Ess-Störungen

Essstörungen sind weit mehr als Probleme mit dem Essen. Sie sind der Versuch, mit Essen bzw. Nicht-Essen Schwierigkeiten zu bewältigen, die auf andere Art und Weise scheinbar nicht gelöst werden können. Essstörungen haben psychische Hintergründe, wirken sich körperlich aus, und sind in vielen Dingen einer Sucht sehr ähnlich. Daher werden sie als psychosomatische Erkrankungen mit Suchtcharakter bezeichnet.
Derzeit werden drei Arten von „Essstörungen“ unterschieden: Anorexia Nervosa (Magersucht), Bulimia Nervosa (Ess-Brech-Sucht) und andere so genannte atypische Essstörungen. Adipositas (Fettsucht) fällt nicht darunter, der Begriff bezeichnet zunächst nur starkes Übergewicht. Gleichwohl ist auch Adipositas nicht selten durch psychische Probleme verursacht.
Den Betroffenen der drei Krankheitsgruppen ist gemeinsam, dass ihnen aus der existenzsichernden Funktion des Essens ein psychosomatisches Problem erwachsen ist. Sie haben ein gestörtes Verhältnis zum Essen und zum eigenen Körper. Alle drei Essstörungen führen meist zu erheblichen gesundheitlichen, seelischen und sozialen Konsequenzen.
Die augenfälligste Essstörung ist sicherlich die „Anorexia“. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet Appetitlosigkeit; mit dem Zusatz „nervosa“ ist gemeint, dass das Phänomen „nervlich“ bzw. psychisch bedingt ist. Betroffene der Anorexia Nervosa unterdrücken Appetit und Hungergefühle, sie haben ein starkes Bestreben nach extremer Schlankheit trotz starken Untergewichts und panische Angst, zuzunehmen.
 „Bulimie“ steht griechisch für „Ochsenhunger“ und auch hier wieder der Zusatz „nervosa = nervlich“. Kennzeichnend für Bulimia Nervosa sind Heißhungeranfälle mit anschließenden gegenregulierenden Maßnahmen wie Erbrechen, Diäten, Missbrauch von Abführmitteln. Das Körpergewicht bewegt sich meist im Normalbereich, und so kann die Erkrankung oft jahrelang verborgen werden.
Zu den atypischen Essstörungen zählen alle Essstörungen klinischen Ausmaßes, die nicht den obigen beiden Kategorien zuzuordnen sind – auch die Binge-Eating-Störung. Sie ist ebenfalls durch Esssanfälle gekennzeichnet, jedoch fehlen gegenregulierende Maßnahmen, viele der Betroffenen sind übergewichtig.
Die Verteilung von Essstörungen unter Frauen und Männer, aber auch in den unterschiedlichen sozialen Schichten  ist in der Bevölkerung sehr unterschiedlich. Der Stand der Wissenschaft verweist auf eine massive Beteiligung psychischer und sozialer Faktoren am Krankheitsgeschehen hin. Stichworte sind hier: gesellschaftliches Schlankheitsideal, unterschiedliche und zum Teil widersprechende Rollenanforderungen an Frauen, familiäre Interaktionsmuster, sexueller Missbrauch. Diskutiert wird der Einfluss verschiedener Hormone und Neurotransmitter, zudem bestehen offenbar genetische Faktoren als Mit-Verursacher.
Das Krankheitsmodell misst somatischen, psychischen und sozialen Aspekten Bedeutung zu.
Bei den Essstörungen dauert es oft Jahre, bis sie erkannt und behandelt werden. Daher spricht der Bundesfachverband Essstörungen auch von einer „heimlichen“ Krankheit. Die Beratung erfordert essstörungsspezifische Kompetenz. Die Behandlung erfolgt durch multidisziplinären (medizinischen und psychotherapeutischen) Ansatz. Häufig findet man bei den Betroffenen auch weitere Suchtstörungen.

Weitere Informationen
www.bundesfachverbandessstoerungen.de
www.anad.de
www.hungrig-online.de

Suchtmedizinische Reihe "Essstörungen"
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