißen: Institutionelle Kooperation, Koordination, Vernetzung und integrierte Behandlungskonzepte.Die XXIV. Nds. Suchtkonferenz greift dieses Thema auf und nimmt insbesondere die Schnittstelle Suchthilfe/Psychiatrie in den Fokus. Weitere Informationen unter www.gesundheit-nds.de/CMS/veranstaltungen/340-im-dickicht-der-hilfesysteme.Teilnahmegebühr: 50 Euro


Deutscher Suchtkongress 2014 (Berlin, 30. September bis 2. Oktober 2014)

Der Kongress bietet ein breites Spektrum wissenschaftlicher Themen von Alkohol über Neuroenhancement bis Biofeedbackbehandlung bei Suchterkrankungen. Die DHS gestaltet im Rahmen des Kongresses ein Symposium zum Thema „Ambulante Rehabilitation Sucht – Ergebnisse und Konzepte”. Die Teilnahmegebühr beträgt 115 bis 260 Euro.http://www.deutschersuchtkongress.de/der-deutsche-suchtkongress.html


Profil zeigen! Soziale Arbeit in der Suchthilfe und -prävention - 3. DG-SAS-Bundeskongress 2014 (Köln, 30. bis 31. Oktober 2014)

Der Kongress beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Berufsidentität - oft geprägt durch Klientenorientierung, Alltagsnähe und Bedarfsorientierung - und wachsender Ökonomisierung. Im Mittelpunkt stehen Kernkompetenz der Sozialen Arbeit in der Suchthilfe, Niedrigschwelligkeit, ambulante und stationäre Rehabilitation, Evidenzbasierung, die Bedeutung der ICF für die Soziale Arbeit und nicht zuletzt drei interessante Coaching-Workshops zur dringend erforderlichen Verbesserung der Public Relation Sozialer Arbeit. Weitere Informationen unter http://www.dg-sas.de/termine.html.
Die Teilnahmegebühr beträgt 30 bis 160 Euro. 


Veröffentlichungen

Gesundheitliche Hilfen für wohnungslose Menschen

Unlängst veröffentlichte der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge sein Empfehlungspapier „Zugänge zu gesundheitlichen Hilfen für wohnungslose Menschen verbessern. Empfehlungen des Deutschen Vereins für eine Kooperation sozialer und gesundheitsbezogener Hilfen“. Nach einer Darstellung der gegenwärtig unbefriedigenden Situation in diesem Arbeitsbereich werden verschiedene zentrale Forderungen begründet. Unter anderem „fordert der DV die Bundesregierung dazu auf, die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung zukunftsweisend auf breiter Basis auszugestalten, um langfristig eine hochwertige, solidarische Gesundheitsversorgung zu gewährleisten und den Zugang aller - auch der hilfebedürftigen und gesundheitlich besonders beeinträchtigten Menschen - zu allen notwendigen Gesundheitsleistungen zu ermöglichen.“
Zudem „empfiehlt der Deutsche Verein, Rahmenbedingungen zu schaffen, um suchtgefährdete und suchtmittelabhängige Menschen bei bedrohten Wohnverhältnissen oder Wohnungslosigkeit wirksamer zu unterstützen. Dabei geht es nicht darum, die vorhandenen Hilfeangebot um weitere Spezialdienste für eine kleine Zielgruppe zu erweitern. Die Lösung liegt vielmehr in der Entwicklung von Kooperationsmodellen, mit denen Anbieter der Hilfen nach §§ 67 ff. SGV XII und der Suchthilfe so zusammenwirken, dass die erforderlichen Hilfen für den Personenkreis personenbezogen zugänglich gemacht und kombiniert werden können.“
http://www.deutscher-verein.de/05-empfehlungen/empfehlungen_archiv/2014/DV-27-13-Empfehlungen-Gesundheitsbezogene-Hilfen


Konferenz der Justizminister/-innen: Zurückstellung der Strafe bei Abhängigkeitserkrankungen

Die 85. Konferenz der Justizminister/-innen hat Ende Juni einen entsprechenden Beschluss getroffen, mit dem langjährige Forderungen der Suchthilfe an wichtiger Stelle in der Politik angekommen sind.
http://www.regierung-mv.de/cms2/Regierungsportal_prod/Regierungsportal/de/jm/Justizministerkonferenz/Beschluesse/index.jsp


Elektrisches Rauchen

Den aktuellen Erkenntnisstand und die gesundheitspolitischen Handlungserfordernisse zu elektrischen Zigaretten und Shishas beschreibt eine aktuelle Veröffentlichung des Deutschen Krebsforschungszentrums.
http://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/FzR/FzR_Informationen_fuer_Schulen_E_Zigaretten_und_E_Shishas.pdf


