DHS Fachkonferenz

60. DHS Fachkonferenz SUCHT: Raus aus der Krise - Sucht in Veränderung?!

Unter dem Titel „Raus aus der Krise – Sucht in Veränderung?!“ analysierte und diskutierte die 60. DHS Fachkonferenz SUCHT die Folgen der Coronapandemie auf den Suchtmittelkonsum, die Versorgungsstrukturen sowie die Beratung und Betreuung abhängigkeitskranker Menschen. Die Veranstaltung, die vom 25.-27. Oktober 2021 im Kongresshotel Potsdam stattfand, stieß auf sehr großes Interesse und war mit rund 200 Teilnehmenden bereits einige Wochen vor dem Start ausgebucht.

Konsumverhalten in der Coronapandemie

In seinem Einführungsvortrag am ersten Konferenztag schilderte Dr. Thomas Kuhlmann (Psychosomatische Klinik Bergisch-Gladbach) die klinische Situation unter Coronabedingungen sowie die Auswirkungen auf Suchtkranke und das Hilfesystem. Wie Dr. Felix Rebitschek (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin) anschließend darlegte, bildet eine evidenzbasierte Risikokommunikation in Krisenzeiten wie der Coronapandemie die Grundlage für effektive Maßnahmen zum Gesundheitsschutz. Gesellschaftliche Implikationen von Sucht im Wandel der Zeit beleuchtete PD Dr. Larissa Schwarzkopf (IFT – Institut für Therapieforschung, München). Auf die Auswirkungen der Pandemie auf das Konsumverhalten ging Prof. Dr. Falk Kiefer (ZI – Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim) ein. Studien wie die anonyme, nicht-repräsentative Onlinebefragung des ZI Mannheim und des Klinikums Nürnberg im Mai 2020 zeigen, dass Menschen aufgrund individueller Faktoren mehr Suchtmittel konsumieren. Problematisch sei dies vor allem vor dem Hintergrund der Gewöhnungseffekte, die nach der Pandemie zu manifesten Problemen erwachsen können.

Suchthilfe, Suchtprävention und Sucht-Selbsthilfe in Coronazeiten

Strategien, Strukturen und neue Wege in der Suchthilfe, Suchtprävention und Sucht-Selbsthilfe standen im Fokus der 12 Foren am zweiten Konferenztag, die sich an einen Vortrag von Dr. Anne Kamann (UKE Hamburg) zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der Covid-19-Pandemie anschlossen. Dabei wurde deutlich, in welch vielfältiger Weise den coronabedingten Veränderungen begegnet wurde und welche künftigen Herausforderungen bestehen. Insgesamt gelang es den Referierenden, viele relevante Erkenntnisse zu vermitteln und zahlreiche Impulse für die Praxis zu geben. Der Austausch in den Foren fand auf einem hohen fachlichen Niveau statt. Die Belange der Sucht-Selbsthilfe wurden im Forum „Sucht-Selbsthilfe – optimierte Wirkung durch öffentliches Auftreten“ besonders berücksichtigt. Thematisiert wurde dort u.a. wie es nachhaltig gelingen kann, den Zugang zur Sucht-Selbsthilfe für Menschen attraktiver zu gestalten. Dies könne beispielsweise durch Online-Angebote in Ergänzung zu klassischen Gruppenangeboten ermöglicht werden, so eines der Ergebnisse.

Zukünftige Herausforderungen

Am Schlusstag der Konferenz zeichnete die neue Präsidentin des Deutschen Caritasverbands, Eva M. Welskop-Defaa ein eindringliches Bild davon, wie die Pandemie das Zusammenleben verändert hat. Dabei hob sie hervor, soziale Innovationen müssten neben technologischen Innovationen vorrangig in den Fokus gerückt werden. Die unmittelbaren und mittelbaren Folgen der Pandemie auf die Arbeit in der Suchthilfe stellte Dr. Peter Raiser, Geschäftsführer der DHS, in den Mittelpunkt seines Vortrags. Zudem benannte er zukünftige Herausforderungen, wie beispielsweise die Weiterentwicklung des historisch gewachsenen Suchthilfesystems in Deutschland und die Absicherung der Finanzierung von Angeboten der Suchthilfe.

Podiumsdiskussion: „Raus aus der Krise – bis hierhin und wie weiter?“

Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion am Schlusstag wiesen unter der Moderation von Helga Meeßen-Hühne (Landesstelle für Suchtfragen im Land Sachsen-Anhalt) in einem lebhaften Austausch auf bestehende Problemlagen und zukünftige Handlungsbedarfe hin. Unter der Fragestellung „Raus aus der Krise – bis hierhin und wie weiter?“ lenkten Annette Erhart (Rehaklinik Lindenhof), Andrea Hardeling (Brandenburgische Landesstelle für Suchtfragen), Dr. Kirsten Kappert-Gonther (MdB, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen) und Dr. Peter Raiser (DHS) den Blick u.a. auf die Bedarfe vulnerabler Zielgruppen (vor allem Kinder von Abhängigkeitskranken), die Notwendigkeit der sicheren Finanzierung von Suchtberatungsstellen, geschlechterspezifische Aspekte der Suchttherapie sowie die Cannabis-Legalisierung.  

Programm der 60. DHS Fachkonferenz 2021  

Wir danken dem Bundesministerium für Gesundheit und dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg für die finanzielle Unterstützung.