DHS - Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
Newsletter 7-2011  

Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

warum wird der eine Trinker (Kiffer, Raucher, Kokser) abhängig – und der andere nicht? Lange ist es her, dass diese Frage von einer Mehrheit mit pädagogischen, politischen, sozialen oder gar philosophischen Faktoren erklärt wurde. Spätestens seit den 90er Jahren aber haben Laborverfahren die Oberhand gewonnen. Bilder von aktiven Hirnregionen und insbesondere Genanalysen wollten und sollten Suchtursachen mit einer nahezu mathematischen Vorhersagbarkeit beschreiben, die geisteswissenschaftlichen Ansätzen angeblich fremd ist. Die Suche nach dem „Sucht-Gen“ wurde bereitwilliger gefördert, als die Verbesserung sozialer und ökonomischer Lebensbedingungen. Inzwischen aber wird klar: Nicht nur unsere Gene steuern uns, sondern wir steuern unsere Gene. Lebenslang sind sie empfänglich für auf äußere Einflüsse. Und damit kommt, so ein höchst interessanter Beitrag aus dem Bereich der Epigenetik, die noch vor kurzem von Naturwissenschaftlern als schmückendes Beiwerk angesehene Erziehung zu ihrem Recht.

http://www.spiegel.de/spiegelwissen/0,1518,783336,00.html

Selbst wer in der Kindheit vom Leben gebeutelt wurde, hat die Chance, eine stabile Persönlichkeit zu entwickeln – das ist doch einmal eine wirklich frohe Botschaft zum Advent.

 

Inhalt

Dieser Newsletter informiert Sie über folgende Themen:

  • Aus der DHS
  • Veröffentlichungen
  • Online
  • Veranstaltung
  • Ausschreibungen
  • Rausch - Sucht - Mittel - Politik
  • Geschenke
  • Zum guten Schluss

Aus der DHS

Suchthilfe und Suchtpolitik International – Was haben wir von Europa und Europa von uns?

Vom 14. bis 16. November fand in Hamburg die 51. Fachkonferenz der DHS zum Thema „Europa“ statt. Der Einfluss Europas und der Europäischen Union wird nicht nur in Politik und Wirtschaft sondern auch in der Diskussion über die deutsche Suchtpolitik und Suchthilfe immer bedeutsamer. So konnten sich die ca. 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses im Rahmen zahlreicher Referate und Diskussionen sowie in elf multidisziplinär ausgerichteten Foren über ein breites Spektrum EU-bezogener Themen (z.B. Forschung, Prävention, Selbsthilfe, therapeutische Verfahren, Finanzierungsgrundlagen und EU-geförderte Projekte) informieren und austauschen. Die Veranstaltung wurde erfolgreich evaluiert.


Evaluation der Aktionswoche Alkohol 2011

Die erste Aktionswoche Alkohol der DHS fand im Jahr 2007 statt und trug noch den Titel „Suchtwoche“. Das damalige Motto: „Alles klar?! Alkohol – Verantwortung setzt die Grenze“. Inzwischen hat die DHS in ihrer Präventionsarbeit von Aufforderungen zum „verantwortungsvollen Konsum“ Abstand genommen, da der Begriff vollständig offen lässt, welches konkrete Verhalten denn nun empfohlen wird. Um es an einem Beispiel extrem deutlich zu machen: Der Alkoholabhängige im schlimmsten Stadium seiner Krankheit wird seinen Konsum deshalb als „verantwortlich“ bezeichnen können, weil er es vermeidet, betrunken am Straßenverkehr teilzunehmen. Ein anderes Beispiel? Glücksspielanbieter propagieren in dem, was sie als Spielsuchtprävention bezeichnen, das „verantwortungsvolle“ Spiel. Was das sein soll, weiß nun wirklich niemand, und niemand definiert es. Aber kann es in irgendeiner Weise verantwortungsvoll sein, sein Geld in Glücksspiele zu investieren, die mittel- und langfristig absehbar der Spielveranstalter gewinnt? Sogar Börsenspekulation ist dagegen eine sichere Sache.

