DHS - Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
Newsletter 3-2018  

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

vor allem Anderen heute ein Hinweis in eigener Sache:

Wir schreiben unsere Referatsleitung Prävention aus. Die Position befindet sich am Puls aller Suchtpräventionsfragen der Gegenwart. Und ist so interessant wie abwechslungsreich. Wir legen Wert auf eine langfristige Arbeitsperspektive in unserem effizienten Team und freuen uns auf Ihre Bewerbung. Weitere Informationen finden Sie Leitet Herunterladen der Datei einhier.


Veröffentlichung

„Wenn wir es mit der Bekämpfung der Spielsucht ernst meinen, kann die Konsequenz nur sein, gar keine Spielgeräte in Gaststätten zu erlauben.“ Dies gab die vergangene und neue Drogenbeauftrage der Bundesregierung, Marlene Mortler, 2014 zu Protokoll: http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Drogenbeauftragte-Marlene-Mortler-will-Spielautomaten-aus-Kneipen-verbannen und musste erleben, wie ein ausgezeichneter Vorschlag selbst dann versenkt werden kann, wenn er von einer Regierungsvertreterin stammt. Wer auch immer diese „wir“ sind: „Wir“ meinen es also in Deutschland mit der Bekämpfung des pathologischen Glücksspielens offenbar bislang in keiner Weise ernst. Den entsprechenden Bericht des Fachbeirats Glücksspielsucht finden Sie hier: https://innen.hessen.de/sites/default/files/media/hmdis/jahresbericht_2016_-_2017.pdf
Frau Mortler wünschen wir bei dieser Gelegenheit nicht zuletzt jene gehörige Portion Glück und Gelassenheit, die es in diesem Amt zwischen allen Stühlen unbedingt braucht.


Veranstaltung

Gemeinsamer Fachkongress der DHS und des fdr+ vom 8. bis 10. Oktober 2018 in Berlin

Vom 8. bis 10. Oktober findet ein gemeinsamer Fachkongress der DHS und des Fachverbandes Drogen- und Suchthilfe (fdr+) in Berlin statt. Thema: „SUCHT: bio-psycho-SOZIAL“.

Das bio-psycho-soziale Modell verdeutlicht seit über vierzig Jahren seines Bestehens, dass sich weder die Ursachen der Sucht noch deren Bewältigung auf einzelne Faktoren zurückführen lassen.

Die Veranstaltung soll aus unterschiedlichen Perspektiven die Umsetzung des integrierten bio-psycho-sozialen Ansatzes in der Begleitung, Beratung und Behandlung suchtgefährdeter und süchtiger Menschen analysieren, diskutieren und weiterentwickeln.

Welchen Stellenwert haben die einzelnen Faktoren des Modells in der tatsächlichen Versorgung Suchtkranker? Welche Entwicklungen sind in den vergangenen Jahrzehnten zu beobachten? Wie dienen diese KlientInnen und PatientInnen? Diese und verwandte Fragen sollen bei der Veranstaltung vor dem Hintergrund der sehr unterschiedlichen Kompetenzen, Erfahrungen und Aufgaben der Fachkräfte im Mittelpunkt stehen.

Wir würden uns freuen, Sie in Berlin begrüßen zu dürfen.

www.dhs.de/start/startmeldung-single/article/gemeinsamer-fachkongress-dhs-und-fdr-2018-flyer-ist-online.html


Prävention

Als Gärtner: Die größten Böcke

„Auridis“ ist eine von ALDI-Süd finanzierte gGmbH. Das Unternehmen, einer der umsatzstärksten Händler von Billigalkoholika, strebt mit Auridis laut Selbstauskunft, eine Gesellschaft an, „in der alle Kinder im Wohlergehen und unter Bedingungen aufwachsen, die ihnen Chancengleichheit und die Entfaltung ihrer individuellen Potenzale ermöglichen.“ Auridis stellt „Finanzmittel zur Verfügung, mit denen die Verbreitung von Programmen und die Entwicklung von Hilfestrukturen finanziert werden.“ Eine Mitarbeiterin spricht dazu auch vom „gesellschaftlichen Wandel“. Hierfür, so der Firmensprech, „benötigt es proaktive, kritische, kreative und gestaltende Menschen.“ https://www.ruhrgruender.de/impactsummit-speaker-kristina-bohnstedt-von-auridis-im-interview/

