DHS - Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
Newsletter 3-2020 - Sondernewsletter zum DHS Jahrbuch Sucht  

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

viele Monate haben wir, gemeinsam mit renommierten Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis, am neuen DHS Jahrbuch Sucht 2020 gearbeitet. Dabei konnte niemand von uns ahnen, dass der Erscheinungstermin mitten in eine Krise unvorstellbaren Ausmaßes fallen würde.

Daher informieren wir Sie nun mit einem Sondernewsletter über das heute erschienene Nachschlagewerk. Dabei legen wir den Schwerpunkt auf die neuesten Zahlen und Fakten zum Konsum legaler und illegaler Drogen in Deutschland. Die weiteren Inhalte empfehlen wir Ihnen zur Lektüre. Allen Autorinnen und Autoren danken wir für ihre Recherchen, Aufbereitungen und kritischen Darstellungen.

Außerdem möchten wir an dieser Stelle all jenen danken, die sich in der Corona-Krise für die Aufrechterhaltung der Versorgung Suchtkranker einsetzen.

Unser besonderer Dank gilt der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Daniela Ludwig und ihrem Team, für die gute und unkomplizierte Zusammenarbeit und die Unterstützung in diesen schwierigen Zeiten. Gemeinsam mit den Verbänden der Suchthilfe machte Frau Ludwig bei Leistungsträgern der Renten- und Krankenversicherungen sowie bei Bundesministerien auf die Notwendigkeit aufmerksam, dass Leistungen der Suchthilfe auch in der aktuellen Situation nicht stillstehen dürfen.

Wir wünschen Ihnen - trotz aller Widrigkeiten - schöne Frühlingstage und ein frohes Osterfest!

Ihr Team der DHS Geschäftsstelle


Zahlen und Fakten zu Suchtmittelkonsum und -verhalten

Das am 08. April 2020 erschienene DHS Jahrbuch Sucht 2020 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) liefert die neuesten Zahlen und Fakten zum Konsum legaler und illegaler Drogen in Deutschland. Renommierte Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis informieren über aktuelle Trends bei einzelnen Suchtstoffen, zu abhängigem Verhalten und über die Versorgung Suchtkranker.

Alkohol

10,5 Liter Reinalkohol trank jede/-r Bundesbürger/-in im Alter ab 15 Jahren im Jahr 2017 (2016: 10,6 Liter). Damit zählt Deutschland international noch immer zu den Hochkonsumländern, trotz sinkenden Konsums. Zum Vergleich: Die Trinkmenge im Niedrigkonsumland Norwegen betrug 6 Liter Reinalkohol pro Einwohner/-in ab 15 Jahren im Jahr 2017. Um dieses Niveau in Deutschland zu erreichen, bräuchte es weitere 54 Jahre – vorausgesetzt der Alkoholkonsum sinkt weiter im bisherigen Tempo (1970: 14,4 Liter Reinalkohol). Der Gesamtverbrauch an alkoholischen Getränken in Deutschland stieg im Jahr 2018 um 0,3 Liter auf 131,3 Liter Fertigware je Einwohner/-in. Diese Menge entspricht in etwa einer Badewanne an Bier, Wein, Schaumwein und Spirituosen.

Insgesamt 3 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren hatten im Jahr 2018 in Deutschland eine alkoholbezogene Störung (Missbrauch: 1,4 Millionen; Abhängigkeit: 1,6 Millionen). Etwa 74.000 Todesfälle jährlich werden allein durch Alkoholkonsum oder den kombinierten Konsum von Tabak und Alkohol verursacht. Experten und Expertinnen weisen im DHS Jahrbuch Sucht 2020 darauf hin, dass Alkoholkonsum immer riskant ist. Deshalb sollte möglichst wenig oder gar kein Alkohol getrunken werden.

Auf rund 57,04 Milliarden Euro pro Jahr beziffert der Gesundheitsökonom Dr. Tobias Effertz im DHS Jahrbuch Sucht 2020 die ökonomischen Kosten des schädlichen Alkoholkonsums in Deutschland. Dem stehen Einnahmen des Staates aus alkoholbezogenen Steuern von nur 3,185 Milliarden Euro (im Jahr 2018) gegenüber.

Tabak

Das Rauchen ist in den Industrienationen die führende Ursache vorzeitiger Sterblichkeit. Etwa 13,5 % aller Todesfälle in Deutschland waren auf die Folgen des Rauchens zurückzuführen. Das entspricht rund 121.000 Menschen (im Jahr 2013).

26 % der Männer und 19 % der Frauen ab 15 Jahren rauchten im Jahr 2017. Damit ist die Zahl der Raucher/-innen in Deutschland weiterhin rückläufig. Bei Jugendlichen ist der Trend zum Nichtrauchen bereits seit rund 15 Jahren zu beobachten.