Wie auch immer: Erstmals 2011 wurde die DHS-Aktionswoche Alkohol 2011 (und anders als viele andere Präventionsansätze) evaluiert. Dabei stand nicht nur das aktuelle Motto „Alkohol? Weniger ist besser!“ im Mittelpunkt unseres Interesses. Hier einige Ergebnisse: 30% aller Veranstalter waren Beratungsstellen, knapp 20% Selbsthilfegruppen und 13% Betriebe. Über 80% der befragten Veranstalter waren mit der diesjährigen Aktionswoche zufrieden. 90% der Befragten können sich zudem vorstellen, an der nächsten Aktionswoche wieder teilzunehmen. Das Motto „Weniger ist besser“ fand bei 88% der Befragten Zustimmung, das Material – insbesondere die Z-Cards – wurden als sehr ansprechend und sinnvoll eingeschätzt. Es wird insgesamt ein sehr positives Fazit gezogen, das uns bestärkt, die Aktionswoche Alkohol erneut zu organisieren. Für die aufwändigen und hilfreichen Befragungen danken wir allen Beteiligten Studierenden der Universität Hildesheim und Prof. Dr. Renate Soellner.


Veröffentlichungen

Substanzbezogene Störungen am Arbeitsplatz – Eine Praxishilfe für Personalverantwortliche

Auch ein ‚Standard‘ muss nach zehn Jahren erfolgreichen Einsatzes erneuert werden. Die DHS-Broschüre für Führungskräfte wurde vollständig überarbeitet, sämtliche Inhalte aktualisiert und im Anhang finden sich Musterbetriebsvereinbarungen. Die Broschüre (Bestellnummer 33240000) kann bei der DHS http://www.dhs.de/infomaterial/bestellung.html oder bei der BZgA http://www.bzga.de/infomaterialien/suchtvorbeugung/?addinfo=1 kostenfrei bestellt werden (max. 10 Exemplare). Download: http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/SubStoerArbeitsplatz_web.pdf


Substanzbezogene Störungen im Alter – Informationen und Praxishilfen

Diese Broschüre wurde erstmals zum DHS-Schwerpunktjahr 2006 „Unabhängig im Alter – Suchtprobleme sind lösbar“ veröffentlicht. Auch mit der aktuellen, vollständig überarbeiteten und neugestalteten Auflage, sind die wichtigsten Daten und Fakten zum Thema Alter und Substanzprobleme mit Alkohol, Medikamenten und Tabak leicht zugänglich. Darüber hinaus werden in der 100-seitigen Broschüre Informationen für Angehörige, Freunde und die verschiedenen Gesundheitsberufe angeboten und Gespräche über Substanzprobleme angeregt (u. a. mit Kopiervorlagen). Die Broschüre (Bestellnummer 33240001) kann bei der DHS http://www.dhs.de/infomaterial/bestellung.html oder bei der BZgA http://www.bzga.de/infomaterialien/suchtvorbeugung/?addinfo=1 kostenfrei bestellt werden (max. 10 Exemplare). Download: http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/Substanzbezogene_Stoerungen_im_Alter_2011.pdf


rauchfrei! - Informationen. Tests und Tipps zum Thema Rauchen und Nichtrauchen

Die DHS-Broschüre für den individuellen Weg in die Rauchfreiheit kann wieder bestellt werden. In Anlehnung an das Transtheoretische Modell der Verhaltensänderung (TTM) werden alle Leser und Leserinnen in den verschiedenen Stadien ihrer Aufgabebereitschaft motiviert, den eigenen Konsum zu überdenken und neue Schritte zur Rauchfreiheit zu gehen. Damit eignet sich die 28-seitige Broschüre ausgezeichnet zur Weitergabe an alle Noch-Raucher. Die vollständig überarbeitete Neuauflage wird gemeinsam mit der BARMER GEK herausgegeben und ist bei der DHS kostenfrei erhältlich. externer Link in ein neues Browserfensterhttp://www.dhs.de/infomaterial/bestellung.html

externer Link in ein neues Browserfensterhttp://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/2011_DHS_rauchfrei_WEB_26_10_11.pdf


Broschüren zum Medikamentenproblem

Zur kostenfreien Bestellung stehen Exemplare der DHS-Broschüren zum Thema Medikamente zur Verfügung:

Immer mit der Ruhe - Nutzen und Risiken von Schlaf- und Beruhigungsmitteln.