Und vielleicht einen verantwortungsvollen Suchtmittelverkauf, zu dem ALDI offenkundig nicht bereit ist? Statt dessen werden also Projekte finanziert, die allen Ernstes unterstellen, die prekäre Situation Benachteiligter könne durch die bessere Arbeit von Hilfeeinrichtungen beseitigt werden. Um Schäden zu lindern, an deren Entstehung auch ALDI beteiligt war.

Oder „Mein Kind will keinen Alkohol“: eine Kampagne von Pernod-Ricard, die angeblich den Alkoholkonsum Schwangerer durch Information beenden will. Nachdem man mit Produktdesign und Werbung gerade den Alkoholkonsum junger Frauen fintenreich fördert. Mittelempfänger ist eine „Stiftung für das behinderte Kind“, die auch schon das Image des Deutschen Brauer Bund aufpoliert.

Auch so ein Fall: Die „Foundation for a Smoke-Free World“ gehört Philip Morris (Marlboro etc.) und beschäftigt sich nicht mit wirksamen Maßnahmen gegen den Raucheinstieg und das Rauchen, sondern mit der Aufgabe des Tabakrauchens und gesünderen „Alternativen“, bei denen selbstverständlich auch irgendetwas von Philip Morris inhaliert werden soll. Nachdem man täglich möglichst viele neue junge Menschen an die Nikotinsucht herangeführt hat.

Oder die Gauselmann-Stiftung „Kinderfamilien-Hilfe“. Nachdem einkommensschwache junge Männer mit dem Automatenspiel in Milliardenhöhe geschädigt wurden, unterstützt man einige von ihnen bei der Anschaffung „warmer Winterstiefel oder Bücher“ für ihre Kinder. (Das schreiben die wirklich!) Die Stiftung ist laut Selbstbeschreibung „in der Lage, hier schnell und unbürokratisch zu helfen und finanzielle Engpässe zu überbrücken“. Mit nicht mehr als insgesamt ca. 50.000 Euro jährlich aus Milliardengewinnen. Und nachdem es zum Beispiel nicht möglich war, Selbstsperren pathologischer Spieler zu akzeptieren, statt sie weiterhin bis aufs Hemd auszunehmen

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/gluecksspiel-suechtige-scheitern-mit-selbstsperren-klage-a-1141115.html

Aktiv ausgeblendet werden sowohl alle sozialpolitischen Rahmensetzungen und politischen Verantwortlichkeiten für soziale Benachteiligung als auch die eigene Verantwortung der Unternehmen für Alkoholkonsum, fatales „Glücksspiel“ oder das Rauchen und Saufen von Kindern und Jugendlichen, für finanziell ruinierte Familien, Haftstrafen, Suizide und all die schädlichen Folgen von Alkohol, Tabak und Automatenspiel. Statt den Jugendschutz zu wahren, Minderjährige nicht mehr als Hauptzielgruppe von Rauschmittelwerbung zu gefährden, harte Suchtmittel nicht mehr zu Taschengeldkursen zu verkaufen, statt also endlich Verantwortung für das eigene Gewerbe zu übernehmen.

Tatsächlich haben solche „Förderer“ die Förderung ihres Unternehmens und dessen Ansehens sowie absehbar die Vermeidung wirksamer staatlicher Regulierungen zum Ziel. Getarnt durch wohlklingende Absichtserklärungen betreiben sie verantwortungslose Preispolitik, verantwortungslose Vermarktung und Vertrieb - und feuern aus allen Rohren des Marketings, des Produktdesigns und der Lobbykanonen.

