Saufen bis der Arzt kommt?

Bemerkenswerter Alkoholmissbrauch auf dem Oktoberfest ist leider kein Ausnahmefall, sondern nicht hinterfragte „Brauchtumspflege“.


Am 17. September 2016 hat das 183. Oktoberfest in München begonnen. Mit dem traditionellen Fassanstich des Münchner Oberbürgermeisters und der Kampfansage „O’zapft is!“ ruft das größte Volksfest der Welt jedes Jahr zum offiziellen Kampftrinken auf. In 37 Festzelten und insgesamt 144 Gastronomiebetrieben beginnt die bayrische Gemütlichkeit schon am Vormittag. In der Hauptsache besteht sie darin, sich ordentlich volllaufen zu lassen. 7,5 Millionen Liter Bier wurden im vergangenen Jahr auf der Wiesn ausgegeben. Damit wird auf dem Oktoberfest in zwei Wochen so viel Bier getrunken, wie die Einwohner einer mittelgroßen Stadt wie Höxter in einem Jahr konsumieren.

 

Was auf den ersten Blick so seltsam anmutet, hat eine lange Tradition. Eine lange Tradition im gesellschaftlich erwünschten Alkoholtrinken. Alkohol in Deutschland gehört zum gesellschaftlichen Leben dazu, seltsam angesehen wird eher, wer keinen Alkohol trinkt. Es sei denn, man muss fahren oder ist schwanger. Nahezu jeder gesellschaftliche Anlass, von der Taufe über die Geburtstagsparty bis zum „Leichenschmaus“, lädt nicht nur zum Trinken ein, sondern fordert dazu auf.

 

Auch „Brauchtumspflege“ und „Tradition“ haben in Deutschland oft mit unreflektiertem Trinken zu tun: Während der Karnevalstage im Rheinland stehen Polizei und Rettungsdienste unter Dauerstress, weil viele Karnevalisten unter „feiern“ verstehen, sich zu betrinken. Im vergangenen Jahr zählte der Sanitätsdienst in Düsseldorf am „Altweiberdonnerstag“ bereits bis 18 Uhr 289 karnevalsbedingte Einsätze. Nur 13 davon waren nicht auf zu viel Alkohol zurück zu führen. Der Kölner Rettungsdienst verzeichnete am selben Tag bis 20 Uhr 607 Einsätze.

 

Nicht nur die unmittelbaren Folgen des Trinkens (Alkoholvergiftung, Übelkeit, Erbrechen, Orientierungsverlust) sorgen für Zwischenfälle und Verletzungen, auch das Aggressionspotential steigt deutlich an, wenn zu viel Alkohol im Spiel ist. Tätliche Auseinandersetzungen sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel, Stürze, Schürf- und Schnittwunden ebenso.

 

So auch auf dem Oktoberfest: Die Ärzte und Helfer der Sanitätsstation behandeln während der zwei Festwochen alljährlich rund 7.000 Besucher, in manchen Jahren waren es sogar mehr als 8.000. Kreislaufkollaps, Schnittverletzungen und zu viel Alkohol zählen zu den häufigsten Problemen der Wiesn-Besucher.

 

Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Konsum von 9 Litern reinem Alkohol und einem durchschnittlichen Verzehr von 500 Flaschen (à 0,5l) Bier liegt Deutschland in der Alkoholstatistik weltweit ganz vorn. Laut einer aktuellen Untersuchung belaufen sich die direkten und indirekten Kosten des Alkoholkonsums in Deutschland auf rund 40 Milliarden Euro. In Krankenhäusern sind alkoholbedingte Behandlungsfälle die zweithäufigste Einzeldiagnose. Allein in Bayern wurden 2014 mehr als 53.000 Patienten wegen alkoholbedingter Erkrankungen stationär behandelt - Tendenz steigend.

 

Das Münchner Oktoberfest ist für die Stadt ein enormer Wirtschaftsfaktor, der jährlich fast eine Milliarde Euro in die Kassen spült. Dennoch bleibt zu fragen: Wie hoch ist der Preis? Den zahlen vor allem die Verbraucher!


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