Die Broschüre thematisiert Wirkungen und Gefahren der Benzodiazepine und gibt Hinweise und Hilfen bei Missbrauch und Abhängigkeit.

Nicht mehr alles schlucken! - Frauen. Medikamente. Selbsthilfe.

Selbsthilfegruppen sind im Suchtbereich häufig die erste Anlaufstelle für Betroffene. Das Handbuch richtet sich insbesondere an Selbst- oder Mitbetroffene, die eine Gruppe für Frauen mit Medikamentenproblemen aufbauen wollen.

Bestellungen unter: http://www.dhs.de/infomaterial/bestellung.html

Die Downloads der Broschüren finden Sie hier:
externer Link in ein neues Browserfensterhttp://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/Immer_mit_der_Ruhe.pdf

http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/Nicht_mehr_alles_schlucken.pdf


Neuer Band zur „Substitutionsbehandlung“ – Beispiele guter Praxis

Die HerausgeberInnen Inge Höhnekopp und Heino Stöver haben Beispiele „Guter Praxis“ der Substitutionsbehandlung zusammengetragen. Ziel der PraktikerInnen, die dieses Buch geschrieben haben, ist es, auf patienten- und arztgerechte Behandlungsmodalitäten aufmerksam zu machen. Durch die dargestellte innovative Praxis werden erweiterte Handlungsspielräume in der Substitutionspraxis aufgezeigt. Ein gut lesbarer Band von PraktikerInnen für PraktikerInnen. http://www.lambertus.de/default.asp


REITOX Jahresbericht für Deutschland 2011

Am 15.11.2011 wurden die Jahresberichte der deutschen und der europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD und EBDD) in Berlin bzw. Lissabon vorgestellt. Die Pressemitteilungen sowie die veröffentlichten Berichte selbst sind über die Internetseite der DBDD verfügbar: www.dbdd.de

Die Jahresberichte beschreiben neue Entwicklungen, Trends und die aktuelle Drogensituation für Deutschland und Europa. In Deutschland ist der Konsum illegaler Drogen insgesamt stabil, in einigen Bereichen – z.B. dem Cannabiskonsum junger Menschen – leicht rückläufig. Auf europäischer Ebene befasst sich der Jahresbericht der EBDD (www.emcdda.eu) intensiv mit Veränderungen im Konsum von Opioiden.

Der diesjährige Jahresbericht der DBDD beschreibt in zwei Sonderkapiteln die „Drogenbezogene Gesundheitspolitik und Gesundheitsförderung in Haft“ sowie „Drogenkonsumenten mit Kindern“.
http://www.dbdd.de/images/2011_Pressekonferenz/reitox_report_2011_dt.pdf


Daten des Gesundheitswesens 2011

Die unlängst vorgestellten 20 häufigsten Hauptdiagnosen der vollstationär behandelten Patienten in Deutschland sind an trauriger Eindeutigkeit nicht zu überbieten. Weit mehr noch als die speziellen Daten der stationären Aufnahmen im Alkoholdelir belegt die ICD-10-Diagnose aller stationär behandelten Patienten das Ausmaß des Problems: 249.250 Männer wurden im Jahr 2009 mit der Diagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol“ stationär behandelt – dies ist Platz 1 aller Behandlungsanlässe. Bei den Frauen bringt es dieselbe Diagnose mit 89.842 Betroffenen auf Platz 16 der Rangliste.
externer Link in ein neues Browserfensterhttp://www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Publikationen/Ministerium/Broschueren/Broschuere_Daten_Gesundheit_2011_Internet_110818.pdf


 

 

 

Online

 

Online-Datenbank zu Tabakprävention und Tabakentwöhnung

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit eine Online-Datenbank zu Projekten der Tabakprävention und Tabakentwöhnung eingerichtet.