Aus derartigen Quellen finanzierte Projekte können von Glück sagen, wenn sie nichts erreichen. Doch in der Regel sind sie schädlich: Sie behindern oder verhindern wirksame Maßnahmen und okkupieren dabei oft auch noch die Arbeitsleistung von Profis. Ihre Entscheidungen sind intransparent, die Einflussnahme der Stiftungen meist massiv, Politik wie öffentliche und freie Träger werden geblendet mit steuerbefreiten Brosamen aus verantwortungslosen Geschäften. Und oft fällt das nicht mal auf. Entweder wird nicht evaluiert oder Maßnahme mit Ziel verwechselt: Schon die Durchführung gilt als Beleg für den Erfolg. Und für Aldi, Gauselmann, Pernod und Philip Morris (und noch einige andere) stimmt das auch. Hauptsache, der faule Zauber findet statt.

Die DHS hat ihre Position zur „Verwendung von Geldern der (E-)Tabakprodukt-, Alkohol- und Glücksspielindustrie sowie der pharmazeutischen Industrie“ unlängst aktualisiert. http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/dhs_stellungnahmen/pdf-Archiv/2017-08-21_Verwendung_von_Geldern_der_Industrie.pdf

Wir empfehlen unsere Stellungnahme zur freundlichen Kenntnis.


Rauchen, Erhitzen, Verdampfen: Neues Spiel nach alten Regeln

Gefälschte Studien, bestochene Akademiker, unterdrückte Fakten, geschmierte Politik: Viele denken bei diesem Begriffsfeld des Unanständigen seit mehr als einem halben Jahrhundert an die internationalen Zigarettenkonzerne. Jahrzehntelang haben Sie in dieser Reihenfolge erzählt, Rauchen sei gesund, zumindest nicht schädlich, fast unschädlich, jedenfalls ungefährlicher als behauptet und und und. Die Welt (und das ist hier durchaus wörtlich gemeint) wurde Jahrzehnte mit einem Lügenteppich überzogen, dass sich die Balken bogen. Nun, da es zumindest in den sog. „Industrieländern“ unter Nikotinsüchtigen wie unter Nichtrauchern Allgemeingut wurde, dass Rauchen extrem gesundheitsschädlich und auf die Dauer lebensgefährlich ist, werden offenbar die alten Strategien auf einem neuen Schlachtfeld genutzt. Während man nach Kräften - und erfolgreich - bemüht ist, den Konsum der Giftstäbchen nicht zuletzt in Afrika und Asien anzuheizen, werden für die bröckelnden Märkte Substitutionsprodukte entwickelt. Der Marktführer setzt weiterhin auf den klassischen Tabak, der nunmehr nicht verbrannt, sondern erhitzt wird. Die übrigen Konzerne engagieren sich im Feld des Verdampfens üblicherweise nikotinhaltiger Flüssigkeiten.

Schon aufgrund der erst unlängst erfolgten Markteinführung solcher Produkte können keine Informationen über deren Langzeitwirkungen vorlegen. Sicher ist jedoch Nikotin ein gefährliches Nervengift, gleich in welcher Form konsumiert, und mit hoher Wahrscheinlichkeit geht nicht zuletzt von den Aromastoffen in den Verdampferflüssigkeiten eine deutliche Gesundheitsgefahr aus. Im Übrigen stammen die meisten der vorgelegten Daten bislang aus schmutzigen Quellen: nämlich der Tabakindustrie selber. Deren eigene Studien strotzen vor „Unregelmäßigkeiten“, die ihre Verwendung ausschließen. Die Autoren unabhängiger Studien werden laut Bericht des Deutschen Ärzteblatts über Universitäts- und Fakultätsleitungen unter Druck gesetzt, ihre Publikation zurückzuziehen.

https://www.aerzteblatt.de/archiv/196042/Tabakerhitzer-Streit-um-rauchfreie-Alternative

Unter dem Strich bleibt zu allen Formen der Inhalation von Nikotinprodukten eindeutig richtig: Fangen Sie gar nicht erst damit an. Und wenn die Sache bereits schiefgegangen ist und Sie hängen an welchem Stäbchen auch immer: Tun Sie alles, um damit aufzuhören. Es lohnt sich.