Aus Österreich online: Suchtprävention in Gebärdensprache

Mit der Informationsplattform www.equalizent.com/suchtinfo wurden erstmals barrierefreie Informationen zum Thema Sucht und Suchtprävention in der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) veröffentlicht. Die Informationen gibt es sowohl zu substanzgebundenen Süchten - zum Beispiel Alkohol oder Kokain - als auch zu substanzungebundenen Problemen. Das Institut für Suchtprävention (ISP) der Sucht- und Drogenkoordination Wien und equalizent, das Qualifikationszentrum für Gehörlosigkeit und Gebärdensprache, haben das Projekt gemeinsam umgesetzt.
Die Gebärdensprache-Videos wurden extra aufbereitet und optimiert, damit die Filme in Gebärdensprache auch über Smartphone angesehen werden können.


Ausschreibung

Angehörige von Menschen mit Suchterkrankungen: Belastungen und Unterstützungsbedarfe

Das Bundesministerium für Gesundheit schreibt ein entsprechendes Forschungsprojekt aus, in dem die Belastungen und der konkrete Unterstützungsbedarf von Angehörigen erhoben werden sollen. Dies soll primär durch qualitative Forschungsmethoden erfolgen, die um quantitative Elemente ergänzt werden können. Der Forschungsprozess soll zudem einen Dialog mit betroffenen Angehörigen einschließen und in einem neuen konzeptuellen Verständnis der Situation von Angehörigen münden. Diese Erkenntnisse sollen Grundlagen für Zugangswege und adäquate Interventionen für Angehörige liefern. Angehörige können dabei im weitesten Sinne definiert sein: sowohl als Verwandte als auch als Personen aus dem persönlichen Umfeld (gute Freundinnen und Freunde, langjährige Kolleginnen und Kollegen). Die systematische Erhebung von Belastungen, Ressourcen und des konkreten Unterstützungsbedarfs Angehöriger kann ggf. auch zur Kontrastierung der Konzepte der Co-Abhängigkeit und des Co-Therapeuten führen. (Nicht gefördert werden Konzepte, zu Kindern aus suchtbelasteten Familien.)
http://www.bund.de/SiteGlobals/Functions/anlage/anlageGenericJSP?docId=988204&view=renderAnlage&contentId=5318160
Die Vorhabenbeschreibungen sollen auf dem Postweg bis zum 12. September 2014 bei dem vom Bundesministerium für Gesundheit beauftragten Projektträger vorliegen. Es wird empfohlen, für die Antragsberatung mit dem zuständigen Projektträger Kontakt aufzunehmen.


Wissenschaft

Nicht schnell genug „gefördert“

Seit Jahrzehnten fördern Alkoholhersteller ehemalige oder von jeher scheinbare Wissenschaftler, die dann als bezahlte  Sprachrohre positive Wirkungen von Alkoholkonsum „nachweisen“. (Dazu gibt es ein eigenes Periodikum: Vinomed). Das Ganze scheint ungefähr so realistisch wie die vormaligen Behauptungen von Zigarettenherstellern, Menthol- oder sog. Light-Zigaretten seien gesund. Spätere Generationen werden den Kopf ebenso über unsere naive Gedankenwelt schütteln, wie wir es für gewöhnlich mit unseren Vorfahren halten. Ein Schritt auf diesem Weg ist eine unlängst vorgelegte Metastudie, die keine Vorteile für Alkoholkonsum ermitteln konnte. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59369
Offensichtlich hat irgendein Konzern oder Verband versäumt, hier rechtzeitig finanziell einzuschreiten.