Diese Datenbank soll die Arbeit derjenigen erleichtern, die entsprechende Präventionsprojekte oder Kampagnen durchführen oder planen. Sie bietet einfachen und unbürokratischen Informationsaustausch über praktikable und erfolgreiche Lösungen und Verfahrensweisen in der Tabakprävention und Tabakentwöhnung und unterstützt Kommunen, Länder und den Bund sowie Gesundheitsberufe, Krankenkassen, Verbände und Nichtregierungsorganisationen.

Informationen zur Datenbank und zum online-Fragebogen finden Sie unter www.projekte-tabakpraevention.de.


Lobbykratie-Medaille für Glücksspiel-Milliardär

Unter den diesjährigen Kandidaten für die Lobbykratie-Medaille führt Lobbycontrol auch die Gauselmann AG. Nachdem die Änderung der Spielverordnung im Jahr 2006 ein voller Erfolg für das Glücksspiel-Imperium war, könnte auch diese Preisverleihung ein Erfolg werden. Die Begründung jedenfalls ist lesenswert.  http://www.lobbycontrol.de/blog/index.php/2011/11/gauselmann/
Stimmabgabe noch bis zum 1. Dezember 2011 online möglich.


Veranstaltung

 

Essstörungen und Suchterkrankungen

Vor allem bei Frauen häufig vertreten ist die Kombination einer Abhängigkeitserkrankung mit einer Essstörung. Ein besonderes Therapiekonzept dazu stellt die salus klinik Lindow in ihrer (kostenfreien) Jahrestagung am 30.11.2011 vor. http://www.salus-kliniken.de/lindow/ueber-uns/aktuelles/146


Ausschreibungen

Seit Jahren werden rund 20 % der gut eine halbe Million Ausbildungsverträge in Deutschland vorzeitig gekündigt. Auch wenn anschließend ein großer Teil der Jugendlichen eine Ausbildung in einem anderen Betrieb aufnimmt oder in eine schulische Ausbildung wechselt, schaffen 30 % von ihnen keinen Neustart - mit allen negativen Folgen für ihre berufliche und soziale Zukunft. Ein bisher wenig beachtetes Problem in diesem Zusammenhang ist der Suchtmittelkonsum in der Ausbildung. Daher hat das Bundesministerium für Gesundheit eine Studie ausgeschrieben, die im Frühjahr 2012 beginnen soll. Bewerbungsschluss ist der 20. Dezember 2011externer Link in ein neues Browserfenster. http://www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/Bekanntmachungen/A/Alkohol_und_Drogen/Bekanntmachung_Alkohol_und_Drogen_als_Risikofaktoren_fuer_einen_erfolgreichen_Ausbildungsabschluss.pdf


Anthologie Spielsucht

Der Arbeitskreis gegen Spielsucht e.V. schreibt das Anthologieprojekt „Bunte Lichter – Dunkle Schatten“ aus. Der Band soll dazu beitragen, die komplexe Thematik des Glücksspiels darzustellen und für eine allgemeine Öffentlichkeit erfahrbar zu machen. Der Arbeitskreis wünscht sich eine breite Palette literarischer Texte, die die Themen Glücksspiel und/oder Glücksspielsucht aus verschiedenen Blickwinkeln aufgreifen. Auch der Nachbar von nebenan soll verstehen können, was betroffene Spieler und Suchtexperten bereits wissen.

Pro Autor/Autorin kann ein Prosa-Text eingereicht werden. Es wird ausdrücklich eine literarische Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht. Der Focus richtet sich nicht auf Bekennertexte. Auch bereits veröffentlichte Textbeiträge sind zugelassen.

Die Jury wird unter allen Veröffentlichungen drei Siegertexte küren, die – im Rahmen einer Veranstaltung – mit 2.000, 1.000 und 500 Euro prämiert werden. Einsendeschluss ist der 15. Februar 2012 (Poststempel). Die Texte bitte per Post an: Arbeitskreis gegen Spielsucht e.V., Stichwort: Anthologieprojekt, Südring 31, 59423 Unna



Rausch - Sucht - Mittel - Politik

Alkohol – Prävention und Evaluation

DIMDI, das Deutsche Institut für medizinische Dokumentation und Information, veröffentlichte jüngst seinen Bericht zur Prävention des Alkoholmissbrauchs von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Hierfür unternahm das Institut eine systematische Literaturrecherche in 34 Datenbanken und wählte aus 401 gefundenen Studien 59 zur genaueren Analyse aus.