Sucht- und Selbsthilfe

Suizidprävention bei Suchterkrankungen - Bedarfsanalyse

Im Projekt Suizidprävention bei Suchterkrankungen (http://suizidundsucht.net/) werden Vernetzungs- und Fortbildungsmaßnahmen für Fachkräfte der Suchthilfe entwickelt und evaluiert. Das Modellprojekt will die Suizidprävention für Menschen mit Suchterkrankungen bundesweit stärken. Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen des Suchthilfesystems, denen in der Suizidprävention bei Suchtkranken eine besondere Rolle zukommt, sollen für die Thematik sensibilisiert, bedarfsgerecht und berufsgruppen-übergreifend fortgebildet sowie langfristig miteinander vernetzt werden.

Wir laden interessierte Fachkräfte der Suchthilfe ein, sich an einer Bedarfsanalyse zu beteiligen. Durch Ihre Teilnahme helfen Sie, das Angebot für die verschiedenen Arbeitsbereiche und Berufsgruppen innerhalb der Suchthilfe zu optimieren. Bitte nutzen Sie das Online-Formular, um sich für die Umfrage zu registrieren. https://www.suizidundsucht.net/teilnahme.html


DG-SAS zur Zukunft der Suchthilfe

Überwiegend Mediziner und Psychologen haben ein Papier zur „Zukunft der Suchtkrankenversorgung“ verfasst. Der sehr spezielle Blick seiner Autorinnen und Autoren und ihre Fixierung auf Krankheiten und Behandlung begegnet nicht eben den realen Leistungen und Erfordernissen sozialarbeiterisch geprägter Suchthilfe und -prävention. Desungeachtet formulieren Medizin und Psychologie hier einen weitgehenden Alleindefinitions- und -(be)handlungsanspruch.

Insgesamt, so lässt sich die entsprechende Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit in der Suchthilfe (DG-SAS) zusammenfassen, verfolgt das sog. „Lübecker Memorandum“ eher berufsständische als Klienteninteressen. Der bio-psycho-soziale Ansatz ist ihm vollkommen fremd, sein Wissenschaftsverständnis für eine integrierte Versorgung ungeeignet. http://www.dgsas.de/downloads/Stellungnahme%20der%20DG%20SAS%20zum%20Lübecker%20Memorandum%20%20der%20DG%20Sucht.pdf


Neue Wege gehen: Junge Menschen für gemeinschaftliche Selbsthilfe begeistern

Unter diesem Titel hat NAKOS, die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen, eine lesenswerte Broschüre im Programm. Auch unter Berücksichtigung der Erfahrungen von Sucht-Selbsthilfeverbänden zeigt sie sehr nachvollziehbar Ursachen für das Älterwerden von Selbsthilfegruppen sowie viele Möglichkeiten, diesen Trend, wenn gewünscht, zu ändern. Das Heft ist kostenlos erhältlich (https://www.nakos.de/service/alle-publikationen/) und steht unter https://www.nakos.de/data/Fachpublikationen/2016/NAKOS-KP-09.pdf zum Download bereit.