Diskriminierung mit 70 % Sicherheit

Eine Menge heißer Luft erzeugte unlängst eine EU-finanzierte Studie, die unter Beteiligung deutscher Wissenschaftler entstand und in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurde. Sie ist ein weiterer Fall von peer-reviewter Junk-Science: Die beteiligten Forscher „erarbeiteten ein mehrdimensionales Modell, das Risikoprofile erstellen kann. Es gewichtet genetische Dispositionen, Hirnfunktion und Umwelteinflüsse so, dass eine Prognose mit 70-prozentiger Zuverlässigkeit möglich wird“ (Zitat Pressemeldung). Mittels Untersuchung umfangreicher Langzeitdaten von 700 19 Jahre alten Probanden wollten die Forscher herausfinden „wer zu einem exzessiven Alkoholkonsumenten geworden ist. […] Das Ergebnis: Es kann mit einer 70-prozentigen Zuverlässigkeit vorhergesagt werden, wer im Alter von 16 Jahren Rauschtrinker wird. Das mehrdimensionale Modell zeigt zugleich, dass eine Vielzahl von Gründen dem Rauschtrinken von Heranwachsenden zugrunde liegt. Besonders traumatische (Familien-)Erlebnisse, Mangel an Gewissenhaftigkeit, Zügellosigkeit, eine gewisse Sensationslust und Alkoholtrinken vor dem 14. Lebensjahr erhöhen das Risiko, später zum Rauschtrinker zu werden.“ Ach ja!
Wenn wir einmal die doch recht vagen Begriffe „Mangel an Gewissenhaftigkeit, Zügellosigkeit, gewisse Sensationslust“ in pädagogisch haltbare Formate gießen, ist das Ergebnis nicht wirklich überraschend. Überraschender die nachfolgende Behauptung: „Die Forschungen eröffnen neue Wege, um Teenager vom Alkoholmissbrauch abzuhalten.“ Anketten? Wegsperren? Trauma verbieten? Wir wissen es nicht. Und auch die Wissenschaftler sind noch ratlos: „Als nächstes wollen Sie ihre Datenmengen vertieft analysieren, "um auch den Einfluss von Umweltfaktoren wie Nikotin, Drogen oder psychosozialen Stressfaktoren auf die Entwicklung von Alkoholsucht zu erforschen. Zugleich sollen weitere neurobiologische Faktoren untersucht werden, die in einem Zusammenhang zur Suchtentwicklung stehen können.“ Vielleicht werden in einem dritten Forschungsschritt dann ja auch Umweltfaktoren wie taschengeldverträgliche Alkoholpreise, totale Verfügbarkeit, lächerlicher Jugendschutz und allgegenwärtige Alkoholwerbung mit den Datenmengen in Verbindung gebracht. Wer weiß ...

Wie auch immer: „Ziel ist die Entwicklung eines zuverlässigen Frühtests, der suchtgefährdete Kinder identifiziert und gezielte Prävention ermöglicht.“ Prädikat gruselig. 


Rausch - Sucht - Mittel - Politik

Verantwortungsvoll saufen

Das Thema ist - auch an dieser Stelle - alles andere als neu: Ist Alkoholprävention durch oder mit Alkoholherstellern möglich? Besser nicht - so die langjährige, erfahrungsgestützte Position der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zumindest. Der Grund dafür: Die dramatisch hohen Alkoholkonsumquoten in Deutschland sind nicht „gesundheitsverträglich“ umverteilbar. Das heißt: Weniger ist besser! Dies gilt sowohl für beinahe jede/n einzelnen/e Konsumenten/in wie für den Gesamtabsatz. Eine solche individuelle und gesellschaftliche Konsumreduktion erfordert unter anderem ein realistischeres Bild der enormen gesundheitlichen, sozialen und materiellen Schäden, die mit dem Alkoholkonsum einhergehen. Einer der weltweit führenden Alkoholproduzenten bestätigt nun, dass solch wirksame Prävention mit ihm nicht denkbar ist. Auf der unternehmenseigenen Homepage schreibt Diageo in der Rubrik „Alkohol in der Gesellschaft“:
„Als weltweit führendes Unternehmen von Premium-Getränken liegt unsere höchste Priorität darin, ein positives Bild von Alkohol in unserer Gesellschaft zu vermitteln, was grundlegend für unsere langfristigen Geschäftsinteressen ist.“

Nachfolgend wird dann (wie regelmäßig auch von allen Mitbewerbern) jener ominöse „verantwortungsvolle“ Alkoholkonsum propagiert. Ein Slogan, den man seit vielen Jahren verbreitet, und der an den notorischen deutschen Alkoholproblemen offenkundig nichts geändert hat.


Legal Highs: Deutsche Rechtsprechung vom EU-Gerichtshof aufgehoben

Mit Urteil vom 10. Juli 2014 entschied der Europäische Gerichtshof auf Frage des Deutschen Bundesgerichtshofs, dass sog. „Kräutermischungen“, die synthetische Cannabinoide enthalten, nicht als Arzneimittel eingestuft werden können. tinyurl.com/EU-Gerichtshof-C-8209-358-13 Zwei vorhergehend ausgesprochene deutsche Urteile (mit erheblichen Freiheitsstrafen) gegen Verkäufer solcher Mischungen, sind damit nichtig. Zu der für diese Urteile maßgeblichen Zeit fielen die verkauften synthetischen Cannabinoide nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, so dass ersatzweise auf das Arzneimittelrecht zurückgegriffen wurde. Ausdrücklich betont der EU-Gerichtshof, dass sein Urteil möglicherweise den Vertrieb der fraglichen Stoffe einer Strafverfolgung entzieht, dies jedoch nicht dazu führen kann, dass Substanzen, die weder als Arzneimittel gedacht noch geeignet oder genutzt sind, dem Arzneimittelrecht unterliegen. Es steht zu vermuten, dass der Gesetzgeber nun mit dem Ansatz, nicht mehr einzelne Stoffe, sondern sog. „Stoffgruppen“ zu verbieten, einen Ausweg aus dem Hase-Igel-Dilemma der Legal Highs sucht. Es wird dann möglicherweise ein weiteres Gericht die Frage beschäftigen, ob Dinge verboten werden können, die es (noch) gar nicht gibt - ein rechtsphilosophisch interessantes Thema. www.zeit.de/wissen/2014-07/legal-high-eugh-arznei-urteilhttp://web.de/magazine/gesundheit/alternativmedizin/19114994-verbot-legal-highs-arzneimittelgesetz-gilt-cannabis-ersatz.html