Die Mehrzahl der Studien stammt aus den USA, neun Studien sind aus Deutschland. Als wirksam erwiesen sich ein Familieninterventionsprogramm, personalisierte computergestützte Interventionen an Schulen und Universitäten, kurze motivierende Interventionen und zentrale Elemente der Verhältnisprävention.

Gerade aber verhältnisbezogene Maßnahmen, z.B. Steuer- und Preiserhöhungen, Verkehrskontrollen und Kontrollen des Verkaufspersonals, Einschränkungen der Zugriffsnähe und Werbemöglichkeiten (Displays, Aufsteller) für alkoholische Getränke weisen eine hohe Effektivität auf. Traditionelle (universelle) Medienkampagnen sowie Informations- und Erziehungsprogramme an Schulen erwiesen sich nicht als effektiv.

Der Bericht zeigt die Notwendigkeit der Entwicklung spezifischer und zielgruppenorientierter Präventionsmaßnahmen für den deutschen Kontext. Dazu gehören die verbindliche Definition von Zielgrößen (Reduktion des Konsums, Änderung des Verhaltens) sowie eine verbindliche Definition und empirische Bestimmung riskanten Alkoholkonsums. Vor der Einführung von Präventionsmaßnahmen (so DIMDI) sollte deren Wirksamkeit eindeutig belegt sein, was gegenwärtig nur selten der Fall ist. http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta309_bericht_de.pdf

Tatsächlich gibt es zunehmende und wirksame Bestrebungen, die von DIMDI als aussichtsreich dargestellten Strategien umzusetzen. So gewinnt die Idee der nächtlichen Verkaufssperre für Alkoholika in Deutschland und auch darüber hinaus beinah täglich neue Anhänger. So etwa in Frankreich und der Schweiz: downloadBlaues Kreuz CH

Und seit wenigen Jahren erst wissen wir aus Erfahrungen in Deutschland, dass Alkoholtestkäufe zum Monitoring des Jugendschutzes nur dann sinnvoll sind, wenn sie kontinuierlich wiederholt und Verstöße konsequent geahndet werden. Die Erfahrungen in der Schweiz reichen deutlich länger zurück und sind eindeutig. Bei 85 Testkäufen im Jahr 2000 wurden 83,5 % Verstöße gegen den Jugendschutz festgestellt. Bei 4.920 Testkäufen im Jahr 2010 zeigten sich noch 26,8 % Verstöße. Dieses Viertel ist dramatisch genug, doch der kontinuierliche Rückgang der Verstöße macht deutlich: Vertrauen ist gut – ohne Kontrolle aber ist der Jugendschutz das Papier nicht wert…
downloadAlkohol in Zahlen 2011, Eidgen. Alkoholverwaltung


Schadensminimierung bei illegalen Drogen

Die klassischen Maßnahmen der Schadensminimierung für abhängige Drogenkonsument/innen finden sich immer wieder in Frage gestellt. Gerade Drogenkonsumräume und Spritzenvergabe sehen sich häufig in Rechtfertigungszwang, wo doch ihre positiven Wirkungen vielfach bewiesen sind. Fixpunkt Berlin hat einen Bericht zur Evaluation der Spritzenvergabe in der Hauptstadt vorgestellt und resümiert im Titel der Untersuchung auch gleich deren Ergebnis: „Eine effektive Maßnahme der HIV-/Hepatitis-Prävention“. http://www.dgsuchtmedizin.de/fileadmin/documents/dgs-info_56/Fixpunkt_Evaluation_Spritzenvergabe_in_Berlin_2011.pdf

Auch die Effekte der Drogenkonsumräume wurden für Deutschland untersucht. Das pragmatische Resümee: „Gesundheitsförderndes Angebot der Drogen- und Aidshilfe auf der Grundlage eindeutiger Rechtsverordnungen“.
http://www.akzept.org/pdf/aktuel_pdf/DKR07web.pdf


Bierathlon – im Verein am schönsten?