Wissenschaft

Mediennutzung: Stigmatisierung und Pathologisierung auffälligen Verhaltens

Vor allem Jugendliche, die eine regelmäßige und intensive Nutzung sog. digitaler Medien betreiben, erhalten neuerdings die konzentrierte Aufmerksamkeit einer akademischen Gemeinschaft in Deutschland. Gleichzeitig und ohne weitere Definitionen wird ihr Verhalten mit einer Fülle wissenschaftlich ungesicherter Begriffe überzogen, die zu nichts als Stigmatisierung und Pathologisierung führen: Pathologischer PC- und Internetgebrauch, Mediensüchte, internetbezogene Störungen, Internetsuchtstörungen, Internet basiertes Suchtverhalten, Glücksspiel- und Internetabhängigkeit, Smartphonesucht, Spielsucht, Online-Kaufsucht, Internetsex- und -pornographiesucht, Soziale Mediensucht, Internet Addiction, Cybersexabhängigkeit, Onlinesexabhängigkeit, Internet gaming disorder, Virtual Reality Addiction, Streamingsucht, Netflixsucht, Fernsehsucht, Smartphonesucht, Compulsive surfing. All diese Begriffe schleudern wüst durcheinander.

Nunmehr sollen für diese Worthülsen Behandlungsleitlinien unter der Bezeichnung „Internetbezogene Störungen“ erstellt werden. Ebenso gut könnte man Alkohol-, Tabak- und Glücksspielkonsum als „Gaststättenbezogene Störungen“ bezeichnen. Da wissenschaftliche Evidenz für diese Krankheitsbilder fehlt, sollen sich dann die S1-Leitlinien auf Expertenmeinungen stützen - und zwar genau auf die jener Experten, denen es schon nicht gelingt, das Störungsbild zu definieren.

Insgesamt eher beunruhigend ist das reduzierte intellektuelle Niveau entsprechender Veröffentlichungen: Behauptungen statt Beweise, unbelegte Schlussfolgerungen, naive Analogien,  fehlende Kenntnis einschlägiger Fachliteratur und das Ausbleiben jeglicher Definitionen. Und immer wieder geht es bei diesem Thema ausschließlich um junge Menschen - eine vertraute Strategie: Jene zu pathologisieren, die sich gesellschaftlich am wenigsten dagegen verwahren können.

Um das ganz deutlich zu sagen: Selbstverständlich, und viele Suchtberatungsstellen kennen sich da hervorragend aus, gibt es Menschen (beinah jeden Alters), deren Mediennutzung höchst problematisch ist, zu gravierenden, vor allem sozialen Problemen führt und durch Beratung und Therapie positiv beeinflusst werden kann. Doch selbst jene, die dies als Sucht begreifen, räumen ein, dass klassische suchtkonstituierende Kriterien wie Toleranzerhöhung oder Entzugserscheinungen in diesem Bereich nicht auftreten. Und so stellen wir fest: Wenn es Internetabhängigkeit gäbe, dann gäbe es auch Waschabhängigkeit. Doch bislang und aus gutem Grund wird dieses Phänomen immer noch als Zwangshandlung verstanden.

http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/psychiater-abhaengigkeit-von-sozialen-medien-gibt-es-nicht-a-1205523.html

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/internet-abhaengigkeit-unter-jugendlichen-die-sucht-die-es-nicht-gibt-a-1196260.html

https://ajp.psychiatryonline.org/doi/pdf/10.1176/appi.ajp.2016.16121341

Eine so kundige wie entspannte Sichtweise auf die Problematik finden wir hier:

https://www.shz.de/lokales/norddeutsche-rundschau/nicht-gleich-zum-psychiater-id18816926.html


Sackgassen des Geistes

Nicholas Taleb, libanesischer Intellektueller, veröffentlicht mit seinem neuen Buch eine bemerkenswerte Schelte Intellektueller, Forscher, Wissenschaftler. Und beschreibt in seinem umfangreichen Essay das Unvermögen solcher, die "in Zirkularitäten fallen – ihr Haupttalent besteht in der Fähigkeit, Prüfungen zu bestehen, die von ihresgleichen entworfen wurden, oder Studien zu verfassen, die von Leuten wie ihnen gelesen werden.“