Verwaltungsgericht für Eigenanbau von Cannabis zu therapeutischen Zwecken

Das unmittelbar nach Bekanntgabe viel diskutierte Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts zum Eigenanbau von Cannabis (http://www.vg-koeln.nrw.de/presse/pressemitteilungen/14_140722/index.php, http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59459, http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/cannabis-fuer-schwerkranke-gericht-erlaubt-erstmalig-anbau-a-982244.html) beschreibt, was die Anwendung von Cannabis als Schmerzmedikament angeht, eine Selbstverständlichkeit. Die obsiegenden Kläger leiden unter chronischen Schmerzen, andere Medikamente (Opiate etc.) wurden erfolglos eingesetzt und sie besitzen eine Erlaubnis des Bundesinstituts für Arzneimittel- und Medizinprodukte (BfArM) zum Erwerb und Konsum eines Cannabis-Präparats. Eindeutige Voraussetzungen angesichts des Umstands, dass Cannabis in bestimmten Fällen erfolgreich (und mit i.d.R. geringeren unerwünschten Wirkungen als Opiate) zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden kann. http://web.de/magazine/gesundheit/krankheiten/19148308-krankheiten-cannabis-helfen.html

Das Urteil ist für jene rund 270 Menschen in der Bundesrepublik relevant, die eine Genehmigung des BfArM zum Cannabis-Kauf in der Apotheke besitzen. Der Preis des Produkts gerät dort jedoch einigermaßen absurd hoch und eine monatlich in bis zu vierstelliger Höhe erforderliche Kostenübernahme durch Krankenkassen findet regelmäßig nicht statt. So erhalten also die Begüterten der Schmerzpatienten eine wirksame Therapie auf eigene Kosten. Angehörige des ökonomischen Bevölkerungsdurchschnitts hingegen dürften zwar, können es sich aber nicht leisten. Ihnen bleibt damit in der Regel die Wahl zwischen chronischen Schmerzen und einem regelmäßigen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz - eine höchstproblematische Situation.  Das Kölner Verwaltungsgericht hat in dieser Lage einen medizin- und industriehistorisch bemerkenswerten Weg beschritten und die Versorgung der obsiegenden Kläger sowohl der Suchtmittelmafia wie auch der pharmazeutischen Industrie entzogen. Letztlich ein rein ökonomisches Urteil, das sich zugunsten von Schmerzpatienten gegen unethische Geschäftsmodelle positioniert. Nachdem die Behandlung chronischer Schmerzen im deutschen Gesundheitswesen jährlich mit über 20 Milliarden Euro zu Buche schlägt (http://wegeausdemschmerz.de/fileadmin/pdf/EuropaeischesWeissbuchSchmerz.pdf) und nach (sehr unterschiedlichen) Schätzungen eine größere Millionenzahl von chronischem Schmerz betroffen ist (http://www.neuro.med.tu-muenchen.de/dfns/patienten/Def_chronSchmerz.html, www.schmerzmessen.de/daten-fakten/schmerzen-in-europa.html), dürfte die Legalität eines privat produzierten Schmerztherapeutikums absehbar auch auf höchstrichterlicher Ebene zu klären sein.


Ungarn

Der EU-Mitgliedsstaat mit dem seit Jahren gestörten Verhältnis zu Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten, Meinungsfreiheit und so weiter, hat, wie es sich gehört, die schon hohen Strafen für Drogenstraftaten massiv erhöht. http://www.emcdda.europa.eu/publications/drugnet/86 (den entsprechenden Artikel finden Sie auf S. 5)
Das, so die Europäische Drogenbeobachtungsstelle, erhöht zwar nicht den Gesundheitsschutz der Bevölkerung, war aber wohl im Zuge einer konsequenten Minderheitenverfolgung unerlässlich.  