In der Jugendabteilung eines Tischtennisclubs aus Sinsheim im Rhein-Neckar-Kreis entstand die ziemlich abseitige Idee zum „1. Kraichgau Bierathlon“. Schon zuvor hatte der WSC Erzgebirge Oberwiesenthal einen ebenfalls „Bierathlon“ genannten Biathlon Wettbewerb für trunkene Ex-Weltmeister durchgeführt. Doch dass die Idee in Sinsheim dann gleich von Jugendlichen imitiert wurde, ging selbst für die lässigen deutschen Verhältnisse ein wenig zu weit. Das Sportbesäufnis wurde abgesagt - nach massiven Protesten auch und gerade aus dem Bereich der Suchthilfe. Und selbst jene Brauerei, die schon entsprechende Einladungsbroschüren bezahlt und Bierfässer für die Gewinner des „Wettbewerbs“ geliefert hatte, distanzierte sich. (http://www.stimme.de/suedwesten/nachrichten/vm/Freizeit-Jugendliche-Sport-Sportliches-Saufgelage-Brauerei-distanziert-sich;art19068,2207615).
„Sportlich Alkohol missbrauchen?“ – die Presse war zu schlecht.


„Ficken“ – Alkoholfirma führt Selbstregulierung vor

Wer als Jugendlicher viel Werbung für Alkohol sieht, beginnt früher zu trinken, trinkt mehr und hat auch insgesamt eine deutlich positivere Meinung vom Alkoholkonsum als Gleichaltrige, die wenig Alkoholwerbung sehen. Es mangelt nicht an wissenschaftlichen Studien, die diese Zusammenhänge nachweisen (http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Factsheets/100318__Factsheet_ALKOHOL_u_WERBUNG_DIN.pdf).

Viele Experten vertreten daher die Auffassung, es müsse rechtsverbindliche Regelungen für Alkoholwerbung geben, um die Verführung der Jugend zum riskanten Alkoholkonsum wirksam zu begrenzen. In vielen europäischen Ländern (Frankreich, Polen u.a.) wird dies längst erfolgreich praktiziert. So werden Inhalte (z.B. nur Produktinformationen) oder Umfang und Platzierung beschränkt (z.B. keine Alkoholwerbung im Umfeld von Schulen und Jugendeinrichtungen).

Solche gesetzlichen Regelungen fehlen in Deutschland nach wie vor. Stattdessen existiert ein Verhaltenskodex für die Bewerbung alkoholischer Getränke, dessen Einhaltung vom Deutschen Werberat überprüft wird.

Wie wirkungslos dieses Verfahren tatsächlich ist, zeigt der Fall „Ficken“, ein Getränk der „EFAG Trade Mark Company“. EFAG wurde im Jahr 2008 vom Deutschen Werberat öffentlich gerügt (http://www.werberat.de/content/pm_20081104.php). Der Grund: „Das Unternehmen verstoße mit der Bewerbung seines Likörs namens Ficken mehrfach gegen die Grundsätze des Deutschen Werberats“.

Doch des ungeachtet wird das Getränk weiterhin verkauft und beworben. http://www.partyschnaps.com/home.html Inzwischen funktioniert der Name „Ficken“ sogar derart gut, dass der Hersteller ihn schützen lässt http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,786086,00.html. Zwar hatte das Patentamt den Eintrag ins Markenregister zunächst verweigert, doch vor dem Bundespatentgericht bekam der Hersteller Recht. Der Markenname gehört nun dem Hersteller und erstreckt sich auf Kleidung, Mineralwasser und Fruchtgetränke sowie alkoholische Getränke. Toll! – Oder?


Geschenke

Der ausgelobte Band „Flaschenpost nach irgendwo – ein Kinderfachbuch für Kinder suchtkranker Eltern“ ging an Ingeborg Brandt (Trier), Anke Goddar (Lörrach), Nicole Lehmann (Crailsheim) und Michael Bergmann (Chemnitz). Herzlichen Glückwunsch!