Hut ab! Man könnte die unbedarfte Selbstreferentialität bei weitem nicht nur mancher Suchtforschung kaum trefflicher auf einen einzigen Punkt bringen.

https://www.nzz.ch/feuilleton/riskiere-deine-haut-oder-schweig-ld.1387508


Rausch - Mittel - Sucht - Politik

Erster Drogenkonsumraum im Südwesten

Seit nunmehr über 20 Jahren bewähren sich Drogenkonsumräume für Schwerstabhängige. Positive Wirkungen zeigen sie sowohl in gesundheitlicher wie auch sozialer Hinsicht. Vor diesem Hintergrund schätzt auch die Bundesdrogenbeauftragte, Marlene Mortler (CSU), dieses Angebot als präventiv und schadensmindernd, wiewohl es in ihrem Heimatbundesland aus politischen Gründen nicht eingerichtet wird. https://www.bayernkurier.de/inland/11888-stuben-fuer-suechtige-in-den-brennpunktstaedten/

Gelegentlich der nun erfolgreichen Bemühungen in Karlsruhe wurden zwar wieder die traditionellen Bedenken aus der CDU laut, letztlich aber erwies sich nach Jahrzehnten des ideologischen „Kriegs gegen die Drogen“ die normative Kraft des Faktischen vor Ort als überlegen.
https://www.welt.de/regionales/baden-wuerttemberg/article175789119/Karlsruhe-stimmt-fuer-ersten-Drogenkonsumraum-im-Suedwesten.html


Cannabis: Repressionen gegen Konsumierende immer stärker

Nach offizieller Lesart soll die Verfolgung von Cannabis-Delikten insbesondere Hersteller und Handel treffen und so den Konsum verringern. Tatsächlich entwickelte sich die Verfolgungspraxis innerhalb von 10 Jahren ganz anders. Wurden 2008 noch rund 30.000 Handels- und Schmuggeldelikte mit Cannabis polizeilich festgestellt, so änderte sich diese Zahl bis 2017 kaum (knapp 32.000 Delikte). Die polizeilich festgestellte Einfuhr „nicht geringer Mengen“ von Cannabis sank sogar von 2008 (knapp 1.500) bis 2017 (gut 600) um mehr als die Hälfte.

Ganz anders die sog. „allgemeinen Verstöße gegen das BTMG“ im Bereich Cannabis. Diese Erfassungskategorie zeigt v.a. Verfahren gegen Konsumierende an. Lag diese Zahl im Jahr 2008 bei rund 100.000, so stieg sie bis 2017 auf über 166.000. Ein Zeichen täglich praktizierter Exklusion.

Die DHS verfolgt dementgegen den Ansatz gesellschaftlicher Inklusion sowohl Konsumierender als auch Abhängiger, gleichwohl von welchen Substanzen. Unsere entsprechende Grundsatz-Stellungnahme zu Cannabis haben wir bereits vor drei Jahren veröffentlicht. http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/news/Cannabispolitik_in_Deutschland.pdf

Und das DHS Memorandum zu Cannabis und Jugendschutz erschien unlängst.
http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/dhs_stellungnahmen/2018_PositionspapierCannabis.pdf


Personal mit Politik verwechselt: Deutschland in Europa isoliert

Seit Jahrzehnten ist die Politik aller deutschen Bundesregierungen und unter maßgeblicher Beteiligung von CDU/CSU, FDP, Grünen und SPD sehr „tabakfreundlich“. So versuchten mehrere deutsche Bundesregierungen, Tabakprävention per Klage auf EU-Ebene zu verhindern: Mit juristischen Begründungen aus der Werkstatt von Tabakkonzernen. Inzwischen ist Deutschland das einzige Land in der gesamten EU, das noch die Gesundheitsgefährdung seiner Bevölkerung durch Tabakaußenwerbung und -kinowerbung ermöglicht.

