Essstörungen - Zahlen, Daten, Fakten

Verlässliche Aussagen über die Verbreitung von Essstörungen sind schwierig zu erheben. Eine systematische Übersichtsarbeit (Dahlgren et al., 2017) ermittelte Lebenszeitprävalenzen für Frauen von 1,7 bis 3,6% für die Anorexia nervosa, von 2,6% für die Bulimia nervosa und 3,0 bis 3,6% für die Binge-Eating-Störung. Männer sind deutlich seltener betroffen, hingegen häufiger von Muskeldysmorphie, die einige Parallelen vor allem mit der Anorexie aufweist, jedoch nicht als Essstörung klassifiziert wird.

Quelle: Wunderer, E.; Strobel, C.; Borse, S.; Schnebel, A. (2020): Essstörungen. In: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) (Hg.): Jahrbuch Sucht 20. Lengerich: Pabst, S. 149–156.


Übersicht über wichtige deutsche und europäische Studien und deren aktuelle Befunde zur Prävalenz der Essstörungen in der Bevölkerung

Autoren

Veröffentlichung und Datenquelle

Erschei-nungs-jahr

Prävalenz (%)

 

 

 

Anorexia nervosa (AN)

Bulimia nervosa (BN)

Binge- Eating-Störung (BES)

Subklinische Essstörungen

Dahlgren et al.  

Dahlgren, C. L.; Wisting, L.; Rø, Ø. (2017): Feeding and eating disorders in the DSM-5 era. A systematic review of prevalence rates in non-clinical male and female samples. J Eat Disord 5:56.

Review zur Prävalenz von Essstörungen unter Einbezug von Studien in USA, Kanada und Europa; teilweise basieren die Zahlen auf einzelnen Studien (v.a. für Männer)!

2016

Lebenszeitprävalenzen

Frauen:

1,7-3,6%

 

Männer: 0,1%

Frauen:

2,6%

Frauen: 3,0-3,6%

 

Männer: 2,1%

 

Andere nicht näher bezeichnete Essstörungen: Frauen 11%

 

Keski-Rahkonen &

Mustelin  

Keski-Rahkonen, A.; Mustelin, L. (2016). Epidemiology of eating disorders in Europe: prevalence, incidence, comorbidity, course, consequences, and risk factors. In: Current Opinion in Psychiatry, 29 (6), S. 340–345.

Review zur Lebenszeitprävalenz von Essstörungen in Europa

2016

Lebenszeitprävalenzen

Frauen: <1-4%

Frauen: <1-2%

Frauen: <1-4%

Frauen: 2-3%

 

Männer: alle klini­schen Ess­störun­gen zusammengenommen: 0,3%

Männer: 0,7%

Nagl et al.

Nagl, M.; Jacobi, C.; Paul, M.; Beesdo-Baum, K.; Höfler, M.; Lieb, R.; Wittchen, H.-U. (2016). Prevalence, incidence, and natural course of anorexia and bulimia nervosa among adolescents and young adults. In: European Child & Adolescent Psychiatry, 25 (8), S. 903–918.

Deutsche Längsschnittstudie über maximal 10 Jahre mit mehr als 3000 Probandinnen und Probanden, die zu Beginn der Untersuchung 14-24 Jahre alt waren

2016

Lebenszeitprävalenzzu Beginn der Studie

für klini­sche Ausprägungen von AN und BN zusammengenommen:

Frauen: 2,9% 

Männer: 0,1%

 

subklini­sche Ausprägungen AN und BN

Frauen: 2,2%

Männer: 0,7%

gestörtes Essverhalten (einzelne Symptome)

Frauen: 11,5%

Männer: 1,8%

Inzidenz über die Lebensspanne bis zum letzten Messzeitpunkt der Untersuchung

für Frauen und Männer zusammengenommen

1,7%

1,1%

 

subklinische AN: 1,0%  

subklinische BN: 1,3%

Jacobi et al.

Jacobi, F.; Höfler, M.; Strehle, J.; Mack, S.; Gerschler, A.; Scholl, L. et al. (2014). Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung. Der Nervenarzt, 85 (1), 77–87.

Auswertung des Zusatzmoduls „Psychische Gesundheit“ DEGS1-MH der repräsentativen Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland des Robert-Koch-Instituts

2014

12-Monats-Prävalenzen

 

Frauen: 1,1%

Männer 0,3%

 

Frauen: 0,3%

Männer: 0,1%

Frauen: 0,1%

Männer: 0,1%

 

Mohler-Kuo et al.

Mohler-Kuo, M.; Schnyder, U.; Dermota, P.; Wei, W.; Milos, G. (2016): The prevalence, correlates, and help-seeking of eating disorders in Switzerland. In: Psychological Medicine 46 (13), S. 2749-2758.

Repräsentative Studie in der Schweiz

2016

Lebenszeitprävalenzen

 

Frauen: 1,2%

Männer: 0,2%

 

DSM-5-Kriterien: Frauen: 1,9%

Frauen: 2,4%

Männer: 0,9%

Frauen: 2,4% Männer: 0,7%

 

Micali et al.

Micali, N.; Martini, M.G.; Thomas, J.J.; Eddy, K.T.; Kothari, R.; Russell, E. et al. (2017): Lifetime and 12-month prevalence of eating disorders amongst women in mid-life: a population-based study of diagnoses and risk factors. In: BMC Med 15 (1):12. 

Befragung von 5658 Frauen in der Lebensmitte aus der UK Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC)

2017

Lebenszeitprävalenzen (ausschließlich Frauen)

3,6%

2,2%

2%

Andere (nicht) näher bezeichnete Fütter-/ Essstörungen 7,6%

 

 

Quelle:
Wunderer, E.; Strobel, C.; Borse, S.; Schnebel, A. (2020): Essstörungen. In: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) (Hg.): Jahrbuch Sucht 20. Lengerich: Pabst, S. 149–156.
Wunderer, E.; Borse, S.; Schnebel, A. (2018): Essstörungen. In: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2018. Geesthacht: Neuland.