Klaus Hinze und Annemarie Jost haben (bereits vor 5 Jahren) im Lambertus-Verlag den Band „Kindeswohl in alkoholbelasteten Familien als Aufgabe der Jugendhilfe“ veröffentlicht (http://www.lambertus.de/default.asp). Aus Sicht der Suchthilfe ist diese Veröffentlichung besonders interessant, weil sie eben die Erfahrungen und Sichtweisen der Jugendhilfe zum Ausgangspunkt nimmt. Der Band stützt sich auf Projekte, in denen Handreichungen und Empfehlungen für die Praxis der Jugendhilfe, nicht zuletzt für die Kooperation zwischen Jugend- und Suchthilfe entwickelt wurden. Er geht an die/den erste/n Anrufer/in, die/der uns als erste/r am kommenden Donnerstag, 01.12.2011, ab 10.30 Uhr unter 02381 / 9015-15 in dieser Sache anruft.

Bereits vor 20 Jahren erschien von Michael Schwarzkopf „Alkoholabhängigkeit, Entstehung, Behandlung und Vorbeugung unter didaktischer Perspektive“ im Verlag für Angewandte Psychologie. In dem Band werden theoretische Konzepte entwickelt und anschließend in systematisch aufeinander aufbauenden Schritten in Behandlungs- und Therapiemodelle umgesetzt. Es handelt sich, so Schwarzkopfs damaliger Doktor-Vater Hurrelmann, „um eine selten gelungene Mischung von wissenschaftlicher Analyse und praxisrelevanter, allgemein verständlicher Darstellung“. Zwei Exemplare dieses fast schon historischen Werks vergeben wir an jene ersten Anrufer, die sich am kommenden Donnerstag, 01.12.2011 ab 15.00 Uhr deshalb unter 02381 / 9015-15 bei uns melden.

Und auch in diesem Jahr wieder können wir den (weil Prototyp) weltweit nur ein einziges Mal existierenden Taschenkalender 2012 (Format 8,5 x 15,5 x 0,5 cm) mit der, hier korrekt wiedergegebenen, jedoch fehlerhaft ausgeführten Prägung „Beste Empfehlung Deutsche Hauptstelle für Suchfragen E V DHS“ verlosen. Dies überaus rare Werk erhält Der- oder Diejenige, der/die sein/ihr Interesse als Erste/r am kommenden Donnerstag, 01.12.2011, um 15.00 Uhr unter 02381 / 9015-13 bekundet.


Zum guten Schluss

Angeblich für rund 300 Millionen Euro wird in der Fußballbundesliga jährlich Alkoholwerbung geschaltet. Dies entspräche etwa einem Drittel des gesamten Alkoholwerbeetats in Deutschland. Kaum verwunderlich, dass bislang viele Funktionäre und Vereine durch ihr großes Engagement für Alkohol unangenehm auffallen. Die einschlägigen Verlautbarungen erwecken meist den Eindruck, als könne in Deutschland ohne Bier kein Fußball gespielt werden.

Unlängst nun hat DFB-Präsident Theo Zwanziger, wofür ihm auf keinen Fall auch nur annähernd genug gedankt werden kann, die Vertragsverlängerung des DFB mit dem Werbepartner Bitburger rundheraus in Frage gestellt. Die Bemühungen des DFB in der Alkoholprävention („Alkoholfrei Sport genießen“) auf der einen Seite sowie sein Engagement in der Bierwerbung andererseits stehen in eklatantem Widerspruch. Als Ausweg sieht Zwanziger allerdings die Möglichkeit, dass sich die Bierwerbung im DFB ausschließlich auf alkoholfreies Bier bezieht. Dazu Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung: „Kinder und Jugendliche können in der Werbung nicht zwischen alkoholfreiem und alkoholhaltigem Bier unterscheiden. Sport darf gerade für sie nicht mit Alkohol und damit auch nicht mit Bier verknüpft werden.“

Noch einmal: Großer Dank an Dr. Zwanziger dafür, dass er diesen Stein ins Rollen brachte und an Mechthild Dyckmans für ihr eindeutiges fachliches Statement!

Und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünscht schöne Wochen im Advent

Ihr Dr. Raphael Gaßmann

 

 
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