Die bislang umgesetzten Maßnahmen der Tabakkontrollpolitik haben dazu geführt, dass vor allem Jugendliche und junge Erwachsene weniger rauchen. Dennoch besteht in Deutschland weiterhin erheblicher Nachholbedarf bei der nachhaltigen Verringerung des Tabakkonsums und beim verbesserten Nichtraucherschutz, wie Expertinnen und Experten im DHS Jahrbuch Sucht 2020 aufzeigen. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2019 bei 900 Zigaretten. Insgesamt wurden 74,6 Milliarden Fertigzigaretten in Deutschland konsumiert. Das ist ein minimaler Anstieg um 0,3 % gegenüber 2018. Der Verbrauch von Feinschnitt ging um 2 % auf 23.813 Tonnen zurück. Das entspricht etwa 35,7 Milliarden selbstgedrehter Zigaretten.

Der Konsum von (Wasser-)Pfeifentabak ist 2019 erneut stark angestiegen. Es wurden 4.150 Tonnen verbraucht, das ist ein Plus von 24,5 % gegenüber dem Vorjahr. Dies dürfte insbesondere auf die Beliebtheit des speziellen Wasserpfeifentabaks zurückzuführen sein, den vor allem Jugendliche und junge Erwachsene in Shisha-Bars oder zuhause rauchen.

Auf jährlich 97,24 Milliarden Euro beziffert der Ökonom Dr. Tobias Effertz die gesamtwirtschaftlichen Kosten des Rauchens. Davon entfallen 30,32 Milliarden Euro auf direkte Kosten (z.B. Kosten für die Behandlung tabakbedingter Krankheiten) und 66,92 Milliarden Euro auf indirekte Kosten (z.B. Produktivitätsausfälle).

Medikamente

Der Missbrauch und die Abhängigkeit von Medikamenten erhöhen sich insgesamt weiter, wie Untersuchungen zeigen. Dies betrifft insbesondere die missbräuchliche und unnötig hoch dosierte Anwendung, teilweise auch die Gewöhnung an nicht-opioidhaltige Schmerzmittel. Diese Entwicklung trifft auf hochgerechnet 1,6 bis 3,9 Millionen der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland zu.

Geschätzt sind etwa 1,5 bis 1,9 Millionen Menschen in Deutschland medikamentenabhängig, insbesondere von Benzodiazepinen (rezeptpflichtige Beruhigungs- und Schlafmittel) und Z-Substanzen (neuartige Schlafmittel) sowie opioidhaltigen Schmerzmitteln. Vor allem ältere Frauen sind betroffen, weil sie häufig über einen langen Zeitraum Psychopharmaka verordnet bekommen.

Illegale Drogen

15,2 Millionen Erwachsene im Alter zwischen 18 und 64 Jahren und etwa 477.000 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren haben aktuellen Schätzungen zufolge mindestens einmal in ihrem Leben eine illegale Droge konsumiert.

Nach wie vor nimmt Cannabis in allen Altersgruppen unter den illegalen Drogen die prominenteste Rolle ein. Bei den Jugendlichen war von Mitte der 2000er Jahre bis zum Jahr 2011 ein fallender Trend beim Cannabiskonsum zu beobachten. Seitdem ist wieder ein Anstieg zu verzeichnen: 2018 konsumierten 8 % der Jugendlichen im Alter von 12- bis 17 Jahren Cannabis. Das entspricht 367.000 jugendlichen Konsumierenden. Am häufigsten wird Cannabis von jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren konsumiert.

Nach Hochrechnungen des Epidemiologischen Suchtsurveys 2018 sind 309.000 Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren abhängig von Cannabis. Eine Kokainabhängigkeit liegt bei 41.000 und eine Amphetamin-Abhängigkeit bei 103.000 der 18-64-Jährigen vor.

Derzeit erhalten 79.400 Menschen in Deutschland eine Substitutionstherapie.

1.398 drogenbedingte Todesfälle wurden im Jahr 2019 in Deutschland polizeilich registriert. Gegenüber dem Vorjahr ist damit ein Anstieg um 9,6 % zu verzeichnen (2018: 1.276 Drogentote).

Glücksspiel

Auf dem legalen deutschen Glücksspielmarkt wurden 2018 rund 46,3 Mrd. Euro Umsätze (Spieleinsätze) erzielt. Laut einer 2019 durchgeführten Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind 0,39 % der 16- bis 70-jährigen bundesdeutschen Bevölkerung Problemspieler/-innen (229.000 Personen).  0,34 % zeigen ein pathologisches Spielverhalten (200.000 Personen), also eine Glücksspielsucht.

Versorgung

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat eine umfassende Bestandsaufnahme zu den Hilfen und Angeboten für Menschen mit Suchtproblemen in Deutschland verfasst. Darin werden erstmals auch Angebote im gesamten Gesundheits- und Sozialwesen aufgeführt, die neben und ergänzend zu den Leistungen der Suchthilfe bestehen. Die ausführliche Analyse der Versorgungssituation Suchtkranker in Deutschland findet sich unter: www.dhs.de, Rubrik Stellungnahmen. Dort ist auch die aktuelle Stellungnahme der DHS und ihrer Mitgliedsverbände zur Situation der Suchthilfe in der Corona-Krise hinterlegt.

