Psychotrope Medikamente
Etwa 4 - 5 % aller häufig verordneten Arzneimittel besitzen ein eigenes Suchtpotenzial. Alle psychotropen Arzneimittel wie z. B. Schlafmittel und Tranquilizer vom Benzodiazepin- und Barbitursäure-Typ, zentral wirkende Schmerzmittel, codeinhaltige Medikamente oder auch Psychostimulantien sind rezeptpflichtig. Ein großer Anteil - schätzungsweise ein Drittel bis die Hälfte - dieser Mittel werden nicht wegen akut medizinischer Probleme, sondern langfristig zur Suchterhaltung und zur Vermeidung von Entzugserscheinungen verordnet.
Quelle: Glaeske, Janhsen 2002 und 2003; Hoffmann, 2005; Hoffmann, Glaeske, 2006
Umsatz der Psychopharmaka 2010
Präparategruppe | Gesamtabsatz | Gesamtindustrieumsatz |
Schlaf- und Beruhigungsmittel, Benzodiazepinähnliche Derivate, die benzodiazepinähnliche Wirkstoffe (19,5 Mio. o. 59 % aller Packungen) oder pflanzliche Stoffe (8,5 Mio. oder 31 % aller Packungen) enthalten | 28 Mio. Packungen | 122 Mio. Euro |
Tranquilizer, die "klassischen" Benzodiazepine | 9.9 Mio. Packungen | 29.5 Mio. Euro |
Quelle: Glaeske, 2012
Prävalenz der Medikamentenabhängigkeit
Schätzungsweise 1,4 bis 1,5 Mio. Menschen sind abhängig von Medikamenten mit Suchtpotenzial, 1,1 - 1,2 Mio. Menschen von Benzodiazepinderivaten abhängig und weitere 300.000 - 400.000 Menschen von anderen Arzneimitteln. Andere Schätzungen rechnen mit 1,9 Mio. Menschen
Quelle: Glaeske, 2012, Soyka, 2005
Literatur
Glaeske, Gerd (2012): Medikamente - Psychotrope und andere Arzneimittel mit Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial. In: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2012. Lengerich: Papst. 90-111.
Soyka, M. (et al.) (2005):Wo verstecken sich 1,9 Millionen Medikamentenabhängige? In: Der Nervenarzt. 76(1), 72-77.
Weiterführende Literatur zum Thema "Medikamente"
Faltblatt
"Amphetamine"
Faltblatt
"Benzodiazepine"
Faltblatt
"Schmerzmittel"
Basisinformationen
"Medikamente"