In letzter Zeit wurde es dabei fast zur Mode, einen bestimmten Regierungspolitiker hierfür persönlich verantwortlich zu machen: Volker Kauder. Ausweislich seines Wikipedia-Eintrags mag seine Nähe, gleich ob zu Alkohol-, Tabak- oder Rüstungsindustrie, diesen Eindruck unterfüttern. Doch wollen wir allen Ernstes davon ausgehen, dass ein einziger Politiker die Blockadeposition mehrerer Bundesregierungen gestaltet, ausführt oder verantwortet?
http://www.spiegel.de/forum/gesundheit/streit-um-werbeverbot-kinder-sind-goldstaub-fuer-die-tabakindustrie-thread-742400-1.html

Das wäre ungefähr so plausibel wie folgende Behauptung:
„Mich macht es traurig, dass wir [SPD] Sponsoring von der Tabakindustrie annehmen. Ich setze mich in unserer Partei dafür ein, dass das beendet wird. Das ist noch nicht gelungen. Aber beeinflusst das unsere Politik? Das Sponsoring zeigt keine Wirkung…“ (Prof. Dr. Karl Lauterbach, SPD)


Suchtmittelwerbung bleibt

Der Einladung zu einer unlängst durchgeführten Werbeveranstaltung für Werbung dürfen wir ausweislich ihrer Sprecherliste entnehmen, dass die Bevölkerung in Deutschland voraussichtlich auch in den kommenden dreieinhalb Jahren mit Alkohol- und Zigarettenwerbung belastet wird. (Leitet Herunterladen der Datei einLINK)

Die Obstruktion geht also weiter: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/77294/Deutschland-schneidet-bei-Alkoholpraevention-schlecht-ab
und macht die Fachwelt beinah sprachlos:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/95139/Tabakaussenwerbeverbot-erneut-angemahnt


Das Opioid-Problem der USA

Vor wenigen Jahren, etwa gelegentlich des Todes Prince Roger Nelsons, wurde die Öffentlichkeit außerhalb der USA auf deren fatale Durchseuchung mit opioidhaltigen Schmerzmitteln aufmerksam. Einige Zeit darauf erreichte die Erkenntnis sogar den Präsidenten. Die Lage ist also ernst.
https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-04/opioid-krise-usa-donald-trump-strategie

Bezüglich der Situation in Europa erreichen uns vergleichsweise unaufgeregte Einschätzungen. Dass dies weder selbstverständlich ist, noch so bleiben muss, verdeutlich eine Information der Zürcher Fachstelle zur Prävention des Alkohol- und Medikamenten-Missbrauchs (ZüFAM). https://www.zuefam.ch/fileadmin/user_upload/zuefam/newsletter/2018_04_zuefam_newsletter.pdf

Was uns bislang in Deutschland vor dem US-Desaster schützt, ist vor allem das weitgehende Werbeverbot für verschreibungspflichtige Medikamente. Und selbstverständlich sind einschlägige Kreise in Brüssel seit langem bestrebt, dieses auf dem EU-Weg aufzuweichen oder abzuschaffen. Falls deutsche Politiker und Politikerinnen also auch in dieser Frage Industrie-Interessen den Vorrang vor der Gesundheit ihrer Wählerinnen und Wähler geben wollen, bietet ihnen das US-Beispiel immerhin eine konkrete Vorstellung davon, wohin solch Treiben führen würde. Und für interessierte Patientinnen und Patienten hat ZüFAM eine übersichtliche und informative Broschüre zu „Opioide als Schmerzmittel“ veröffentlicht. https://www.zuefam.ch/fileadmin/user_upload/zuefam/medikamente/materialien/opioide_flyer_zuefam_web.pdf


Die Volksdroge: Stimmungswandel

Bereits im vergangenen Newsletter hatten wir auf deutlich veränderte Einstellungen in der deutschen Medienlandschaft und Bevölkerung zur Alkoholisierung Deutschlands und den auch im internationalen Vergleich extremen Folgeschäden hingewiesen. http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Newsletter/NL1-2018_Linkliste_PK.pdf

