Chancen der Digitalisierung bei Hilfen für besondere Zielgruppen: geflüchtete Menschen

Der digitalen Kommunikation, häufig in sozialen Netzwerken, kommt eine große Bedeutung zu, wenn Menschen aufgrund von Krieg, Verfolgung und Vertreibung aus ihrer Heimat flüchten. Oft ist das Smartphone die einzige Möglichkeit, Kontakt zu Familie und Freunden zu halten, aber auch bei der Aufrechterhaltung eines überlebenswichtigen Netzwerkes zu anderen Betroffenen auf der Flucht und im aufnehmenden Land. Geflüchtete Menschen, insbesondere junge Geflüchtete, sind aufgrund der belastenden und traumatisierenden Erlebnisse sowie Exkludierung und Problemen bei der Integration eine besondere Risikogruppe für die Entwicklung problematischer Konsumformen und Suchtstörungen. Die Digitalisierung bietet hier allerdings Chancen des Zugangs zu einer ansonsten schwer erreichbaren Personengruppe.  

Prof. Dr. Michael Klein berichtet aus dem dreijährigen Projekt BE PREPARED (gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, BMBF), in dem ein smartphonebasiertes Präventionskonzept für junge Geflüchtete erstellt wird. Dabei werden Erfahrungen aus der Digitalisierung der Suchtprävention, den Serious Games, der kultursensiblen Arbeit integriert und zu einem innovativen Ansatz zusammengeführt. Inhaltlich geht es um die indizierte Prävention bei problematischem Alkohol- und Cannabiskonsum. Im Forum werden Hintergrund, Konzept und aktueller Entwicklungsstand des Ansatzes vorgestellt.

Seit Juni 2017 bis Dezember 2019 setzt die Deutsche Aidshilfe (DAH) in Zusammenarbeit mit acht Einrichtungen der Suchthilfe und -prävention aus 5 Städten das partizipative Modellprojekt PaSuMi (Partizipation, Suchthilfe/-prävention, Migration) um. Dabei sind einerseits der Einbezug der Lebensweltperspektive von (potenziellen) Nutzer*innen der Suchthilfe und andererseits die regelmäßige Überprüfung der Angebote und der Haltungen in diesen Eirichtungen zentral. So wird der Zugang zu bestehenden Angeboten mit und für eine dynamische Migrant*innenpopulation partizipativ verbessert. Ein großer Teil der Arbeit sowie Methoden und Ergebnisse werden digital umgesetzt und/oder Ergebnisse dazu digital verbreitet.

Im zweiten Vortrag des Forums werden die Erfahrungen aus dem Modellprojekt von den Referentinnen Golnaz Poursarvari und Diana Crăciun  zusammengefasst sowie Reflexions-/offene Fragen zur Diskussion gestellt.

Moderation:
Dr. Peter Raiser, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Hamm

Junge geflüchtete brauchen Suchtprävention – Online, kultursensibel, niedrigschwellig im Projekt BE PREPARED
Prof. Dr. Michael Klein, Kath. Fachhochschule NRW, Deutsches Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP), Köln

PaSuMi - Partizipation, Suchtprävention und Migration
Golnaz Poursarvari, Community-Partnerin im lokalen PaSuMi-Team in Nürnberg, koordiniert durch mudra-Drogenhilfe e.V., Nürnberg

Diana Crăciun, Bundeskoordination von PaSuMi, Deutsche Aidshilfe e.V., Berlin