Sport

Nichts Neues von der FIFA

„Fußball ist zum ‚Big Business‘, zum großen Geschäft geworden.“  Diesen einfachen und klaren Gedanken entwickelte Sir Stanley Rous, seinerzeit FIFA-Präsident, in einem 1970 erschienenen Band zur IX. Fußball-Weltmeisterschaft Mexico 1970 (Deutschland: 3. Platz). Heute ist das etwas anders, zum „Big Business“ kommt im Fall der FIFA inzwischen ihr zweifelhafter Stallgeruch. Dass sie unter allen Umständen dafür Sorge trägt, dass im Rahmen ihrer Veranstaltungen möglichst viel Bier getrunken wird, haben wir bereits berichtet. (http://www.dhs.de/index.php?id=366)

downloadLeserbrief hierzu

Während der unlängst vergangenen Fußball-WM (Herzlichen Glückwunsch an Deutschlands „11 Freunde“) ließ die FIFA zunächst ein brasilianisches Alkohol-Präventionsgesetz kippen, um hernach den eigenen Krokodilstränen so richtig freien Lauf zu gönnen: Jérôme Valcke, FIFA-Generalsekretär, äußerte im brasilianischen Fernsehen, „ihn habe die große Zahl zum Teil schwer betrunkener Fans bei der WM erschüttert und beunruhigt. Ein erhöhter Konsum von Alkohol könne zu mehr Gewalt führen“. Höchstselbst von Blatter wurde eben jener Valcke 2006 lt. Medienberichten wegen Betrugs und Belügen von FIFA-Sponsoren entlassen - und nach einer gewissen Schamfrist wieder in die Clanspitze aufgenommen. Laut „Spiegel“ gab Valcke bei anderer Gelegenheit zu Protokoll, in Diktaturen seien Megaevents leichter auszurichten als in Demokratien. Wir sind aufrichtig gespannt, wie sich der Alkohol-Sport-Verband FIFA und die islamische Diktatur Katar anlässlich der Fußball-WM 2022 einigen. Bislang ist Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit Katars generell verboten. Aber die beiden Clans werden schon eine lukrative Lösung finden.
http://www.spiegel.de/panorama/wm-2014-betrunkene-fans-machen-fifa-sorge-a-978891.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/wm-in-brasilien-hoher-profit-der-fifa-a-974785.html 


Verbraucherschutz

Suchtmittel für Kinder

Immer wieder erleben wir, gleich ob an Litfaßsäulen oder im Internet, aggressives Marketing von Suchtmitteln für Minderjährige. Am Beispiel einer zwischenzeitlich sogar behördlich untersagten Kampagne von Philip Morris haben wir dies unerfreuliche Thema unlängst noch im DHS Jahrbuch Sucht 2014 dargestellt. Als aktuelles Beispiel aus dem Alkoholbereich zeigen wir hier kleine süße Liköre in Kindergeschmacksrichtungen, die von Role-Models für eben diese Zielgruppe präsentiert werden (http://www.kleinerfeigling.de/media/bilder/inhalt/fff-popup.jpg).
Natürlich ist solche Werbung unethisch, und sie widerspricht für den unbefangenen Betrachter auch den Richtlinien des Deutschen Werberats.  Erfahrungsgemäß wird dieser jedoch,  daraufhin angerufen, erläutern, warum weder Produkt noch Plakatmotiv Minderjährige ansprechen sollen und  können. Wir haben es im Rahmen eines EU-Projekts mit einer größeren Zahl von Beschwerden gegen zweifelsfrei jugendbezogene Suchtmittelwerbung getestet und 19 Beschwerden gegen insgesamt 35 Verstöße beim Werberat eingereicht. Erkenntnis: Da können Sie besser die Frösche mit der Trockenlegung des Tümpels beauftragen.  http://www.dhs.de/dhs-international/deutschgerman/abgeschlossene-projekte/ammie.html

Für uns, die wir in dieser Alkoholgesellschaft groß geworden sind und leben, ist all das kaum der Rede wert, weil selbstverständlich. Doch, und sei es für die dereinst erstaunten Nachgeborenen, was zu Anfang des dritten Jahrtausends in Deutschland möglich war, soll schon aus kulturhistorischen Gründen dokumentiert werden: Wir freuen uns also über jede Zusendung und jeden Link zu Drogenwerbung für Minderjährige. Herausragende Beispiele werden wir im Newsletter verlinken und prämieren dies mit einem kostenlosen Exemplar des jeweils aktuellen DHS Jahrbuchs Sucht.