Hilfe bei Suchtproblemen

Das Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) enthält Informationen zu den bundesweit ca. 1.500 ambulanten Suchtberatungsstellen und 800 stationären Suchthilfeeinrichtungen. Über die Suchfunktion können Hilfeangebote vor Ort recherchiert werden: www.suchthilfeverzeichnis.de

Bestellmöglichkeiten

Das DHS Jahrbuch Sucht 2020 können Sie über den Buchhandel oder direkt beim Pabst-Verlag bestellen: www.pabst-publishers.com


Inhalte des DHS Jahrbuchs Sucht 2020 im Überblick

Neben den Daten, Zahlen und Fakten zu Suchtstoffen und den Erscheinungsformen von Sucht, deren gesundheitlichen und sozialen Folgelasten sowie den Leistungen der Suchtkrankenhilfe in Deutschland greift das jährlich erscheinende DHS Jahrbuch Sucht weitere aktuelle Themen auf.

Die diesjährigen Sonderthemen befassen sich mit zwei besonders relevanten gesellschaftlichen Auswirkungen von Suchterkrankungen:

  • Dem Zusammenwirken zweier „Volkskrankheiten“ im Beitrag „Sucht und Depression (am Beispiel Alkoholkonsumstörungen)“ sowie
  • den volkswirtschaftlichen Kosten von Alkohol- und Tabakkonsum in Deutschland

Folgende Inhalte finden Sie im DHS Jahrbuch Sucht 2020:

Vorwort
Heribert Fleischmann

1 Daten, Zahlen und Fakten
Christina Rummel, Birgit Lehner, Jolanthe Kepp 

2 Suchtstoffe, Suchtformen und ihre Auswirkungen

2.1 Alkohol
Ulrich John, Monika Hanke, Jennis Freyer-Adam, Sophie Baumann, Christian Meyer

2.2 Tabak – Zahlen und Fakten zum Konsum
Benjamin Kuntz, Johannes Zeiher, Anne Starker, Thomas Lampert

2.3 Medikamente

Teil 1: Psychotrope und andere Arzneimittel mit Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial
Gerd Glaeske
Teil 2: psychoaktive Medikamente im Straßenverkehr
Peter Strohbeck-Kühner

2.4 Illegale Drogen – Zahlen und Fakten zum Konsum
Nicki-Nils Seitz, Christian Rauschert, Boris Orth, Ludwig Kraus

2.5 Glücksspiel – Zahlen und Fakten
Gerhard Meyer

2.6 Essstörungen
Eva Wunderer, Christian Strobel, Sigrid Borse, Andreas Schnebel

2.7 Delikte unter Alkoholeinfluss
Stanley F. Friedemann, Martin Rettenberger

2.8 Suchtmittel im Straßenverkehr 2018 – Zahlen und Fakten
Leon Straßgütl, Martina Albrecht

3 Suchtkrankenhilfe in Deutschland

3.1 Jahresstatistik 2018 der professionellen Suchthilfe
Hanna Dauber, Sara Specht, Jutta Künzel, Tim Pfeiffer-Gerschel, Barbara Braun

3.2 Rehabilitation substanzbezogener Abhängigkeitserkrankungen durch die Deutsche Rentenversicherung
Robert Simon, Mona Sägebarth

3.3 Statistik von fünf Sucht-Selbsthilfeverbänden in Deutschland
Jürgen Naundorff, Heinz-Josef Janßen, Claudia Kornwald, Barbara Hansen, Andreas Bosch

4 Aktuelle Themen

4.1 Die volkswirtschaftlichen Kosten von Alkohol- und Tabakkonsum in Deutschland
Tobias Effertz

4.2 Sucht und Depression (am Beispiel Alkoholkonsumstörungen)
Ulrich W. Preuss

5 Autor/-innenverzeichnis

6 Anschriften aus dem Suchtbereich

6.1 Bundesweit tätige Organisationen
6.2 Anschriften in den Bundesländer
6.3 Europäisches Ausland


Informationen für Fachkräfte der Suchthilfe und für Betroffene auf www.dhs.de

Anlässlich der aktuellen Corona-Krise finden Sie auf der Internetseite der DHS Informationen für Mitarbeitende der Suchthilfe: https://www.dhs.de/start/startmeldung-single/article/informationen-fuer-fachkraefte-in-der-suchthilfe.html

Auch für Hilfesuchende, Betroffene und Angehörige von Suchtkranken stellt die DHS auf ihrer Internetseite fortlaufend aktuelle Informationen bereit: https://www.dhs.de/start/startmeldung-single/article/hier-finden-betroffene-hilfe.html

Dort finden Sie Angebote der DHS und ihrer Mitgliedsverbände, z.B. Informationsmaterialien, Telefon- und E-Mail-Kontaktdaten von Suchthilfe-Einrichtungen sowie digitale Angebote (z.B. Online-Suchtberatungen) und Chat-Angebote der Sucht-Selbsthilfe.

Die zusammengestellten Informationen werden regelmäßig aktualisiert.


Informationen der Drogenbeauftragten zu COVID-19 und Suchtthemen

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, stellt auf ihrer Internetseite zahlreiche Informationen zu COVID-19 und Suchtthemen zur Verfügung: https://www.drogenbeauftragte.de/themen/drogenpolitik/covid-19-und-suchtthemen.html

 


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