Als weiteres Beispiel hier eine Veröffentlichung der Rheinischen Post zu Alkohol im Alltag, die noch nach der Jahrtausendwende in keinem vergleichbaren Medium zu finden war.
http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/kein-alkohol-mehr-erfahrungsbericht-vom-fasten-ohne-bier-wein-und-co-aid-1.7524412


Sachsen: Fake facts zu Cannabis

Wenn mir die Welt nicht gefällt, kann ich (widewidewitt) mit Pippilotta Langstrumpf arbeiten. Was schert mich der Stand internationaler Erkenntnisse, wenn ich auch einfach eine Handvoll Untergebener meine liebsten Vorurteile bestätigen lassen kann:

https://www.l-iz.de/leben/gesundheit/2018/04/Sachsen-haelt-an-altertuemlicher-These-zu-Cannabis-als-Einstiegsdroge-fest-213354

Der vielzitierte Einstein formulierte hierzu einen feinen Gedanken: „Der gesunde Menschenverstand ist eigentlich nur eine Anhäufung von Vorurteilen, die man bis zum 18. Lebensjahr erworben hat.“

Echte Fakten, auch für das Sächsische Justizministerium hat die DHS hier zusammengefasst:
http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/dhs_stellungnahmen/2018_PositionspapierCannabis.pdf
und
http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/news/Cannabispolitik_in_Deutschland.pdf


Kultur

Alkoholwerbung für Kinder

Dass sich die allgegenwärtige Alkoholwerbung nicht an Kinder und Jugendliche richten würde, gehört zu den Lebenslügen der Alkohol- und Werbeindustrie. Wir haben hierüber schon vor Jahren in unserem EU-geförderten AMMIE-Projekt ausgiebig recherchiert und informiert. http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/AMMIE/A4_A12-2030_A12-2030_DHS_Ammie.pdf

In der vergangenen Adventszeit fanden wir in der Filiale einer großen deutschen Lebensmittelkette die wohl perfideste Alkoholwerbung des Jahres. Zielgruppe war auch hier: ganz bestimmt das erwachsene Publikum. Leitet Herunterladen der Datei einLINK


Geschenke


(Die Inhaltsangaben zu Sachbüchern entstammen den Verlagsbeschreibungen.)


Monika Ridinger: ADHS und Sucht im Erwachsenenalter

ADHS ist ein Phänomen, das häufig von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt und das Risiko für eine Suchtentwicklung erhöht. Liegen beide Störungen vor, erfordert dies von Betroffenen, dem sozialen Umfeld und den Betreuenden Verständnis und kreative Lösungen. Anhand praktischer Fallbeispiele werden in diesem Buch aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit Handlungswissen verknüpft. Verfasst für Betroffene und auf diesem Feld Tätige.

https://www.kohlhammer.de/wms/instances/KOB/appDE/nav_product.php?product=978-3-17-023938-8&world=BOOKS

Wir verlosen 3 Exemplare dieses Werks unter allen, die bis zum 22. Juni 2018 Ihr Interesse bekunden (Stichwort: ADHS). Bitte adressieren Sie an: DHS e.V., Anke Brodd, Westenwall 4, 59065 Hamm


Das ausgelobte DHS Jahrbuch Sucht 2018 ging an Brigitte Hauber (Ludwigshafen), Susanne Kellner (Kassel), Bernd Kramarczyk (Fürstenwalde), Uwe Müller-Herzog (Waldkirch) und Ulrike Wolf-Hauer (Stadtbergen). Herzlichen Glückwunsch!


Und Ihnen allen ganz ausgezeichnete letzte Frühjahrswochen und Grüße aus dem Mutterschiff der Suchtfragen von

Ihrem Dr. Raphael Gaßmann


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