Auch Ärzteschaft fordert Verbot von Alkoholwerbung

Nachdem er im vergangenen Jahr bereits ein umfassendes Tabakwerbeverbot forderte, wie es, anders als in Deutschland, in der EU längst vorhanden sei, spricht sich der aktuelle Ärztetag für ein Verbot von Alkoholwerbung aus. www.unternehmen-heute.de/news.php?newsid=229761


Testkäufe legal

Gegen Testkäufe, mit deren Hilfe die alltäglichen, selbstverständlichen und bislang weitgehend ungeahndeten Verstöße gegen den Jugendschutz aufgedeckt werden, wird von interessierter Seite gerne angeführt, dass diese illegal seien, da Minderjährige zum Gesetzesbruch angeleitet würden. Einmal davon abgesehen, dass diese Rechtsauffassung nicht verfängt, da das Jugendschutzgesetz zwar den Verkauf, nicht jedoch den Kauf unter Strafe stellt, hat die Landesregierung von Oberösterreich in ihrem Landesjugendschutzgesetz eine interessante Rechtslage geschaffen:

„§6 - Testkäufe
(1) Die Landesregierung kann Organisationen, die in der Jugendarbeit oder Suchtprävention tätig sind, beauftragen, Testkäufe durchzuführen. Dabei kann sie die zur ordnungsgemäßen Durchführung von Testkäufen erforderlichen Anordnungen treffen.“
Der Vorteil dieser Regelung dürfte darin liegen, dass Verkaufsstellen jetzt mit häufigeren Kontrollen rechnen müssen, da hierfür nunmehr nicht nur Behörden in Personalnot zuständig sind.


Prävention

Evidenzbasierung in der Suchtprävention

Eine vom Bundesministerium für Gesundheit finanzierte Klausurtagung zu diesem Thema mündete in ein Memorandum zu evidenzbasierter Verhaltensprävention, das unlängst veröffentlicht wurde.

http://www.katho-nrw.de/fileadmin/primaryMnt/KatHO/Bilder/Bilder_zu_Pressemitteilungen/ab_2014/KoelnerMemorandum_EBSP2014.pdf

Der lesenswerte Text enthält interessante Positionierungen: „Ein grundsätzliches Problem ist, dass die Aspekte der Evidenzbasierung und der Evidenzgenerierung in vielen Publikationen zur evidenzbasierten Suchtprävention nicht ausreichend getrennt werden. So wird gefordert, dass ein evidenzbasiertes Projekt einen Wirkungsnachweis erbringen müsste. Dies ist weder semantisch korrekt noch inhaltlich sinnvoll. Evidenzbasierung in der Suchtpräventionspraxis liegt bereits vor, wenn im Rahmen der Konzeptionserarbeitung das verfügbare Wissen aus der Wissenschaft (Theorie und Empirie), der Praxis (Expertise) und den Zielgruppen (Einschätzungen) gewissenhaft, vernünftig und systematisch genutzt wird. Die Generierung von anwendungsorientiertem Wissen erfolgt im Rahmen von Studien und dabei auch auf der Ebene der Wirkungsforschung, die die Effekte der präventiven Maßnahmen auf die Risiko- und Schutzfaktoren, auf die Sucht selbst, auf nicht intendierte (erwünschte und unerwünschte) Nebenwirkungen sowie auf Folgewirkungen (z.B. Einsparung volkswirtschaftlicher Kosten) nachzuweisen versucht.“
Abschließend formulieren die Autor/-innen: „Die Kolleg/-innen in Suchtpräventionsforschung und -praxis wollen wir mit diesem Memorandum ermuntern, in den weiteren Diskurs zum Thema „Evidenz in der Suchtprävention“ einzutreten. Wir wünschen uns, dass hierfür künftige Fachkongresse, Internetforen, bewährte und neue Netzwerke sowie auch neue Formen des Austausches für den Diskurs genutzt werden.“  Mit der unlängst durchgeführten DHS-Selbsthilfekonferenz „Sucht-Selbsthilfe und Prävention“, der DHS-Fachkonferenz 2014 „Suchtprävention für alle. Ziele, Strategien, Erfolge“ (http://www.dhs.de/start/startmeldung-single/article/54-dhs-fachkonferenz-sucht.html) und weiteren Veranstaltungen hierzu im kommenden Jahr werden diese Diskussionen, gerade auch zwischen Praxis und Wissenschaft, von der DHS konsequent gefördert.
Was der Denkschrift noch fehlt: Trotz des umfassenden Titels befasst sie sich ausschließlich mit der Verhaltensprävention Sucht. Verhältnisprävention wird nicht erörtert. So fehlt auch in einer Übersicht der relevanten Bezugsdisziplinen (Medizin, Therapie, Sozialarbeit, Pädagogik, Gesundheitsförderung etc.) ein wesentliches Feld der Gesundheitsprävention: Gesundheitspolitik. Dabei hat gelegentlich einer Diskussion zur Tabakkontrollpolitik bereits die BZgA unlängst Stellung bezogen: „Gesetzliche Regelungen zur Tabakkontrolle haben in Deutschland zweifelsfrei einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Raucherquote bei Jugendlichen zu senken. Aber Gesetze müssen auch kommuniziert, verstanden und akzeptiert sowie im Alltag umgesetzt werden.“ (Quelle: Sucht 60 (3), S. 192). Die Bundesbehörde für Prävention sagt es hier ganz deutlich: Verhaltensprävention ist unverzichtbar. Sie fördert das Verständnis, die Akzeptanz und Umsetzung wirksamer verhältnispräventiver Maßnahmen. In unangetastet gesundheitsschädigenden Verhältnissen jedoch hat sie, wie wir beim Alkohol sehen, kaum eine Chance.


Leserpost

„Sehr geehrter Herr Gaßmann,

ich habe den DHS Newsletter gern gelesen und finde ihn erfreulich informativ. Aber ich habe eine Anmerkung zu Ihrem Artikel "Suchtselbsthilfe frei von Bescherungen der Pharmaindustrie". Sie schreiben in dem o.a. Artikel: "Die Selbsthilfe- und Abstinenzverbände der Suchthilfe tauchen in der Datenbank nicht auf. Hier ist für die Pharmaindustrie nichts umzusetzen (...)".
Mir fällt da sofort ein Gegenbeispiel ein: Der Drogenkurier, der vom JES-Bundesverband (Junkies, Ex-User, Substituierte) 4 Mal jährlich herausgegeben und kostenlos verschickt wird, wird seit langem von der Pharmaindustrie gesponsort, wie in jeder Ausgabe nachzulesen ist (aktuell von "sanofi aventis" und "Reckit Benckiser Pharmaceuticals", früher von "sanofi aventis" und "essex pharma").
Diese Unterstützung entspricht genau dem Profil, das in dem SPIEGEL-Artikel beschrieben wird: die Pharmaindustrie unterstützt/unterhält scheinbar unabhängige Selbsthilfegruppen (=Lobbygruppen), die für den Absatz ihrer Produkte nützlich sind.  Heinrich Elsner beziffert die Kosten allein  für Methadon für 60.000 Substituierte im Jahr 2003  mit mindestens 65.700.000 Euro (in: "Vom Tabu zur Normalität - 20 Jahre Substitution in Deutschland- (...), Lambertus-Verlag, 2005, S. 227). Der Markt für Substitutionsmittel, Urinscreenings, Hepatitis-Behandlung usw. ist lukrativ und insgesamt weit größer, und die Pharmaindustrie hat natürlich ein Interesse, diesen Markt zu erhalten und zu vergrößern. 
Und abgesehen von Selbsthilfeorganisationen nimmt die Pharmaindustrie Einfluss auf die gesamte „Suchthilfebranche", z. B., indem Suchtkongresse und ärztliche Fortbildungsveranstaltungen von ihr gefördert und in ihrem Sinne beeinflusst werden (sonst würden sie es nicht machen!).
Ich stimme Ihnen zu, dass es die "Pille gegen die Sucht" eigentlich  nicht gibt. Aber trotzdem wird immer wieder das Gegenteil suggeriert,  und wenn Betroffene, Hausärzte, Psychiater, Politiker, ... an diese einfache Lösung glauben, sind neue Absatzmöglichkeiten geschaffen. Jüngstes mir bekanntes Beispiel ist Selincro (Nalmefen, Lundbeck GmbH), ein Medikament, das seit 2013 propagiert wird und die Konsumreduktion fördern soll und dadurch die Folgeschäden des Alkoholkonsums mindern soll.
In der Suchtbehandlung werden zahlreiche Psychopharmaka standardmäßig eingesetzt, auch weil Sucht primär als ein medizinisches Problem gesehen wird, und wenn man sich diese Sichtweise zu eigen macht, dann "helfen" Medikamente.
Die Suchthilfe ist insgesamt, ökonomisch gesehen, ein Milliardenmarkt und natürlich spielen bei allen Beteiligten ökonomische Interessen eine entscheidende Rolle. Finde ich jedenfalls.

Mit freundlichem Gruß
Thomas Schulze“


Geschenke

sozialmagazin

sozialmagazin, die Zeitschrift für soziale Arbeit, ist ein Forum für alle sozialpolitischen Themen, für die Fragen der Sozialarbeiter/-innen und die Antworten aus Praxis und Wissenschaft. Jedes Heft kommt mit einem Titelthema, das in Aufsätzen aus Theorie und Praxis beleuchtet wird. Das Magazin deckt einen breiten Bereich sozialpolitischer Fragestellungen ab. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die Jugendarbeit. Autor/-innen sind Sozialpädagog/-innen, Kinderpsycholog/-innen und Sozialarbeiter/-innen. Neue Ergebnisse der Sozialpädagogik und Sozialpolitik werden kritisch zur Diskussion gestellt. sozialmagazin enthält außerdem einen sehr umfangreichen Nachrichten- und Informationsteil mit Kurzberichten zu aktuellen sozialpolitischen Ereignissen, Buch- und Materialrezensionen, Veranstaltungshinweisen und für die Sozialarbeit wichtigen Gerichtsurteilen. Das verständlich geschriebene Magazin ist für Fachleute und für Personen interessant, die sich einen Überblick über die soziale Situation in der Bundesrepublik verschaffen wollen.
http://www.beltz.de/fileadmin/beltz/downloads/JahresregisterZeitschriften/2013/Sozialmagazin.pdf

Wir verlosen ein kostenloses Jahresabonnement der Zeitschrift unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 20. August 2014 per Postkarte mitteilen (Stichwort: sozialmagazin). Bitte adressieren Sie an DHS e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm


Kessl u.a. (Hrsg.) - Prekarisierung der Pädagogik - Pädagogische Prekarisierung? 

Die Beiträge des Bandes diskutieren die zunehmende Prekarisierung pädagogischer Berufe und die damit verbundenen Konsequenzen für die Ausgestaltung professionell-pädagogischer Handlungsvollzüge. Dazu werden theoretische Grundlagen und aktuelle empirische Forschungsbefunde in Bezug auf die Entwicklungen in den zentralen pädagogischen Arbeitsfeldern - der Schule, der Erwachsenen- und Weiterbildung und der Sozialen Arbeit, inklusive der Kindheitspädagogik - präsentiert.  Der Band will den Leser/-innen Vergewisserung bieten: Über die gegenwärtigen Bedingungen und Perspektiven des professionellen pädagogischen Handelns angesichts der zunehmenden sozialen Ungleichheit und zieht daraus disziplin- und professionspolitische Schlussfolgerungen.
http://www.beltz.de/de/verlagsgruppe-beltz/suchen/suchergebnisse.html?q=prekarisierung&a=1&x=0&y=0

Wir verlosen zwei Exemplare unter all jenen, die uns ihr Interesse bis zum 20. August 2014 per Postkarte mitteilen (Stichwort: Prekär). Bitte adressieren Sie an DHS e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm


Drogenkonsum und Führerschein

Die drogenpolitische Säule „Repression“ stützt sich nicht zuletzt auf Führerschein-Entzüge. Anders als beim Alkohol ist die Wiedererlangung des Führerscheins beim Konsum illegaler Drogen zwingend an den Nachweis dauerhafter Abstinenz gebunden. Verhindert werden soll also nicht ausschließlich die Verkehrsteilnahme unter Drogeneinfluss, sondern jeglicher Konsum illegaler Drogen überhaupt. Viele Beratungsstellen sind regelmäßig mit dieser Problematik befasst. Zur Unterstützung ihrer Arbeit verlosen wir (ausschließlich) für vier Einrichtungen der Suchthilfe jeweils einen MPU-Ratgeber: „Drogen. Führerschein (fast) weg?“ der Drogen- und Jugendberatungsstelle Lörrach und ein Exemplar Theo Pütz „Cannabis und Führerschein“ aus dem Nachtschatten Verlag.
www.drogenberatung-loerrach.de
www.nachtschatten.ch

Bitte teilen Sie uns Ihr Interesse per Postkarte (mit Stempel Ihrer Einrichtung und Stichwort „Führerschein“) bis zum 20. August 2014 mit und adressieren an DHS e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm


Die vorausgehend ausgelobten Bände „Jahrbuch Sucht“ gingen an Bernd Duismann (Filderstadt), Martina Tranel (Georgsmarienhütte) und Dr. Jürgen Zähringer (Ravensburg). Die Bände „Politik Sozialer Arbeit“ gingen an Kilian Frey (Tübingen) und Petra Rall (Schorndorf). „Herausforderung Trauma“ gewannen Priska Behringer (Sölder-Freiburg), Christiane Holdt-Wehmann (Wernigerode) und Petra Juhn (Pforzheim). Die ausgelobten DVD’s „Pendler“  erhielten Helena Conrad (Angermünde), Martin Orlicek (Köln), Sören Paul (Dresden), Rainer Siedelberg (Schwerin) und Julia Vogt (Schweinfurt). Allen Gewinnerinnen und Gewinnern herzlichen Glückwunsch! 


Und dass die Sonne scheint, am Himmel und im Gemüt, wünscht Ihnen allen

Dr. Raphael Gaßmann
Geschäftsführer

 

 

 

Haftungshinweis:

Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

 

 

 
Sie erhalten diese Nachricht,
weil Sie mit Ihrer E-Mail-Adresse
bei uns registriert sind.
 
Möchten Sie in Zukunft keine Newsletter mehr erhalten
oder Ihre E-Mail-Adresse ändern, klicken Sie bitte hier:
Newsletter abbestellen oder Profil bearbeiten
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. – Westenwall 4 – 59065 Hamm – Telefon +49 2381 9015-0
Impressum     Kontakt